Aldous Snow, der Rockstar aus Nie wieder Sex mit der Ex ist wieder zurück. Judd Apatov und sein Team stellen die Kultfigur des narzisstischen wie sexsüchtigen Musikers in den Mittelpunkt einer Bad-Taste-Groteske. Vom früheren Ruhm des Rockgiganten ist bei Männertrip aber nicht mehr viel übrig. Seit zehn Jahren mehr oder minder erfolglos, ist ein Jubiläumskonzert für ihn die letzte Chance. Ein eifriger Lohnsklave eines Big-Musikboss' soll ihn dafür von London nach Los Angeles schaffen. Es beginnt eine Odyssee der Ausschweifungen mit ungewissem Ausgang. Witzig ist zwar anders, aber für Hartgesottene mag das hier genau richtig sein.
Wenn schon kein Sequel, dann kann man einer erfolgreichen Idee zumindest ein Spin-Off spendieren. Mit dem schmierig-narzisstischen Rockstar Aldous Snow führten die Macher von Nie wieder Sex mit der Ex eine kultverdächtige Figur ein. Verantwortlich, dass dieser schräge Charakter sich solcher Beliebtheit erfreute, war zum großen Teil Russel Brand, der dem selbstverliebten Rock-Gott Leben einhauchte. Brand hatte schon zuvor mit seinem Auftritt in Die Girls von St. Trinian bewiesen, dass er optimal geeignet ist, besonders schräge Vögel darzustellen.
Nun kehrt der erotomanische Musiker als Hauptfigur eines Filmes zurück, der in einem seltsamen Niemandsland zwischen Komödie, Musikbusiness-Satire, Buddy- und Roadmovie angesiedelt ist. Neben Russel Brand, der wieder in die Haut von Aldous Snow schlüpft, ist Jonah Hill (Superbad), alias Aaron Greenberg, zu sehen. Dieser hat die Aufgabe, den inzwischen abgetakelten Snow innerhalb von drei Tagen von London nach Los Angeles zu einem Jubiläumskonzert zu schaffen, das seine am Boden liegenden Plattenverkäufe wieder ankurbeln soll.
Ganz so einfach gestaltet sich das aber nicht: Snow, zugedröhnt, vergnügungssüchtig und ewig notgeil, hat in seinem persönlichen Universum ganz eigene Begrifflichkeiten von Zeit. Es dauert nicht lang und Aaron, der neben dieser undankbaren Aufgabe gerade mächtig Zoff mit seiner Freundin hat, beginnt sich in dieser dekadenten Orgienwelt aufzulösen. Wäre da nicht sein rigider Boss Sergio (P. Diddy), der ihn am Handy immer wieder wachrüttelt und weiterpeitscht, Aaron würde sich im Sex- und Drogensumpf des Livestyles an der Seite einer ehemaligen Rocklegende bald völlig verlieren. Trotzdem tickt die Uhr gnadenlos gegen ihn.
Völlig anders als Nie wieder Sex mit der Ex, der zwar auch einige Bad-Taste-Elemente aufzuweisen hatte, ist Männertrip ein wahres Feuerwerk des schlechten Geschmackes. Ob Liedtexte oder Szenen: Der Film hat viel von einem gespielten Analwitz. Mehr als einmal landet im tatsächlichen Sinne, dieses oder jenes im tiefen Dunkel zwischen linker und rechter Körperhemisphäre. Das allein würde aber aus dem Streifen nicht viel mehr machen, als ein Sammelsurium aus exkrementigen Gags. Neben Unmengen Alkohol und Drogen, einiges an Schmuddelsex, wilden Kotzereien und fidelen Popoloch-Spielereien, gewährt Männertrip aber auch einiges an Einblicken in die groteske Welt des Musikbusiness und ebenso in das Jammertal versumpfter Ex-Größen der Branche.
Die Kunstfigur Aldous Snow ist die ideale Matrize, um beliebig viele reale Rockstars zu portraitieren, die alle ihre liebe Not mit Drogen- und Sexexzessen hatten und manch einen Absturz erlebten: Ob Noel Gallagher, Steven Tyler, Kurt Cobain und Michael Jackson, alle kommen in dieser Figur unter, und die Liste ließe sich bestimmt noch um den einen oder anderen ergänzen. Selbstverständlich ist all das dargestellte Verhalten, die Ausschweifungen, Orgien und Exzesse zum Teil massiv überzeichnet - das ist schließlich Charakteristikum einer Persiflage. Andererseits und obschon nichts weiter als Klischees aneinander gereiht werden, möchte man kaum daran zweifeln, dass es dort mitunter genauso zugeht. Lars Ulrich, der Metallica-Drummer, der einen kleinen Auftritt als er selbst hat, könnte sicherlich manch ein Lied davon Singen (oder zumindest den Rhythmus auf seinem Schlagzeug hämmern).
Trotz grundsätzlich ordentlicher Bemühung gelingt es Männertrip aber nicht wirklich zu einer konsequenten Satire durchzudringen. An den Charakteren und Darstellern liegt das vermutlich noch am Geringsten. Vor allem P. Diddy als kaltherziger, selbstgefälliger Menschenschinder von einem Musikproduzenten ist fabelhaft. Es ist vielmehr dieser etwas absonderliche Judd-Apatow-Stil, diese Mischung aus schlechtem Geschmack, schlüpfrigem Brachialwitz und sensitiven Jammerlappen-Momenten, die den Film weder als Komödie noch als Satirewerk durchgehen lassen. Breite Zustimmung bei den Kinogängern wird der Film vermutlich kaum finden. Zu speziell ist diese Art von Humor, sofern man von Witz im klassischen Sinne überhaupt sprechen mag.