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Women Without Men

(Zanan-e Bedun-e Mardan, 2009)

Dt.Start: 01. Juli 2010 Premiere: 09. September 2009 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 100 min Land: Deutschland
Darsteller: Pegah Ferydoni (Faezeh), Arita Shahrzad (Fakhri), Shabnam Toloui (Munis), Orsi Toth (Zarin), Navid Akhavan (Ali), Mina Azarian (Zinat), Bijan Daneshmand (Abbas), Salma Daneshmand (Guest), Tahmoures Tehrani (Sadri), Essa Zahir (Amir Khan)
Regie: Shirin Neshat, Shoja Azari
Drehbuch: Shoja Azari, Shirin Neshat


Inhalt

Ein Putsch in Teheran bringt zufällig vier unterschiedliche Frauen an einem Ort der Ruhe zusammen. Fakhri ist mit einem hohen Soldaten verheiratet und will ihn für ihre Jugendliebe verlassen. Die Prostituierte Zarin verfällt dem Ekel über sich und ihren Job immer mehr und beschließt zu fliehen. Politikerin Muris wird aus gesellschaftlichen Konventionen gezwungen sich dem Familienleben hinzugeben. Ihre Freundin Faezeh hält sich aus alle dem raus, möchte aber ihren Bruder heiraten. Alle vier beschließen, auf einer Plantage außerhalb des Troubels ein Leben ohne Männer zu beginnen.
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Kritik

Women Without Men hat eine Wertung von 24%
Vier Frauen, vier Schicksale im Iran des Jahres 1953. Es ist eine politisch unstete Zeit, aber unberührt von den gesellschaftlichen Umwälzungen, ist das Leben von Frauen in einem konservativen islamischen Staat alles andere als ein Zuckerschlecken. Gut, wenn dann eine Art Refugium existiert, ein geheimer Garten, wohin man sich zurückziehen kann, um all dem zu entfliehen. Regisseurin Shirin Neshat beschert eine Mischung aus märchenhafter Inszenierung und politischer Grundgeschichte, die leider gar nicht harmonisch zueinander finden will. Weder echte Avantgarde, noch strenge politische Aufbereitung, verliert sich alles in entrückten Bilderwelten.

Bild aus Women Without Men Gesellschaftlich explosive Inhalte gelegentlich in einem flockig-eingängigen Stil zu inszenieren, kann durchaus eine weise Entscheidung darstellen. Dem Film Wüstenblume gelang beispielsweise mit einer vordergründigen Cinderella-Story das Thema der weiblichen Genitalverstümmelung in einer Form zu transportieren, durch die möglichst viele Menschen erreicht wurden. Solche Herangehensweisen sind mitunter also legitim, da, wie in diesem Beispiel, manche Themen zu tabuisiert sein können, um auf direktem Wege sinnvoll fürs Kino aufbereitet werden zu können. Politische Inhalte andererseits sind für eine Breitentauglichkeit oftmals viel zu trocken, so dass man aus ihnen beispielsweise ein spannendes Duell im Stile von Frost/Nixon macht, um mehr Tempo hineinzubringen und eine entsprechende Wirkung zu erzielen.

Women without Men ist alles andere als eine flockige Inszenierung und es gibt auch keine duellartige One-to-One-Situation, die eine fesselnde Spannung erzeugen könnte. Stattdessen wird sich um Techniken bemüht, die für einen politischen Film mindestens im höchsten Maße ungewöhnlich, wenn nicht sogar grundlegend unüblich sind: magischer oder phantastischer Realismus ist sowohl ein inszenatorisches Stilmittel als auch eine Art Sub-Genre, das in Anspruch genommen wird, um surreale, phantasmagorische oder märchenhafte Szenarien in etwas Alltägliches einzubauen. Ein verwunschener Garten im Stile von 1000 und einer Nacht rückt bei Women without Men diesbezüglich in den Mittelpunkt. Vor den Toren Teherans im Iran des Jahres 1953 gelegen, kreuzen sich dort die Schicksale vierer sehr unterschiedlicher Frauen, die jede auf ihre Weise unglücklich ist - in diesem rigide patriarchal durchstrukturierten Staat, ohne elementare Freiheitsgrade.

Da ist einerseits die kultivierte Fakhri (Arita Shahrzad): die etwas gealterte Frau eines hochrangigen Generals. Ihre Ehe ist schon seit vielen Jahren zu einem lieblosen Gefängnis geworden. Fakhri heiratete den General nachdem ihre große Liebe das Land verließ. Auf einer Party begegnet sie ihm, der kürzlich aus Amerika zurückkehrte, nun plötzlich wieder. Das bringt ihre Gefühle komplett durcheinander. Zarin (Orsi Tóth) hingegen arbeitet als Prostituierte, aber dieses furchtbare Dasein hat sie seelisch längst zerstört. Sie leidet an Magersucht und hat autoaggressive Schübe, während derer sie sich regelrecht die Haut vom Körper schrubbt. Munis (Shabnam Tolouei), die gerne ein selbst bestimmtes Leben führen würde und politisch überaus interessiert ist, wird von ihrem streng gläubigen Bruder zuhause wie eine Gefangen gehalten. Und zuletzt Fazeeh (Pegah Ferydoni), Munis beste Freundin, deren Lebenszweck darin zu bestehen scheint, Munis Bruder anzuschmachten, der ist aber bereits anderweitig vergeben.

Es ist die Zeit kurz von dem Sturz des ersten demokratischen Premierministers Mohammed Mossadegh durch einen von den USA und Großbritannien unterstützten Staatsstreich und der Wiedereinsetzung des Shah's als Staatsoberhaupt des Irans. Langfristig führte dieser Akt zur Islamischen Revolution unter Religionsführer Ajatollah Khomeini im Jahre 1979 und der Errichtung eines "Gottesstaats". Lässt man diese Fakten aber mal außen vor - allein schon deshalb, da ohne politisches Fachwissen und solides neuzeitliches Geschichtsverständnis sich die Zusammenhänge ohnehin nicht ohne weiteres erschließen - bebildert sich eine Geschichte, die außerordentlich von ihrer visuellen Komposition zu leben versucht, im Grunde aber auf der erzählerischen Ebene wenig Substanz aufzuweisen hat.

Diese Durchästhetisierung vieler Sequenzen gereicht zum Teil soweit, dass sich Ähnlichkeit zu dem Flair und den Stimmungen einstellen, die Guillermo del Toro ganz fabelhaft in Szene zu setzen weiß. Nur zu einem politischen Film wollen diese Stilmittel so rein gar nicht passen. Hinzu gesellt sich ein Plot - sofern davon im eigentlichen Sinne überhaupt zu sprechen wäre - der bereits durch die Montage der Szenen (besser: Aneinanderreihung), extrem holprig wirkt. Und zu guter Letzt treten auch noch Mystery-Elemente auf, die weit jenseits eines fantasyhaften Gartenidylls angesiedelt sind und im höchsten Maße für Irritation sorgen: Wenn eine Protagonistin sich in den Tod stürzt und im wahrsten Sinne des Wortes wiederaufersteht, um an der Handlung wieder teilzuhaben, ohne dass ersichtlich wird, ob diese nun Geistwesen oder tatsächlich wieder lebendig ist; vermag nicht einmal der wohlwollendste Zuschauer das sinnhaft auf die Reihe zu bekommen.

Die Aufregung darüber erscheint aber verlorene Liebesmühe: Im Grunde driftet das Interesse an diesem Film ebenso schnell ab, wie dessen phantastische Realitäten diese vier Frauen aus ihren Leben entrücken. Neben der allgemeinen politischen Dimension ist es zwar genau das Schicksal jener, die in einer strikt von Männern dominierten Welt leben, das im Mittelpunkt steht; nur trägt die visuelle Gestaltung und Fülle der ästhetischen Mittel rein gar nichts zum Teilhaben und Mitfühlen bei. Vielmehr ist man eher gelangweilt vom Fehlen eines Erzählflusses und des mangelnden Tempos. Selbst als Märchen aus 1000 und einer Nacht, wäre dieser Film im Grunde nicht mehr als eine einzige Sandmännchen-Stunde.

von Dimitrios Athanassiou


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Ayla
Dt. Start: 06. Mai 2010
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