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Projekt 2

(Proyecto Dos, 2008)

Dt.Start: nicht bekannt Premiere: 08. Februar 2008 (Festival, Deutschland)
FSK: ab 16 Genre: Thriller
Länge: 141 min Land: Spanien
Darsteller: Adria Collado (Diego Durand), Lucía Jiménez, Helena Carrión, Yaiza Esteve, Alfonso Lara, María Luisa Merlo, Carlos Olalla, Josep Maria Pou, Bruno Squarcia, Manuel Zarzo
Regie: Guillermo Fernández Groizard
Drehbuch: Nacho Cabana, Chus Vallejo, Margarita Varea, Manuel Valdivia


Inhalt

Eine schöne Frau, ein süßer Sohn und ein interessanter Arbeitsalltag als Wissenschaftler auf den Spuren bahnbrechender Erkenntnisse: Diego Durand kann sich eigentlich glücklich schätzen. Wären da nicht diese Déjà-vus, die ihn ständig beeinflussen und ihm das Gefühl geben, bestimmte Dinge schon einmal erlebt zu haben. Diegos Leben gerät völlig aus den Fugen, als er im Fernsehen einen verunglückten Mann sieht, der ihm zum verwechseln ähnelt. Er versucht herauszufinden, um wen es sich dabei handelt.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Projekt 2 hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 20%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Carmen Porschen
Projekt 2 hat eine Wertung von 20%
Wie ein Paukenschlag bricht dieser Film über einen hinein. Die verwirrenden Bilder und Erzählungen erregen eine Menge Aufmerksamkeit und scheinen einen interessanten Plot einzuleiten. Doch was folgt, ist ein dürres Krimifilmchen auf Fernsehniveau bei dem alle tollen Einfälle einfach unoriginell abgegrast oder total vernachlässigt werden. Hiermit können die Spanier uns nicht von ihrem Händchen für spannungsvolle Thriller überzeugen, sondern geben in den ersten Filmminuten von Projekt 2 nur einen minimalen Eindruck davon. Für einen abendfüllenden Spielfilm ist das natürlich viel zu wenig.

Bild aus Projekt 2 Diegos Leben läuft eigentlich ganz geregelt ab: Er ist glücklich verheiratet, hat einen süßen Sohn und arbeitet als Wissenschaftler an einem spannenden Projekt mit. Doch der junge Mann leidet an plötzlich eintretenden Dèjá-vus. Wenn er bestimmte Dinge sieht - ein Pärchen auf der Straße oder auch nur Utensilien im Labor - ereilen ihn regelrechte Visionen von ähnlichen Szenen, die er so aber nie wirklich erlebt hat. Wegen dieser "Aussetzer" war Diego sogar schon in Behandlung bei einem Therapeuten, dieser hat ihm erklärt, dass er einen Defekt im Gehirn hat. Der bewirkt, dass Dinge, die er gerade erlebt oder gesehen hat, so abgespeichert werden, dass sie wie eine lange zurückliegende Erinnerung wirken. Auf diese Weise entstehen bei dem Wissenschaftler ständige Déjà-vus, mit denen er sich einfach abfinden muss.

Trotz dieser Diagnose hat Diego mit seinen "Visionen" zu kämpfen und in letzter Zeit scheinen sie sowieso immer häufiger einzutreten. Doch dann geschieht etwas noch merkwürdigeres. In einem Fernsehbericht sieht Diego einen Mann, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. Er wird von einem Auto angefahren und verstirbt an Ort und Stelle. Diego traut seinen Augen kaum - wer ist der Mann, der ihm aufs Haar gleicht? Er begibt sich auf Spurensuche und erfährt, dass er als Baby adoptiert wurde und einen Zwillingsbruder hat, der ebenfalls in eine Pflegefamilie kam. Bei seinen Nachforschungen ergeben sich für Diego sogar Zweifel an der Ehrlichkeit seiner Frau. Weiß sie etwa mehr als sie zugibt? Und warum sieht sich Diego plötzlich von zwei Männern verfolgt? Was steckt noch dahinter, dass er einen Zwillingsbruder hat und beide adoptiert wurden?

Projekt 2 hat einen äußerst rasanten Einstieg, in den ersten paar Filmminuten wird der Zuschauer bereits mit verwirrenden Informationen, Gesprächsfragmenten, Szenen und kurzen Bildern konfrontiert. Das überfordert ein wenig, macht aber auch neugierig und stellt automatisch hohe Erwartungen an den weiteren Verlauf des Filmes. Denn sofort werden so viele Fragen zum Gesehenen aufgeworfen und beim filmverwöhnten Zuschauer drehen sich die Zahnrädchen im Kopf. Denn wer will nicht durchschauen was einem da "um die Ohren gehauen" wird. Doch nach diesem hoffnungsvollen Start erlebt der spanische Film von Regisseur Guillermo Groizard einen kontinuierlichen Abbau, der nach und nach alle Hoffnungen auf einen klugen und überzeugenden Plot zerschlägt.

Die temporeichen Einstellungen des Anfangs können natürlich so nicht über die 97 Minuten fortgeführt werden, sonst würden Kopfschmerzen oder Augenflimmern drohen, doch wie sich dieser Film entwickelt wird dem Beginn so gar nicht gerecht. Der Zuschauer taucht in Diegos Leben ein, das von seltsamen Déjà-vus begleitet wird. Einige Widersprüche lösen sich bereits auf, als der Protagonist herausfindet, dass er einen Zwillingsbruder hatte, der in London lebt. Seine Nachforschungen schreiten voran, dazu fliegt er mal eben nach Argentinien und zurück, um die Adoptiveltern des Bruders aufzusuchen. Ähnlich hält es seine Frau, die zwei Termine vorschiebt, in Wirklichkeit aber kurz nach London reist - alles etwas unrealistisch gehalten. Außerdem läuft die Handlung immer lieb- und leidenschaftsloser ab, vor allem wenn man den interessanten Beginn bedenkt. Projekt 2 rutscht zusehends in die Sparte Fernsehkrimi ab, was daran liegen könnte, dass der Regisseur bisher nur für TV-Serien verantwortlich war. Im Film schlägt sich das nicht nur in den einfallslosen Geschehnissen nieder, sondern auch an den hölzernen Dialogen. Das kann zwar auch an der schlechten Synchronisation liegen, aber es fällt einem einfach immer wieder auf.

Was die Enttäuschung besonders groß macht, ist der Umgang mit den gestreuten Rätseln und Geheimnissen. Denn viele Dinge werden entweder nicht aufgelöst oder ergeben letztlich keinen richtigen Sinn. Ohne zuviel vom Inhalt verraten zu wollen, fehlt der Handlung einfach ein Clou oder ein Gedankengang, der ihn sehenswert macht. Schon allein die Déjà-vus der Hauptfigur, die ja zunächst den Kern der Handlung auszumachen scheinen, haben gar keine tiefere Bedeutung mehr. Vielmehr verlaufen sie sich im Sande und das ist einfach schade, weil aus solch einer Grundidee sicherlich viel hätte gemacht werden können. Die schauspielerischen Leistungen sind in Ordnung aber nicht herausragend. Hauptdarsteller Adria Collado tapst etwas unbeholfen durch das Geschehen, seine gelegentlichen Wutausbrüche oder Schockzustände sind da auch keine Leistung, die das ausgleichen kann. Auch Lucia Jiménez tut sich etwas schwer mit einer besonders ausdrucksstarken Darstellung der liebenden aber nicht ganz unschuldigen Ehefrau. Allerdings gibt das Drehbuch auch nicht gerade viel her, um hier oscarreife Glanzleistungen abzurufen.

Beim Schauen bekommt man irgendwie das Gefühl, ein ganz kluger und visionärer Kopf hätte die ersten paar Filmminuten erdacht und dann aufgehört. Irgendwer hat diesen Anfang gefunden und ohne Talent und Originalität daran weiter geschrieben. Vielleicht hat das mit dem Umstand zu tun, dass Groizard gleich vier Autoren mit dem Schreiben des Drehbuchs beauftragte. Einen brillanten Thriller oder Mysteriefilm kann man das Ergebnis aber nun wirklich nicht nennen. So wie die letzte halbe Stunden verläuft, stellt man sich vielleicht das spanische Pendant zum deutschen Tatort vor: Eine kleine, wackelig gefilmte Verfolgungsjagd, die - wie originell - mit einem explodierenden Auto endet und ein theatralisches Ende auf einem Hochhausdach, bei dem die fragwürdigen Killer mit ihren schallgedämpften Pistolen nur so loslegen. Es bleibt bei vielen, zumeist plötzlich auftauchenden Figuren völlig im Dunkeln, was sie vorhaben und welche Aufgabe sie im Gesamtgefüge tragen.

Zurück bleiben viele Fragezeichen und die Enttäuschung darüber, dass Regisseur Groizard aus seinem Debütfilm so wenig gemacht hat. Er sollte wohl lieber bei den Fernsehserien bleiben, denn das scheint sein Format zu sein. Die Thematik des Filmes, die eigentlich eine sehr interessante und ausbaufähige ist, nämlich die um Identität und Erinnerungsleistungen, geht völlig unter und wird gar nicht zu Ende gedacht. Es erscheint nicht so, als seien bestimmte Handlungselemente bewusst offen gelassen, sondern einfach vergessen worden. Dadurch fehlt dem Film an Schlüssigkeit und Geschlossenheit und darüber hinaus an Kinofilmformat. Ein misslungener Versuch einen spannenden und ausgefuchsten Thriller mit Mysterietouch zu drehen. Denn geblieben ist nur ein wenig berauschender Krimi ohne Höhepunkt, bei dem höchstens der stimmungsvolle Anfang überzeugen kann. Doch die dadurch geweckten Erwartungen machen die Enttäuschung nur umso größer.



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