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In ihren Augen(El secreto de sus ojos, 2009)
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28. Oktober 2010
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Premiere: |
13. August 2009 (Argentinien) |
| FSK: |
ab 12
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Genre: |
Krimi, Drama |
| Länge: |
129 min
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Land: |
Argentinien, Spanien |
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Darsteller:
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Ricardo Darin (Benjamin Esposito), Soledad Villamil (Irene Menéndez Hastings), Pablo Rago (Ricardo Morales), Javier Godino (Isidoro Gomez), Guillermo Francella (Pablo Sandoval), José Luis Gioia (Inspector Baez), Carla Quevedo (Liliana Coloto), Barbara Palladino (Chica piropo), Mario Alarcon (Juez Fortuna Lacalle), Alejandro Abelenda (Pinche Mariano), Sebastian Blanco (Pinche Tino), Mariano Argento (Romano), Juan José Ortíz (Agente Cardozo), Kiko Cerone (Molinari) |
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Regie:
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Juan José Campanella |
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Drehbuch:
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Juan José Campanella, Eduardo Sacheri |
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 Inhalt
Ende der 90er. Benjamín Espósito arbeitete Jahrelang als Justizermittler in Buenos Aires, Argentinien. Nun ist er am Ende seiner Karriere angekommen und begibt sich in den Ruhestand. Doch die Schatten der Vergangenheit beginnen ihn zu verfolgen. Ein Fall vor etwa 25 Jahren lässt ihm noch immer keine Ruhe und er beginnt darüber ein Buch zu schreiben, welches letztlich nicht nur den Fall, sondern auch sein ganzes Leben, sein Land und seine Laufbahn als Justizermittler portraitiert. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Thomas Brendel
Der erfolgreichste argentinische Film aller Zeiten erzählt die fesselnde und emotional mitreißende Geschichte eines ungelösten Kriminalfalls, der die an ihm beteiligten Menschen Zeit ihres Lebens nie ganz losgelassen hat. Der Fokus der in zwei verschiedenen Zeitebenen angelegten Handlung liegt weniger auf der Auflösung des Falles, als vielmehr auf dessen Auswirkungen auf das Innenleben der seelisch geplagten Hauptfiguren. Regisseur Juan José Campanella inszeniert das starke Drehbuch in unglaublich atmosphärischen, spannungsgeladenen Bildern. Kleiner cineastischer Leckerbissen ist die phänomenale, fünfminütige Plansequenz etwa zur Mitte des Films, die für sich allein genommen schon Grund genug wäre diesen Film zu empfehlen. Komplettiert wird das großartige Gesamtbild durch überzeugende Leistungen des Darstellerensembles. Für all dies erhielt In ihren Augen verdientermaßen zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Es heißt, die Augen seien die Tore zur Seele. In Juan José Campanellas Romanadaption bewahrheitet sich das, wie sonst nur in wenigen Filmen. Im Rennen um die Academy-Awards 2010 stach dieser Film sowohl Hanekes Das weiße Band als auch das französische Gangsterepos Ein Prophet aus. Die Krimigeschichte, die sich gleich zu Beginn entfaltet, lässt aber zunächst über das wahre Potenzial zweifeln. Erst im Verlauf zieht der Film richtig in seinen Bann. Um den vordergründigen Thriller entrollt sich dann eine absolut sehenswerte Geschichte um Freundschaft, Loyalität und Liebe, kombiniert mit Motiven aus Polit- und Vergeltungsdramen.
Argentinien Mitte der 1970er Jahre: Das Land ist politisch instabil und wird wechselnd von stark rechten, zivilen Bündnissen (Peronisten) oder von Militärdiktaturen regiert. Zu dieser Zeit wird der Ermittlungsbeamte Benjamin Esposito (Richardo Darin) mit einem besonders bestialischen Verbrechen konfrontiert: dem brutalen Mord und der Vergewaltigung einer jungen attraktiven Frau in ihrer eigenen Wohnung. Zunächst tappt die Polizei im Dunkeln. Da die politische Führung aber gerne Ergebnisse vorweisen möchte, werden alsbald zwei Ausländer verhaftet, die vor dem Haus der Ermordeten zur besagten Zeit Reparaturarbeiten ausführten. In der Folter gestehen die beiden. Doch Esposito entlarvt die Farce, die drohte, den Fall ohne den wirklichen Täter ausfindig gemacht zu haben, zu den Akten legen zu lassen.
Während die Ermittlungen weitergehen, bekommt Esposito einen neuen Vorgesetzten. Die bildhübsche Kriminalistin Irene Menéndez Hastings (Soledad Villamil), frisch von der Universität. Esposito verliebt sich fast augenblicklich in die aparte Frau, wagt es aber nicht, sich ihr zu nähern. Er ist deutlich älter, sie entstammt der gesellschaftlichen Oberschicht und ist obendrein seine Vorgesetzte. An dieser Front gibt es scheinbar keinen Sieg zu erringen. Dafür verhilft ihm der Zufall zu einer heißen Spur in Sachen Mordfall. Und diesmal sieht es so aus, als sei der Verdächtige auch wirklich der Täter. Es gelingt sogar, ihn ausfindig zu machen und festzusetzen. Kaum inhaftiert, befindet er sich aber schon kurze Zeit später wieder auf freiem Fuße - dank eines Regimes, das der Meinung ist, dass dieser Mensch als Handlanger in der Freiheit von größerem Nutzen sein kann.
Der Spannungsbogen des eigentlichen Krimis, der zu Beginn aufwartet und mit reichlich sarkastischen Dialogen gewürzt ist, erschöpft sich vergleichsweise schnell. Zudem die Justiz, trotz eines Täters, der schnell bekannt wird, letztendlich längerfristig keine Gerechtigkeit zu erzeugen vermag. Der Krimicharakter ist aber nur eine Facette in diesem komplexen Genremix. Nebst diesem ziehen sich zwei unsterbliche Liebesgeschichten durch die Handlung: die eine, die nicht sein darf und die andere, die jäh zerstört wurde.
Punktuell taucht ein weiterer bedeutsamer Charakter auf, der Mann der Ermordeten. Die Begegnungen zwischen ihm - zuweilen zufällig - und Esposito symbolisieren meist Wendepunkte in der Geschichte oder in der Entwicklung der Charaktere. Für Esposito gerät die unerschütterliche Liebe über das Grab hinaus und der feste Glaube an eine (späte) Gerechtigkeit zum Prüfstein seiner eigenen inneren Überzeugung und einer besessenen Suche nach dem Schuldigen, die sich von 1974 bis 1999 zu einem ebenso verblüffenden wie verstörenden Ende hin spannt.
Wie der mehrdeutige Titel bereits verheißt, offenbart sich vieles in den Blicken der Figuren: Freundschaft, Zuneigung, Begehren. Bereits die erste Szene des Films, die wie der Vorspann zum finalen Epilog wirkt, spricht Bände: Esposito ist bereits Pensionär und aus dem Polizeidienst ausgeschieden; er arbeitet an einem Buch über den Mordfall, der für ihn niemals zufriedenstellend abgeschlossen wurde. Er trifft sich nach langer Zeit noch einmal mit seiner damaligen Chefin. Beide haben viele Jahre zusammen gearbeitet, ohne gewisse Grenzen der Vertraulichkeit aber jemals überschritten zu haben; jetzt sitzen sie sich in einem Café gegenüber, flachsen und flirten freundschaftlich miteinander - und in ihren Blicken liegt unendlich viel Unausgesprochenes.
Genau diese Zwischentöne sind es, die In ihren Augen zu einem überaus berührenden Film machen. Die verschachtelte Struktur und der chronologische Bogen, in der der Krimi, die Romanze und das politische Gesellschaftsportrait eingewoben sind, machen es aber nicht immer ganz leicht, der Handlung zu folgen. Zumal in puncto argentinischer Vergangenheit der Film einiges Wissen voraussetzt, um gewisse Details erst in ihrem vollem Umfang begreifen zu können. Doch auch ohne dieses spezielle zeitgenössische Wissen, vermögen sich die wesentlichen Momente zu erschließen. Und das zeitlose Thema der unsterblichen Liebe ist ohnehin in der Lage, eine ganz klare Sprache zu sprechen.  Weitere interessante Filme
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