Mit der Romanverfilmung des gleichnamigen Buches von E. M. Forster gelang James Ivory ein epischer Kostümfilm, der nicht nur eine ergreifende Geschichte zu bieten hat, sondern auch inszenatorisch kaum besser eingefangen werden konnte. Die glaubwürdigen Charaktere werden zudem von der tollen Darstellerriege hervorragend gespielt, so dass Freunde des Genres dieses Werk auf keinen Fall verpassen sollten.
Anfang der 90er erwiesen sich Regisseur James Ivory, sowie dessen beide Hauptdarsteller Anthony Hopkins und Emma Thompson als kongeniales Dream Team, wenn es darum ging einen Film in die Oscarseason zu schicken. Schon bevor Was vom Tage übrig blieb für acht Oscars nominiert wurde, konnte ihre vorherige Zusammenarbeit Wiedersehen in Howards End bei der Academy of Motion Pictures Arts & Sciences drei Auszeichnungen mit nach Hause nehmen und war gar für weitere sechs Preise nominiert.
Obwohl die Familien Wilcox und Schlegel unterschiedlicher kaum sein können, freunden sich Margaret Schlegel und Ruth Wilcox miteinander an. Diese Freundschaft hat nach dem Tod Ruths verheerende Folgen, hinterlässt diese den Landsitz Howards End nicht ihrem Ehemann Henry, sondern ihrer Seelenverwandten. Henry und dessen Familie beschließen das Testament zu verheimlichen, was jedoch für ein Spannungsverhältnis sorgt, als Henry plötzlich Gefühle für die deutlich jüngere Margaret entwickelt.
Was zu Beginn noch wie ein langatmiger Kostümschinken wirkt, wird spätestens nach einer halben Stunde zu einer ergreifenden Geschichte mit hervorragend geschriebenen Charakterentwicklungen. Gerade die geschaffenen Kluften zwischen Arm und Reich, Altem und Modernen wurden hervorragend in das Szenario eingearbeitet, so dass die Geschichte trotz Überlänge zu keinem Zeitpunkt langweilig ist, sondern kraftvoll und glaubhaft an den Mann gebracht wird.
Regisseur James Ivory weiß genau, wie er eine solche Geschichte verpacken muss und was sein Publikum sehen möchte. Alleine die wundervolle Pianomusik, welche die pompöse Ausstattung musikalisch besser nicht untermalen könnte, hinterlässt beim Zuschauer schon in den ersten Minuten mächtig Eindruck. Dieser bleibt dem Publikum über die komplette Laufzeit erhalten, so dass in nahezu jeder Minute des Filmes ersichtlich wird, warum Ivorys Werk in so vielen Kategorien für den Oscar nominiert wurde.
Wiedersehen in Howards End profitiert zudem von seinem hervorragenden Cast. Besonders Emma Thompson spielt einmal mehr hervorragend auf und hat nicht umsonst den Oscar für ihre Performance als beste Hauptdarstellerin mit nach Hause nehmen können. Das weitere Cast um Anthony Hopkins und Helena Bonham Carter steht dem jedoch nicht im Geringsten nach und kann durch die Bank überzeugen.
Vorneweg sei gesagt, dass man schon ein gewisses Faible für epische Kostümfilme haben sollte, damit sich der Film in seiner vollen Pracht entfalten kann. Dennoch sind die Geschichte, die Inszenierung und vor allen Dingen das Darstellerensemble so gut, dass man auch ohne Genreaffinität ruhigen Gewissens zur DVD und Blu-Ray dieses mit Preisen überhäuften Werkes greifen kann.