Ein Schotte in Spanien und ein alter Kauz, der gegen Kraftwerkbetreiber zu Felde zieht, wie einst ein literarischer Recke gegen Windmühlen, in denen er die Gestalten von Riesen sah, stehen im Mittelpunkt dieser charmanten Umweltkomödie. Unaufgeregt wird die Geschichte von Federico geschildert, der seit drei Jahrzehnten dafür kämpft, dass das regionale Kohlekraftwerk abgeschaltet wird. Und unerwartet schickt ihm das Schicksal einen Verbündeten aus dem fernen Schottland zu Hilfe. Sehenswerter Film, der von seinen authentischen Darstellern lebt und den Umweltschutzaspekt mal anders beleuchtet, aber nicht immer durchgehend fesselt.
Einst kämpfte ein Ritter, in einer Zeit in der die Ideale seines Standes längst ausgestorben waren, um die Gunst seiner Holden sogar gegen Windmühlen. In der modernen Variante kämpft ein alter spanischer Bauer gegen die Allmacht der Energiewirtschaft und die äußerst langsam mahlenden Mühlen der Bürokratie: Seit 30 Jahren bemüht sich Federico (Celso Bugallo), dass die spanische Regierung endlich ein Einsehen hat und die Dreckschleuder von Kohlekraftwerk schließt, die die Region verpestet. Bis es soweit ist, baut er Apparaturen, um seine Kirschbäume zu schützen, die vom Ruß und Staub des Kraftwerks und dem sauren Regen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Just in dieser Gegend strandet der schottische Globetrotter Pol Ferguson (Gary Piquer) nach einer Panne mit seinem Wohnmobil und wird prompt von den Bewohnern mit offenen Armen empfangen. Der Autor von Länderführern nutzt die Gelegenheit zu verweilen und Beobachtungen anzustellen. Alsbald beginnt er mit der Sache von Federico zu sympathisieren und unterstützt ihn fortan im Kampf gegen die Behörden. Die Jahrzehntelange Auseinendersetzung hat das Dorf derweil gespalten: Das Kraftwerk ist zugleich einer der größten regionalen Arbeitgeber. Seine Schließung wäre für die Natur zwar höchstwahrscheinlich ein Segen, hätte aber für viele Beschäftigte schwerwiegende Konsequenzen. Federico zählt aus diesem Grund und wegen seines hartnäckigen Kampfes gegen das Kraftwerk inzwischen nicht mehr allzu viele Freunde.
Federicos Kirschen ist im Grunde eine harmlose Öko-Komödie, die zwar lokal verhaftet ist, aber ohne ausgesprochenes volkstümliches Kolorit auskommt und den Zuschauer ebenfalls mit allzu penetranter Ethnomalerei verschont. Prinzipiell könnte sich diese Geschichte also überall ereignen. Das ist vor allem für die grundlegende Aussage wichtig, dass sich ein Kampf gegen solche, scheinbar allmächtig scheinende Giganten, überall in der Welt lohnt; auch wenn es zuweilen viele Jahre dauert. Leidlich unaufgeregt wird die Geschichte von Federico erzählt, der diesen zähen Kampf aufgenommen hat und mit stoischer Beharrlichkeit und einer ordentlichen Portion Alterskauzigkeit anders lautende Meinungen ignoriert. Tatsächlich erinnert der Protagonist dabei durchaus an Don Quijote, den durch die Weltgeschichte irrlichternden Ritter aus Miguel de Cervantes Dichtung aus den Jahren 1605 - 1615, wenngleich auch ohne dessen romantische Dimension und die Tragik der Romanfigur.
Der Film lebt überwiegend vom stoisch-unermüdlichen wie liebenswürdig-sympathischen Einsatz für die Bewahrung der Natur und kommt ohne störende Birkenstock-Sentimentalität aus. Hinzu kommt ein Globalisierungsaspekt, der ausnahmsweise etwas Positives beschert: einen schottischen Autor, den das Schicksal nach Nordspanien verschlägt und der nun für die gerechte Sache mit streitet. Unvermeidlich musste dem "fremdländischen Ritter", der dem einheimischen Recken beisteht, aber auch eine Liebesgeschichte angedichtet werden. Und so gibt es neben dem skurrilen Treiben Federicos, der neugeborene Kälbchen gerne schon mal Kyoto tauft, um zu untermauern, dass er daran glaubt, dass man die Dinge ändern kann, auch noch eine Romanze zwischen Pol und der allein erziehenden Christina (Clara Segura) zu bestaunen.
Im Spannungsfeld zwischen nordspanischem Naturidyll und durch Industrie und Umweltverschmutzung verschandelter Umwelt positioniert sich Federicos Kirschen als engagiertes, aber relaxtes Umweltstatement. Zu den Stärken gehört dabei sicherlich, dass keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird, sondern auch die Ambivalenzen aufgezeigt werden, die ein konsequentes Eintreten für die Umwelt mit sich bringt. Zuweilen ist das Fressen eben doch näher als die Moral. Stark menschelnde tragik-komische Geschichte, die zwischendurch nicht immer erzählerisch wirklich packt und sich zuweilen etwas in Nichtigkeiten verliert, das aber halbwegs ordentlich durch die sehr authentischen Darsteller wieder auffangen kann.