Eine weitere Nicholas-Sparks-Story gelangt in die Kinos. Bei seinen Lesern wegen seines leichten Stils beliebt, werden auch immer mehr seiner Bestseller verfilmt. In Mit Dir an meiner Seite steht die fast erwachsene Ronnie im Mittelpunkt, die einen Sommer mit ihrem Vater verbringen muss, den sie seit der Scheidung ihrer Eltern nur noch schneidet. Die Leichtigkeit im Buch entspricht der Sprache und dem Inszenierungsstil im Film. Wirklichen Tiefgang sucht man vergebens, stattdessen wird auf die Tränendrüse gedrückt. Aber auch das funktioniert nur teilweise, da die Charaktere wenig Substanz aufweisen.
Nicholas Sparks gehört zu den erfolgreichsten Autoren unserer Zeit. In seinen romantischen Weltbestsellern dreht sich in vielfacher Form alles um die Liebe. Beinahe eine Art fester Pointe scheint dabei, dass bei ihm die Liebe so etwas wie eine Trophäe ist, deren Gewinn oft mit Verlusten erkauft wird; so auch in Das Lächeln der Sterne, der letztes Jahr in den Kinos lief. Angesiedelt sind seine Geschichten meist im amerikanischen Süden; dort, wo auch er mit seiner Familie lebt. Dieses Lokalkolorit baut er gezielt ein, um mit dem nonchalanten Flair dieser Region, den Erzählungen Charme zu verleihen.
Aktuell gelangt die Adaption eines weiteren seiner Werke in die Kinos: Mit Dir an meiner Seite erzählt die Geschichte einer Familie, welche die Trennung der Eltern zu verarbeiten hat. Nach der Scheidung zog der Vater (Greg Kinnear) in seinen Heimatort; für die Kinder war das ein schlimmer Schlag. Besonders die ältere Tochter Ronnie (Miley Cyrus) rechnet ihm das regelrecht als Verrat an. Sie war eine enorm talentierte Pianistin, und als ihr Vater, der auch ihr Lehrer war, fortzog, hörte sie auf zu spielen.
Über die Sommerferien sollen nun Ronnie und ihr kleiner Bruder Jonah (Bobby Coleman) bei ihrem Vater verbleiben; für Ronnie stellt das auch ein klein wenig Strafe dar, da sie kürzlich wegen Ladendiebstahls angezeigt wurde. Jonah hingegen freut sich riesig, mit seinem Vater Zeit verbringen zu können. Es läuft, wie es nicht anders zu erwarten ist: Ronnie gibt sich ihrem Vater gegenüber zickig und rebellisch, sondert sich ab, und es gelingt ihr sogar im konservativen Süden, die einzigen paar Teens kennen zu lernen, die noch rebellischer sind, als sie selbst.
Sie stolpert aber auch über den charmbolzen Will (Liam Hemsworth), dem normalerweise die Herzen der Mädels zufliegen, lässt ihn aber abblitzen. Ronnie signalisiert mit jeder Faser ihres Ichs, dass sie diesen Ort ganz furchtbar findet. Ein wenig ändert sich ihre Einstellung, als sie sich urplötzlich als Tierfreund engagiert und Nacht für Nacht beginnt, Schildkrötengelege am Strand vor hungrigen Waschbären zu verteidigen. Der Anruf beim örtlichen Aquarium um etwas Unterstützung, beschert ihr abermals die Gesellschaft von Will, der ist nämlich dort ehrenamtlicher Mitarbeiter. Gemeinsam wachen nun beide über das Gelege und haben Gelegenheit sich besser kennen zu lernen. Ronnie entdeckt, dass Will womöglich doch mehr ist, als ein aufgeblasener Südstaaten-Schönling, für den sie ihn bisher hielt.
Anders als Das Lächeln der Sterne, das mit Diane Lane und Richard Gere in den Hauptrollen verfilmt wurde, richtet sich Mit Dir an meiner Seite an eine wesentlich jüngere Zielgruppe. Dementsprechend raffiniert war es auch, die weibliche Hauptrolle mit Miley Cyrus, dem Star aus Hannah Montana - Der Film zu besetzen. Da kann man sich entspannt zurücklehnen und der Sogwirkung vertrauen, die allein schon durch ihre Präsenz auf ihre zahlreiche, überwiegend junge und weibliche Fangemeinde ausgeübt wird.
Zynisch gesprochen, ist noch nicht einmal eine besonders originelle Inszenierung notwendig, damit der Film (kommerziell) funktioniert. Solche Streifen werden regelrecht zum Selbstläufer. Ähnlich der Twilight-Saga. Und tatsächlich: beobachtet man Ronnie und Will bei ihrer Romanze, fühlt man sich enorm an die endtragische Bella-und-Edward-Plattitüde erinnert: Wir lieben uns, können aber nicht zusammen sein, weil wir in verschiedenen Welten leben. Ganz so arg wird es hier aber nicht getrieben; zumindest bleiben dem Zuschauer kautschukartige Passagen erspart, die aus minutenlangen, klinisch depressiven Blicken bestehen. Anderseits erinnert das enervierend züchtige Liebespiel zweier volljähriger Teenager enorm an die Vampirromanze, die bald in die dritte Runde geht. Mag aber sein, dass dies generell der verklemmten amerikanischen Sexualmoral geschuldet ist.
Besonderen Tiefgang braucht man sich von dieser Verfilmung insgesamt nicht zu versprechen. Es gibt einiges an Familienzwist, Liebesgewirre, ein paar sorgsam konstruierte Ecken und Kanten, damit wie auf Ansage ein paar konfliktäre Situationen entstehen können und auch so was wie tragische Wendungen, damit das Ganze nicht permanent auf nivellierter emotionaler Klaviatur spielt. Selbst damit packt die Geschichte aber nicht wirklich zu. Mag sein, dass dies bei den Adaptionen der Sparks-Romane aber grundsätzlich ein Mann-Frau-Ding ist; und hier gesellt sich noch hinzu, dass die Geschichte eher für ein jüngeres Publikum angedacht ist.
Ein wenig Familiendrama (speziell Vater-Tochter-Konflikt), etwas Coming-of-Age-Story und die unausweichliche Teenie-Romanze liefert Mit Dir an meiner Seite und wirkt dabei routiniert abgefilmt, richtig warm will man aber mit den Figuren nicht werden. Generell stellt sich das Gefühl ein, dass dem Film einfach das notwendige Quantum Intensität fehlt. Die Charaktere sind Stereotyp sowie oberflächlich gezeichnet und die Wendungen kommen meist auf Ansage. Zum Ausgleich gibt es einen weiblichen Quotenbringer und dazu einen adonishaften männlichen Protagonisten, der einem griechischen Halbgott gleicht, damit sich das Äuglein der Mädels im Publikum daran ebenfalls erfreuen kann. Der Film sollte zwar jene, für die er gemacht wurde, auch durchaus ansprechen, tief zu berühren vermag er aber leider nicht.