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Forgetting Dad

(Forgetting Dad, 2008)

Dt.Start: 03. Juni 2010 Premiere: 22. November 2008 (Festival, Niederlande)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 84 min Land: Deutschland
Darsteller: n/a
Regie: Rick Minnich, Matt Sweetwood
Drehbuch: Rick Minnich, Matt Sweetwood


Inhalt

Eine Woche nach einem eigentlich harmlosen Autounfall verliert ein 45jähriger Mann plötzlich sein Gedächtnis. Während die Ärzte vor einem Rätsel stehen und keinerlei physische Hinweise für die Amnesie finden können, beginnt der Mann, der sich fortan "New Richard" rennt, weit entfernt von seinem alten Leben eine neue Existenz mit einer neuen Frau aufzubauen. 16 Jahre später macht sich Richards Sohn, Filmemacher Rick Minnich, auf die Reise in die Vergangenheit seines Vaters, um herauszufinden, warum dessen Gedächtnis noch immer nicht zurückgekehrt ist.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Forgetting Dad hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 65%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Forgetting Dad hat eine Wertung von 65%
Ein unscheinbarer Verkehrsunfall ohne physische Schäden der Beteiligten und eine Woche später erleidet als Spätfolge jemand eine Totalamnesie. In der Folge muss er alles neu lernen und Schritt für Schritt entwickelt sich eine neue Persönlichkeit. Klingt das glaubwürdig? Rick Minnichs Vater ist das vor 20 Jahren passiert. Auf seiner Reise in die Vergangenheit dessen, stößt Rick auf Indizien und Belege, die Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Geschichte aufkommen lassen. Spannende Doku, die vielleicht zu betont als Krimi inszeniert wurde, was zuweilen nicht immer stilsicher wirkt und zudem durchaus etwas gestrafft hätte werden können.

Bild aus Forgetting Dad Wer hat sich das nicht schon einmal gewünscht: An einem Punkt des Lebens, an dem alles festgefahren scheint und man am liebsten jemand ganz anderes wäre, das alte Leben beenden, sich regelrecht rebooten und als jemand neues starten. Stellt sich die Frage, was mit Freunden, Kollegen und Angehörigen ist: Wie geht man plötzlich damit um, wenn das Gesicht, in das man gerade blickt und das so viele Assoziationen weckt, überhaupt nicht mehr dem Menschen entspricht, der jetzt vor einem steht? Dieser ist schlichtweg zum Fremden geworden.

Richard Minnich ist genau dies widerfahren. Wie das passieren konnte, versucht Rick Minnich, der älteste Sohn, in seinem Dokumentarfilm Forgetting Dad zu klären. Vor 20 Jahren, im Mai 1990, verliert Richard plötzlich sein Gedächtnis. Alles was in den ersten 45 Jahren seines Lebens passierte, ist plötzlich ausgelöscht. Richard fängt bei null an und muss alles aufs Neue lernen. Eine Woche zuvor war er in einen leichten Verkehrsunfall verstrickt: Auf dem Parkplatz eines Shopping-Centers in Sacramento, Kalifornien, fährt ein Auto auf Richards Van auf. Er steigt aus und besieht sich den Schaden - es sieht nach einer Lappalie aus - also steigt Richard wieder ein und fährt mit seiner Frau weiter.

Eine Woche später erwacht er morgens und alles ist wie ausgelöscht. Er erkennt weder seine eigene Frau, noch sein Spiegelbild. Der alte Richard ist wie ausgelöscht. Und schnell sieht es danach aus, als wäre diese Amnesie keine vorübergehende Geschichte. Richards Zustand wird chronisch. 18 Jahre später setzt die Handlung von Forgetting Dad ein. In dieser Zeit ist ein neuer Richard entstanden, mit einer völlig anderen Persönlichkeit. Der neue Richard hat sich von seiner Familie distanziert und seiner Frau getrennt und begann ein neues Leben mit einer anderen Frau. Rick spricht in der Folge - um klarzumachen, von wem gerade die Rede ist - immer vom Old Richard oder New Richard.

Der in Deutschland lebende Filmemacher reist zurück in die Vergangenheit seines Vaters. Unterstütz wird diese detektivische Spurensuche von den zahlreichen Erinnerungen seiner großen Patchworkfamilie. Dazu gesellen sich viele private 8mm-Filme. Je tiefer Rick aber zu graben beginnt, desto unklarer und merkwürdiger wird die Geschichte um den plötzlichen Gedächtnisverlust seines Vaters. Rick lebte bisher in dem Glauben, dass die Amnesie seines Vaters eine Spätfolge eines Traumas nach einem Autounfall war, aber die Gutachten sagen etwas anderes: Eine kausale medizinische Erklärung existiert nicht. Und ein physisches Trauma, das dieses Phänomen erklären könnte, liegt auch nicht vor. War alles also nur ein riesengroßer Schwindel?

Das ist die Kernfrage, mit der sich gleichermaßen der Filmmacher samt seinem Ermittlereifer und der ungläubige Zuschauer auseinandersetzen müssen. Ist das wirklich möglich? Man wacht eines Morgens auf und entscheidet sich, nichts mehr zu wissen, alles neu lernen zu müssen und sich zu einem anderen Menschen zu entwickeln? Lässt sich solch eine "Show" ein Leben lang durchhalten oder reicht vielleicht gar die Macht der Selbsthypnose und Autosuggestion aus, sich möglicherweise selbst zu reprogrammieren?

Forgetting Dad ist einerseits ein sehr privater Film - allein schon durch die selbsterstellten Filme und die Verwandtschaft des Regisseurs, die sich zu dieser merkwürdigen Geschichte äußert, andererseits ist diese Doku auch spannend wie ein Krimi oder zumindest wie eine gute Detektivgeschichte. Der investigative Elan ist dem Filmemacher auf jeden Fall nicht abzusprechen. Störend bemerkbar macht sich allerdings ein überaus mächtiger Score, der nicht wirklich zu einer Dokumentation zu passen scheint. Überdies verliert sich alles zuweilen allzu sehr in familiäre Facetten und Detailreichtum, der für den Außenstehenden nicht immer erhellend ist. Mehr als interessant ist der Film aber allemal - allein schon wegen der absurd-bizarren Vorstellung, jemand beschließt einfach eine neue Person zu werden und relauncht sein Selbst.



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