Nach Nebenrollen in zahlreichen Filmen (u. a. Die letzte Festung, 2001) legte Brian Goodman mit dieser DVD-Premiere sein autobiographisch gefärbtes Regiedebüt vor, für das er auch am Drehbuch mitschrieb. Doch leider fehlen seinem ambitionierten, um Authentizität bemühten, sowie hochkarätig besetzten Thrillerdrama eine gehaltvolle Story und vielschichtige Charaktere.
Brian Goodman hatte bisher kein leichtes Leben. Mit 12 musste er sich als Obdachloser durchschlagen, später landete er für kleinere Delikte fünf Jahre im Gefängnis. Doch durch Selbstdisziplin gelang es ihm, im Filmgeschäft Fuß fassen. Zunächst verdingte er sich als Schauspieler in kleinen Rollen, drehte gar zweimal mit Steven Spielberg (München sowie Catch Me If You Can). Mit Boston Streets, seinem Regiedebüt, verarbeitete Goodman nun seine eigenen Erfahrungen und ließ es sich nicht nehmen, wiederum in einer Nebenrolle aufzutreten.
In diesem Thrillerdrama, welches durch einige entsprechende Texteinblendungen den Anspruch auf die Rekonstruktion realer Ereignisse erhebt, wird das harte Leben von Kleinkriminellen gezeigt. Von zwei Freunden mittleren Alters, die sich seit ihrer Jugend mit Diebstählen und schmutzigen Geschäften über Wasser halten - ständig innerhalb mafiaähnlicher Strukturen, in denen das Zahlen von Anteilen von "Geschäften" auch Schweigen bedeutet. Der eine trägt den Namen Paulie (Ethan Hawke), ein Frauenheld und aufbrausend, der andere heißt Brian (Mark Ruffalo), ist zweifacher Vater und zunehmend alkohol- und drogensüchtig. Als sie eines Tages beim Klauen erwischt werden, landen sie im Gefängnis. Doch während Paulie nach seiner Entlassung keine Alternative zum Überfall eines Geldtransporters sieht, um weiter sein Leben zu finanzieren, will Brian den Ausstieg schaffen - obwohl seine finanzielle Situation zunehmend angespannt ist.
Positiv ist bei Boston Streets zu erwähnen, dass sowohl das Setting als auch die Schauplätze regelrecht Authentizität atmen und Ethan Hawke (Training Day) sowie Mark Ruffalo (Shutter Island) als Brian Goodmans Alter Ego solide Vorstellungen abliefern. Leider neigt der Film jedoch dazu, elliptisch zu erzählen. Viele einzelne Episoden aus dem Leben der beiden Freunde werden aneinander gereiht, eine wirklich kontinuierliche, stringente Handlung kommt jedoch genau dadurch nicht zu Stande. Die einzelnen Diebstähle und Gaunereien wechseln sich mit Brians Familien- und Beziehungsproblemen ab, ohne dass man sich als Zuschauer mit dieser Figur jemals tatsächlich identifizieren kann. Tiefergehende Charakterzeichnung sucht man hingegen bei Paulie, der eher als Sidekick zu begreifen ist, gänzlich vergebens. Was sich unter seiner Oberfläche verbirgt, bleibt ein Geheimnis.
Schade, denn durch diese unzugänglichen bzw. eindimensional gezeichneten Figuren und das leider nur platte Ende verkommt auch das ambitionierte Drama um soziale Herkunft und den Teufelskreis von Verbrechensmechanismen zu einer "Verbrechen zahlt sich nicht aus"-Moralkeule. Da hilft auch die bewegliche, Realismus suggerierende Kamera und die Verarbeitung eigener Erinnerungen Brian Goodmans nicht: Formal ist sein Regiedebüt gelungen, inhaltlich fehlt jedoch noch etwas der Feinschliff.