Tierische Helden im Film sind nicht gerade neu. Mal können diese sprechen und manches Mal werden sie sogar von einigen wenigen Auserwählten verstanden. Man könnte denken, das Thema wäre prinzipiell in allen seinen Variationen durchexerziert, so dass ihm kaum noch neue Facetten abzugewinnen sind. Aber es erweist sich als Evergreen, das immer wieder neu aufgelegt wird. Der tierische Protagonist in Marmaduke ist eine tollpatschige aber gewaltige Dänische Dogge, die in der Pubertät steckt und typische Teenagerprobleme hat. Der Streifen liefert aber nichts, was nicht schon einmal gesehen wurde. Nervige Langeweile ist damit vorprogrammiert.
Des Menschen bester Freund steht bei tierischen Filmabenteuern besonders oft im Mittelpunkt. Auch in Marmaduke, in dem eine gut zwei Zentner schwere Dänische Teenager-Dogge der Star des Films ist. Marmadukes Herrchen Phil (Lee Pace) ist gerade mit der ganzen Familie von Kansas nach Kalifornien gezogen. Er arbeitet in der Hundefutter-Werbebranche und dieser Umzug soll seiner Karriere einen ordentlichen Schubs geben. Glücklicherweise ist sein Boss ein ausgesprochener Hundefreund und stellt in einem Park den vierbeinigen Freunden seiner Mitarbeiter eine große Wiese zur Verfügung, auf der sie sich verlustieren können, während ihre Herrchen und Frauchen dem Job nachgehen.
Auf dieser Wiese, die gleichzeitig eine Art Hundeschulhof ist, lernt Marmaduke sehr schnell, dass dort klare Hierarchien existieren, die zu beachten sind. Bei dieser Grüppchenbildung steht der Neuling erstmal außen vor und darf sich allenfalls mit den "Freaks" abgeben, jenen, die ebenfalls nirgendwo dazugehören. Glücklicherweise findet Marmaduke prompt Aufnahme bei Lucy, einer Mischlingshündin und ihrer Straßenköter-Gang. In Wahrheit würde er aber viel lieber zu den Oberschichtshunden gehören; insbesondere, da er sich in die Collie-Dame Beverly verguckt hat, die dummerweise die Freundin des Alpharüden der Wiese ist. Als er eines Tages seine Chance gekommen sieht, sich in der Hunde-Hierarchie nach oben zu arbeiten, ergreift er diese. Seine alten Freunde, die ihn offenherzig aufgenommen hatten, vergisst er dabei.
Wer noch nicht das Vergnügen hatte, eine beliebige Highschool-Komödie und einen Film mit sprechenden Tieren zu sehen, erhält nun die Gelegenheit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Genau das ist im Grunde Marmaduke. Nur sind die Teenager mit ihren Sorgen und Nöten, wie der ersten Liebe und dem Drang zu den angesagten Gleichaltrigen zu gehören, diesmal Hunde. Selbstverständlich bleibt dabei nicht der übliche Vierbeinerklamauk auf der Strecke. Die Menschen sind zwar eher Randnotizen, dürfen aber zuweilen am Terror eines kälbchengroßen Hundes verzweifeln. Dass einiges zu Bruch geht, ist damit vorprogrammiert.
Marmaduke mag als familienfreundlicher Film angedacht sein; es fällt aber schwer sich vorzustellen, wie die Erwachsenen, die sich mit ihren Kindern (die deutlich unter sechs Jahren sein sollten) diesen phantasielosen Klamauk ansehen können, ohne am Ende sichtlich genervt das Kino zu verlassen. Bleiben die lieben Kleinen wenigstens die ganze Zeit über ruhig, in der sie fasziniert CGI-animierten Hundschnauzen beim Quasseln oder zuweilen auch den ganzen Hund in computerkonzipierter Tanzeinlage bewundern können, werden die Älteren das flachgeistige Geplapper kaum schadlos überstehen. Dabei könnte die einzige spannende Frage, die sich stellt, womöglich diejenige sein, ob der menschliche oder der hündische Dialogdünnpfiff enervierender ausfällt.
Blickt man auf den Sprechercast, die Regie und den Protagonisten, fällt es schwer, sich des Eindrucks zu erwehren, dass hier ein paar alte Bekannte zusammengefunden haben. Tom Dey, der die Regie bei Marmaduke führt, war ebenfalls der Regisseur von Shang-High Noon. Owen Wilson spielte dort neben Jackie Chan eine der Hauptrollen und leiht nun dem tierischen Protagonisten seine Stimme. Überdies erinnert die Dogge in Marmaduke sehr an den vierbeinigen Helden aus Marley & Ich, dort spielte Wilson ebenfalls eine Hauptrolle. Seiten des Studios (Fox) stand vermutlich die Erwägung im Vordergrund, sich mit einem eigenen tierischen Abenteuer gegen Disneys Fortsetzung von Beverly Hills Chihuahua zu positionieren, die unweigerlich bald kommen wird. Es erscheint aber mehr als fraglich, ob dieser Streifen soviel Erinnerungswert besitzt, um auch noch Sequels zu rechtfertigen.