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Allein, ausgeliefert und vom allgegenwärtig-undurchdringlichen Dickicht der grünen Hölle umschlossen; im Jahre 1987 tobte die ultimative Schlacht im Dschungel zwischen dem perfekten Jäger aus den tiefen des Weltraums und einer Eliteeinheit der US-Army. Wenn man eines durch diesen Streifen und dem Franchise gelernt haben sollte, dann, dass Predatoren schnelle, gewiefte und elegante Jäger sind, die mit absolut tödlicher Präzision agieren und denen kaum beizukommen ist. Nach Predators, der die Reihe wieder beleben soll, ist man sich nicht mehr so sicher. Allzu plump und uninspiriert wurden die Story und die Kreaturen gepimpt.
Fast kugelsicher, unglaublich stark und (wie seit dem Spin-Off Alien vs. Predator bekannt) sogar in der Lage, im Hand-to-Hand-Combat mit einem Alien, dem Monster schlechthin aus dem anderen großen Scifi-Creature-Franchise, über die Runden zu gehen, existiert sowieso nur ein Erdgeborener, der in der Lage ist, ein paar Sekunden Mano-a-mano gegen die außerirdische Killermaschine zu bestehen: Arnold Schwarzenegger, die steirische Eiche, der Koloss aus Österreich, der personifizierte Totalisator.
Ihn zu ersetzen ist ein unmögliches Unterfangen. Mit der archaischen Urgewalt des alpenländischen Titanen, dem man solche epochale Sätze wie: Mein Gott bist Du hässlich! verdankt, ist schlichtweg nicht konkurrierbar. Das war auch Robert Rodriguez klar, der bereits 1994 mit der Ausarbeitung eines Drehbuchs zur Fortführung der Predator-Reihe beauftragt wurde. Es dauerte zwar weitere 16 Jahre bis man mit einem Sequel zur Tat schritt - inzwischen war Rodriguez zum Produzenten avanciert - aber nun sollte die Reihe endlich würdig fortgesetzt werden. Mehr noch: Da man nicht mit John Mc Tiernans Ur-Predator konkurrieren wollte, sollte es etwas Neues und Eigenständiges werden.
Mit Adrian Brody in der Hauptrolle, der in der Vergangenheit schlaksig und beinahe unbeholfen wirkend, oft den Eindruck erweckte, als müsse man ihn dringend adoptieren, damit ihm keiner ein Leid zufügt, wurde für die Darstellung eines knallharten Söldners nicht gerade jemand gewählt, der für solche Rollen idealtypisch ist. Zuletzt war Brody im Wissenschafts-Scifi-Horror Splice zu sehen. Ihm zur Seite in Predators unter anderem: Topher Grace (Valentinstag), Alice Braga (Repo Men) und Laurence Fishburne, der bereits im letzten Nimrod-Antal-Film Armored mit an Bord war.
Die Story von Predators ist im Grunde ebenso simpel, wie bei den beiden Vorgängern. Die wesentliche Neuerung ist, dass nicht ein einzelner außerirdischer Jäger im Zuge seines Initiationsrituals zur Erde gesandt wurde, um Trophäen zu sammeln, damit er als Krieger von den anderen Predatoren akzeptiert wird. Diesmal wird ein illustres Trüppchen von der Erde entführt und auf einem Planeten ausgesetzt, der das Jagdrevier der Predatoren ist. Hier stellen sie allerlei Getier, verschiedenen Alien-Spezies, Menschen und anderen Predatoren nach. Was bisher keiner wusste: Es gibt zwei Arten von denen. Die klassischen, die bereits aus allerlei Filmen bekannt sind und eine weitere, größere und noch gefährlichere Art. Und diese macht sogar Jagd auf ihre kleinere Bruder-Spezies.
Zwischen all dem Gemetzel werden die irdischen Helden abgesetzt, die wild aus verschiedenen militärischen Einheiten aus aller Welt zusammengepflückt wurden. Aber auch Kämpfer aus Söldnerkommandos und aus den Reihen des organisierten Verbrechens sind darunter. Anfänglich fällt es allen schwer zu begreifen, was mit ihnen passiert ist. Die Chemie in der Gruppe stimmt überdies auch nicht, aber als klar wird, dass sie allein auf einer fremden Welt sind und die Beute für extrem gefährliche, außerirdische Kreaturen abgeben sollen, solidarisiert man sich schnell; nur gemeinsam ist man schließlich stark.
Predator, seine Fortsetzung und die Crossover stellen Genrekino der besonderen Art dar. Nicht jeder, der Science Fiction mag, kann auch ohne weiteres etwas mit der Figur des ultimativen außerirdischen Jägers anfangen. Genau aus diesem Grunde besitzt die Reihe eine besonders eingeschworene Fangemeinde. Und genau deshalb sollte man bei einem Sequel - oder besser Reboot - besonders behutsam vorgehen. Unverkennbar ist, dass Rodriguez und Antal Anleihen beim ersten Film nehmen. Besonders das Finale hat viel von einer Hommage. Da sie aber etwas Neues und Eigenständiges schaffen wollten, stellt sich die Frage, was diese Rückbesinnung eigentlich soll?
Viel schwerer wiegt, dass es ihnen zu keiner Zeit gelingt, die Stimmung und das Flair des Originals heraufzubeschwören: diese Ausweglosigkeit, die klaustrophobische Atmosphäre: gefangen im Dschungel, der grünen Hölle, aus der es kein Entkommen gibt und verfolgt von einer Kreatur, die kein Erbarmen kennt. All dies bleibt in der Neuauflage aus. Der Urwald ist nichts weiter als dichter Wald; kein heißes, klebriges, stickiges und alles verschlingendes grünes Dickicht, wie man es im Original fast schon riechen, schmecken und fühlen konnte. Auch das allgegenwärtige Gefühl der Bedrohung, wie man es kannte, will sich nicht einstellen. Man fragt sich vor allem, warum solch ein wundervolles Stilmittel, wie die durchsichtigen Schemen, nur sichtbar durch die Lichtbrechung, die sich katzengewandt von Baum zu Baum bewegten, kein einziges Mal eingesetzt wurden?
Das waren noch Zeiten, als Kevin Peter Hall, der 2,20 Meter Hüne und ehemalige professionelle Basketballspieler, 1987 in die Haut des Predators schlüpfte und ihm eine unvergleichliche bedrohliche Eleganz verlieh. Doch der Mythos ist dahin. Da macht man sich die die Mühe und erfindet gleich eine ganz neue Klasse von Predatoren, um sie plumper, weniger gewitzt und auch verletzlicher erscheinen zu lassen. Im Original reichte einer, der nun klassischen Predatoren, um ein ganzes Team Elitesoldaten zu eliminieren. Die neuen Killer sind größer und stärker - wirken aber deswegen kein Stückweit bedrohlicher. Dass sie mit ihren Hitech-Waffen alles wegbrutzeln können, verleiht dem Geschehen noch keine beklemmende Grundstimmung.
Es ließe sich etliches über Handlungs-Ungereimtheiten und Logikfehler berichten, doch man hätte glatt über das meiste hinwegschauen können, wenn es wenigstens atmosphärisch dicht und spannend zugegangen wäre. Das Finale vermag zwar in punkto Action ein wenig zu entschädigen, aber alles was vorher passiert, ist alles andere als knackig. Die Darsteller retten es zudem auch nicht: Brody war zwar eindeutig in der Mucki-Bude und sieht athletisch wie nie zuvor aus, aber selten gelingt es überhaupt jemandem wirklich packende Emotionen rüberzubringen; sei es nun Panik, Verzweiflung oder Entschlossenheit. Ganz besonders der Auftritt Fishburnes wirkt regelrecht verschwendet.
Alles in allem ist Predators ein fader und leidlich uninspirierter Aufguss geworden, der das Franchise nur dann wieder zu beleben vermag, wenn die avisierte Zielgruppe noch nie etwas vom Original gehört hat. Dann aber machen die Anleihen und Referenzen überhaupt keinen Sinn. Zudem fehlt dem Film - besonders untypisch für einen Rodriguez-Film - der makabere Charme und weder die Action noch der Gorefaktor können ernstlich überzeugen. Wen also nicht die pure Neugier ins Kino treibt oder meint, das Erlebnis auf jeden Fall auf der großen Leinwand zu brauchen, der kann gelassen auf die DVD warten. Die kommt möglicherweise gleich als Director's Cut und macht vielleicht sogar mehr Sinn als die Kinofassung. |