The Deep End - Trügerische Stille Poster

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The Deep End - Trügerische Stille

(The Deep End, 2001)

Dt.Start: 21. Februar 2002
DVD: 10. Oktober 2002
Premiere: 21. Januar 2001 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: USA
Darsteller: Tilda Swinton (Margaret Hall), Goran Visnjic (Alek Spera), Jonathan Tucker (Beau Hall), Peter Donat (Jack Hall), Raymond J. Barry (Carlie Nagel), Josh Lucas (Darby Reese), Tamara Hope (Paige Hall), Jordon Dorrance (Dylan Hall), Heather Mathieson (Sue Lloyd), Holmes Osborne (Loan Officer), Richard Gross (Deputy Sheriff), Kip Martin (BVD), Franco Delgado (Barrish Bruder), Kip Ellwood (Krankenpfleger), Margo Krindel (Jackie)
Regie: Scott McGehee, David Siegel
Drehbuch: Elisabeth Sanxay Holding, David Siegel


Inhalt

Magaret Hall ist Mutter dreier Kinder, um die sie sich weitestgehend alleine kümmern muss, da ihr Mann auf einem Flugzeugträger der U.S.-Navy beschäftigt ist und nur selten daheim sein kann. Das idyllische Dasein in ihrem bescheidenen Haus an einem großen See gerät zunehmend aus den Fugen, als ihr schwuler, ältester Sohn, Beau, in einen Streit mit seinem Liebhaber Darby gerät, und dieser bei jenem Streit durch einen Unfall zu Tode kommt. Nachdem Magaret die Leiche versteckt hat, taucht ein seltsamer Fremder namens Alek auf, der sie mit einem Videotape, auf dem ihr Sohn zusammen mit dem Toten beim Liebesspiel zu sehen ist, auf 50.000 Dollar erpresst.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Deep End - Trügerische Stille hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 49%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Janis El-Bira
The Deep End - Trügerische Stille hat eine Wertung von 49%

Viele gute Ansatzpunkte hat der neue Film des Regieduos McGehee / Siegel ja, das erstmals 1993 in dem Thriller Werk Suture zusammenarbeitete. Der neue Streifen, The Deep End - Trügerische Stille, lässt sich dagegen eher einem Genregeflecht aus Familiendrama und Krimi zuordnen und nimmt sich dabei eines sehr ambitionierten Stoffes, nämlich der bedingungslosen Aufopferung einer Mutter für ihre Kinder, an. Margaret Hall, eine typische Soldatenfrau, die es sozusagen in kleinerem Ausmaße ihrem Gatten gleichtut und ihr ganz eigenes Segment der Heimat gegen Eindringlinge verteidigt, ist dabei die Zentralfigur des Filmes. Sie ist mit vollem Einsatz und mit all ihrer Kraft die Mutter ihrer Kinder und, nur von ihrem Schwiegervater Jack unterstützt, muss sie für sie auch gleichzeitig die Vaterrolle übernehmen.

Schwer genug scheint dies allein schon zu sein, doch macht es ihr der 17-jährige Beau noch schwerer: Vor einiger Zeit war er zusammen mit seinem "Kumpel", von dem Magaret nicht ahnt, dass er eigentlich Beaus Liebhaber ist und von dem sie verlangt, dass er sich von ihm fernhält, betrunkenerweise in einen schweren Autounfall verwickelt und wäre dabei fast zu Tode gekommen. Als Margaret daraufhin - wie direkt in der Anfangssequenz des Filmes zu sehen - starken Druck auf jenen Freund namens Darby ausübt, spannt sich auch dessen Beziehung zu Beau immer weiter und eskaliert letztlich in einem Streit, bei dem Darby - ohne Zutun Beaus - vom Bootssteg tödlich in einen Anker stürzt.

Beau ahnt nicht, dass Darby auf dem Grundstück seiner Familie zu Tode gekommen ist, aber Margaret findet morgens die Leiche des Liebhabers und - um jeden Verdacht von ihrem Sohn abzulenken - versenkt sie sie eigens im See. Der Vorfall scheint unbemerkt geblieben zu sein, bis eines Tages ein junger Mann vor der Tür steht und Margaret eine Videokassette präsentiert, auf der eine Sexszene zu sehen ist, die Beau zusammen mit dem toten Darby zeigt. Er droht ihr an, diese der Polizei aushändigen, wenn sie ihm und seinen Auftraggebern nicht eiligst 50.000 Dollar aushändigt.

Dies ist die Ausgangssituation in The Deep End - Trügerische Stille der sich der Zuschauer relativ schnell wieder findet. Wie fraglos festzustellen ist, handelt es sich bei der Geschichte um die grenzenlose Liebe der Mutter zu ihren Kindern eine hochambitionierte Thematik, aus der sich sicherlich ein packendes, starkes Drama und - unter Beachtung der Kriminalstory, die sich nebenher entwickelt - auch ein beachtlicher Thriller hätten entwickeln können. Leider gelingt dies allenfalls sehr bedingt, was jedoch keinesfalls an den Schauspielern festzumachen ist, die ja vielleicht schlimmstenfalls gar noch eine übertriebene Portion an genreimmanentem Kitsch und Pathos hätten einbringen können. Nein, die beiden Hauptdarsteller Goran Visnjic (bekannt aus der Fernsehserie ER), der den seltsamen Erpresser Alek darstellt, und Tilda Swinton als Margaret agieren nüchtern, sachlich und füllen ihre Rollen so gut es geht aus. Besonders die Britin Swinton, die beispielsweise auch in der Rolle der Mutter in Tim Roths herausragendem Inzestdrama The War Zone (1999) zu sehen war, überzeugt auf ganzer Linie, geht in ihrer Rolle auf und glänzt als kühle, aber dennoch gefühlsbetont agierende Fürsorgerin, für die ihre Kinder den einzigen Kern ihres Daseins darstellen.

Auch an der formal strengen Inszenierung McGehees und Siegels gibt es wenig auszusetzen: Ruhige Bilder und Erzählweise harmonieren durchaus mit der Beschaffenheit der Umgebung, in der das Drama spielt, und auch eine interessante Farbdramaturgie ist zuweilen auszumachen, die Swintons dichte Schauspielkunst teils gar noch weiter hervorzuheben und die sich andeutende Zuneigung zwischen Alek und Margaret zu verdeutlichen weiß. Nein, die Schwächen von The Deep End - Trügerische Stille liegen anderswo und sind dafür so eklatant, dass es mich doch stark wunderte, dass einige Kritiker den Film aufs Höchste lobten. Was diesem Film fehlt ist auch nur irgendein Ansatz von "Tiefenschärfe". Selten habe ich in letzter Zeit einen Kinofilm gesehen, der eine so hochgestochene und wichtige Thematik, letztlich doch so belanglos zu ertränken versteht, was besonders an dilettantischen Schwächen im Hinblick auf Drehbuch und Figurenzeichnung festzumachen ist: Der Film erinnert äußerlich in seinen Thriller-Aspekten zwar ein wenig an Hitchcock, hat jedoch die Charakterzeichnung eines mittelmäßigen TV-Krimis - ausgenommen einmal die Figur der Margaret, die in der Extremsituation, in der sie sich befindet, adäquat gezeichnet ist.

Betrachtet man aber mal die Charaktere neben der Hauptfigur, so entdeckt man, dass sie hergesucht und wie das Klischee vom Klischee wirken. So wandelt sich Alek vom kalten Erpresser auf sehr fragwürdige Motivation hin und rein vom Mitleid mit der "armen Margaret" bewegt zu ihrem Beschützer und zum Kämpfer gegen seinen - peinlich "überböse" geratenen - Auftraggeber. Dieser Wandel verläuft im Film so schnell, überhastet und ansatzlos, dass er für den Zuschauer in keinster Weise wirklich nachvollziehbar ist und ähnlich unglaubwürdig erscheint, wie etwa die anderen Charaktere neben Margaret, Alek und Beau, die scheinbar nur als "Füllmaterial" herhalten. Auch stellt sich der Zuschauer immer wieder die Frage, was hinter diesen, viel zu rücksichtslos eingeführten und stets "halbfertig" wirkenden Charakteren steckt. Außer bei der Mutter gelingt es den Regisseuren nicht, auch nur einen von ihnen über eine oberflächliche Darstellung hinaus hervorzuheben und ihren Hintergrund, ihr Inneres zu beleuchten, was sie und ihre Verhaltensweisen für den Zuschauer schnell vorhersehbar und uninteressant macht.

Neben diesen gravierenden Schwächen, die leider auch die guten Darsteller keinesfalls kompensieren können, weist der Film auch noch die Homosexualität des Sohnes als einen der Kernpunkte des dramatischen Verlaufes der Handlung vor, was in heutigen Zeiten nur noch jämmerlich antiquiert wirkt; und so passt in The Deep End - Trügerische Stille nichts wirklich zusammen und der Film versagt fast auf ganzer Linie an den viel zu hohen Zielen, die er sich gesetzt hat, was ungemein traurig ist, da man mit diesen Darstellern und den zwei durchaus begabten Regisseuren sicherlich einen weitaus besseren, durchdachteren Film hätte schaffen können.



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