Ein ganz heißes Eisen packt Du sollst nicht lieben auf den ersten Blick an. Homosexuelle Beziehungen bei ultraorthodoxen Juden sind etwas, das es nicht geben darf. So brisant dieses Thema aber auch anmuten mag, im Grunde geht es um Intoleranz aus religiösem Fundamentalismus heraus. Damit bewegt sich der Film in Gefilden, die viel allumfassender sind. Hier aber lediglich exemplarisch an einer Beziehung und einem Mikrokosmos festgemacht. Das reicht nicht wirklich, um daraus eine filmische Offenbarung zu machen.
Mit kaum etwas tun sich die großen monotheistischen Religionen derart schwer, wie mit dem Thema Sex. Desto fundamentalistischer das Glaubensbekenntnis dabei, umso gestrenger auch die Restriktionen. Ganz gleich ob Judentum, Christentum oder Islam, allen gemein ist, dass Homosexualität als Sünde angesehen wird. Für die Katholische Kirche beispielsweise stellt sie eine Art Krankheit dar; im Islam gilt diese "Verfehlung des Fleisches" gar als solcherart untolerabel, dass es Länder gibt, in denen die gleichgeschlechtliche Liebe nach islamischem Recht unter Todesstrafe steht. Bevor man aber ausschließlich den Islam diesbezüglich an den Pranger stellt, sei angemerkt: Bis heute existieren Bundesstaaten in den USA, in denen gleichgeschlechtlicher Verkehr rechtsgültig verboten ist und sogar mit einer Gefängnisstrafe geahndet werden kann.
Das Judentum ist von den dreien monotheistischen Religionen jene, welche am stärksten für sich bleibt. Es ist als Religion weder expansiv, wie der Islam, noch missionarisch, wie das Christentum. Dementsprechend wenig weiß man darüber - und über seinen Umgang mit Homosexualität. Du sollst nicht lieben taucht in den Mikrokosmos streng gläubiger ultraorthodoxer Juden ein. Dort geht es extrem züchtig zu, selbst unter Heterosexuellen. Es herrscht striktes Patriarchat, und die Religion greift allgegenwärtig in die Leben der Menschen ein. In der Öffentlichkeit wachen ein Religionsrat und Rabbiner (Geistliche/Priester) über die Einhaltung der religiösen Regeln und Gebote mit harter Hand.
Aaron Fleischmann (Zohar Strauss) ist Ehemann, Familienvater und Mitglied der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde Jerusalems. Vor kurzem hat er von seinem verstorbenen Vater, einem zu Lebzeiten sehr angesehenem Mann in der Gemeinde, eine Fleischerei geerbt; jetzt, nach einer angemessenen Trauerzeit, eröffnet er den Laden wieder und sucht nach einer Aushilfe. Es dauert nicht lang, und ein junger Mann stolpert während eines Wolkenbruchs in den Laden. Ezri (Ran Danker) ist eigentlich auf der Suche nach einem Studienplatz in der Stadt und hat keine feste Bleibe. Aaron hat ein Herz für ihn. Er selbst wollte früher auch die heilige Schriften studieren, musste aber arbeiten gehen. Er bietet Ezri an, im Laden zu arbeiten und im Hinterzimmer zu wohnen. Parallel dazu kann er seine Studien vorantreiben.
Ezri willigt ein. Er ist sichtlich froh, bei jemandem in der fremden Stadt untergekommen zu sein; wenn auch nur für kurz. Allzu lange will er dieses freundliche Angebot nicht in Anspruch nehmen. Von Beginn an schwebt zwischen den beiden Männern aber eine seltsame Spannung in der Luft. Einem gemeinsamen Geheimnis gleich, das keiner der beiden auszusprechen wagt. Und diese sich nicht entladende Anziehungskraft verstärkt sich, als Ezri Aaron zu einem Tauchbad außerhalb der Stadt überredet. Noch widersteht Aaron der Versuchung, hält diese für eine Herausforderung Gottes, aber bald gibt es kein Halten mehr, und die beiden Männer geben sich ungezügelt ihren Leidenschaften und ihrem gegenseitigen Begehren hin. Natürlich wird das für alle Beteiligten schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen. So etwas ist in einer konservativen und religiös überwachten Welt nicht geheim zu halten.
Bevor man jetzt vorschnell die rigiden Moralvorstellungen im orthodoxen Judentum an den Pranger stellt, sei daran erinnert, dass noch vor ein paar Jahrzehnten auch bei uns eine offene Homobeziehung undenkbar gewesen wäre: 68er-Revolution, Hippieära und ein beständiges Kämpfen um die Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Beziehungen machten es erst möglich, dass heute Menschen hierzulande dies offen Leben können. Aber die westliche Welt besteht aus säkularen Nationen, welche den Glauben getrennt vom Staatsrecht halten. Israel mag zwar nach außen hin ebenfalls wie eine Demokratie nach westlichem Vorbild anmuten, aber in der Knesset (israelisches Parlament) sitzen zum Teil auch religiös fundamentalistische Parteien. Somit ist der Glaube in Israel stets Politikum.
Du sollst nicht lieben bietet insgesamt aber einen nur sehr eingeschränkten Blick auf Israel und den allgemeinen Umgang dort mit homosexuellen Beziehungen. Was man erfährt, ist lediglich wie ultraorthodoxe Kreise darüber denken und dies handhaben. Selbstverständlich ist das aber an sich schon ein heißes Eisen und die geschilderten Entwicklungen wie Konsequenzen wirken somit durchaus glaubwürdig. Das eigentliche Problem in diesen geschlossenen Gesellschaften ist aber wesentlich universeller, wie es auch der Titel des Films bereits impliziert: Es gibt schlichtweg keine Freiheit zu lieben, wen man lieben möchte. Das gilt gleichermaßen für Homo- wie für Heterosexuelle. Die Vertiefung an dieser Stelle bleibt der Film aber schuldig. Stattdessen wird explizit nur diese Liebelei herausgegriffen und exemplarisch ausgewalzt. Das wirkt erzählerisch inhaltschwach und dehnt die Handlung über Gebühr, was den Film, trotz der Brisanz des Themas, langatmig und zäh wirken lässt.