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Auf der sicheren Seite

(Auf der sicheren Seite, 2010)

Durchschnittliche Redaktionswertung

77%



Inhalt

Immer häufiger leben Menschen in so genannten "Gated Communities", eingezäunten Bereichen, die strengstens bewacht werden. Durch zunehmende Unsicherheiten möchten sich immer mehr wohlsituierte Menschen von ihren ärmeren und ihrer Meinung nach gefährlicheren Mitmenschen abschotten, um sich ein Klima der Sicherheit zu schaffen. Diese Erscheinung sieht man in allen Teilen der Welt, beispielsweise Südafrika, Indien oder auch den USA.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

77%

Seit jeher war es den Reichen vergönnt, nicht nur im Luxus zu schwelgen, sondern sich auch von den Anderen abgrenzen zu können. Sei es allein schon deshalb, um Neider, die automatisch auf den Plan treten, fernzuhalten. Schon in der Antike und auch im Mittelalter teilten sich die Städte in Ober- und Unterstadt. Einen besonders gesicherten Platz für die Privilegierten und einen für all jene, denen das Glück nicht hold war. Auf der sicheren Seite führt zu den neuzeitlichen Varianten dieser elitären Zuflüchte. Was vordergründig wie eine Marotte der Reichen anmutet, erscheint bei näherer Betrachtung reichlich bizarr.

Bild aus Auf der sicheren Seite Gerade in Zeiten, in denen durch wiederkehrenden Terror überall auf der Welt und die mediale Dauerberieselung mit diesen Bildern, die Furcht geschürt wird, wächst auch das Sicherheitsbedürfnis stetig. Wer kann, schützt sich. Manch einer wird es vorziehen, das eigene Heim zur Hightech-Festung umzubauen, ein anderer sich mit privaten Personenschützern und Bodygards zu umgeben. Für manche ist aber das "antike Vorbild" der durch Ober- und Unterstadt voneinander getrennten Gesellschaften genau das Richtige.

In sogenannten Gated Communities mauern sich die Reichen ein und schließen die anderen aus. Der Dokumentarfilm von Corinna Wichmann und Lukas Schmid fängt Eindrücke von beiden Seiten der Mauern ein, hauptsächlich aber skizziert Auf der sicheren Seite die Menschen, die scheinbar bereitwillig Mauern um sich ziehen. Südafrika, Brasilien, Indien, USA - es gibt diese bewachten und ummauerten Städte beinahe auf jedem Kontinent, inzwischen auch hier in Deutschland. Es ist eine bewusste Entscheidung sich sozial zu isolieren: Nebst hohen Mauern stellen Elektrozäune, Videoüberwachung und bewaffnetes Sicherheitspersonal die Antwort der monetären Eliten auf die mannigfaltigen Bedrohungen aus anderen Gesellschaftsschichten dar.

Ganz draußen bleiben die Nichtprivilegierten indes nicht. Schließlich wird Personal benötigt. Und so entstehen in dieser schönen neuen Welt ganz neue Gesellschaftsklassen: Oben die Gated-Community-People, ganz unten Menschen, für die jeder Tag ein Überlebenskampf ist. Dazwischen gibt es die "Normalverdienenden" und diejenigen, welche ihr Auskommen mit Jobs für die gut bewachten Reichen bestreiten und sich damit eine bescheidene Existenz sichern, die sie als Privileg empfinden. Mehr als ein wenig makaber ist das schon: Ein schwarzer Gärtner und eine Haushälterin, die für ein wohlhabendes Paar aus einer Gated Community in Südafrika arbeiten und sich damit gerade eine barackenähnliche Wellblech-Bleibe finanzieren können, aber stolz sind, bei den Gated-Community-People überhaupt arbeiten zu dürfen.

Die elitären Paare ihrerseits, die in den Communities residieren und vermutlich nie einen Fuß in die Behausungen ihrer Arbeitskräfte gesetzt haben, sind bei jeder kleinen Zuwendung, die sie ihren dienstbaren Geistern zukommen lassen, der Meinung, sie würden die Beschäftigten gleich wie Freunde behandeln. Es scheint also, in irgendeiner Weise Realitätsverlust auf beiden Seiten der Mauern stattzufinden. Diese eingemauerten Gesellschaften treiben mitunter sehr bizarre Blüten: Innerhalb der Mauern existieren mancher Ortens rigide Regeln, die von Verwaltungsorganen erlassen und deren Durchsetzung von Sicherheitspersonal streng überwacht wird. Beispielsweise darf in einer Gated Community in den USA nicht einfach das Garagentor offen stehen, da dies das allgemeine Bild und die Harmonie in der Siedlung stören würde. Das sind surreale Auswüchse, die Satiren im Stile von Shopping-Center King gar nicht mehr irreal erscheinen lassen. Es bedarf lediglich eines schrägen Typen, dem die Uniform zu Kopf steigt.

Auf der sicheren Seite ist eine gut gemachte und solide recherchierte Doku, welche die Auswüchse der Einkommenseliten skizziert und offen legt, wie und wo die Zweiteilung der Welt bereits beginnt. Episodenhaft bewegt sich der Film von Ort zu Ort, was ihn besonders kurzweilig macht. Zudem lockern die vielen O-Töne alles auf und verleihen der Doku eine enorme Authentizität. Richtig auf den Zahn gefühlt wird den Bewohnern oder Betreibern der Gated Communities aber nicht. Das war vermutlich auch schlecht möglich, da sich die Tore in diesem Falle vermutlich ganz schnell wieder geschlossen hätten und die Filmmacher ausgeschlossen davor gestanden hätten.

Keine weitere Wertung


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