Zwei Meinungen in mir, würdevoll, wohin als Szene meine Review euch bannt, erwecken neuen Streit aus altem Groll, und Filmfanblut befleckt die Filmfanhand. Aus beider Meinung unheilvollem Schoß entspringt eine Review, unsternbedroht, und es begräbt - ein wohliges Los - Des Autoren langgehegten Zwist ihr Zusammenschluß. Wie diese Liebe nun dem Kompromiß verfiel, dem Wüten, immerfort erneut, in der bewertenden Review fand sein Ziel, Das lehrt zwei Minuten euch die Review heut; wollt ihr geduldigt euer Ohr dem leihn, woll'n wir's von Mängeln, wo's noch not, aufzeigen.
Ja ich bin gewillt mich der Scham zu stellen Sympathie für diesen Film zu empfinden. Aber wie läßt sich nun fürs Volk draußen vor den Bildschirmen ein objektives Werben für den Film rechtfertigen, wie löse ich diesen inneren Streit meiner zwei Seiten und wieso leih ich meiner Worte Ausdruck als Shakespeareske? Der letzen Frage zu genügen ist mir als Antwort nur zu geben das ach so stark mich das Schicksal des Reviewschreibens wieder in tiefen Kummer stieß, bin ich doch dazu angehalten das Volk zu unterhalten und dabei des Filmes Bezug nicht zu entachten. Und da sich die uns hier dargebotene Geschichte über allerlei Schlüpfrigkeit und vielgesichtiger Wirrungen hin zu einer ausgedehnten, wenn auch minder geistig qualitativen, Romeo und Juliet-Aufführung entwickelt, gedachte es mir im Geiste: Smootschi-Mootschi alte Krokette, schreib die Review doch in pseudo-shaki-style!
Aber welch Zwist brennt nun meiner Seele trübe Schatten über, bekundete ich doch zu Anfangs eine Sympathie gegenüber dem Werke? In mir barbareit sich ein Konflikt zwischen montaguester Leichtigkeit, am besten kund zu tun in folgender Poesie: Axel Stein rockt das Haus, Tobias Schenke döspaddelt sich glaubwürdig durch die Geschichte, der Regissseur vollbringt das sahnecremschnittige Wunder aus dem mülligen Amateurdrehbuch Tempo und Rhythmus zu schrauben und der Begriff lecker bekommt durch Mina Tander völlig neue Dimensionen, hallelujah. Will sagen: Axel Stein ist ein absoluter Szenenstehler der selbst dann alle Sympathien auf seiner Seite hätte wenn er drei Stunden lang das Wuppertaler Telefonbuch vorlesen würde. Tobias Schenke bringt die Ahnungslosigkeit seiner Rolle dank guter Regieführung in bestes Tempo. Der Regisseur schafft es in ein strunzuntalentiertes Drehbuch Pointen zu timen und das ganze nicht in, wie wahrscheinlich vom schlabbrigen Drehbuch vorgesehen, plakative Schlüpfrigkeit absinken zu lassen. Mina Tanders Rolle ist ein Sammelsorium an Vorhersehbarkeit und geistiger Beschränktheit, jedoch schimmert bei ihr all das Potential heraus mit dem sie mich schon in Over the Rainbow beeindruckt hat und das ihr hoffentlich in Zukunft derartigen Müll erspart.
Doch der frohen Kunde genug geschmeichelt schreit in mir der capuletske, klare Gedanke auf, mir die Sinne zu entblenden: Granz Henman. Er kam, schrieb und versagte. Was soll ich sagen? Wie soll ich meine Unmut gegenüber einem Drehbuch formulieren welches als unausgekoren, nur zur Hälfte durchdacht und vorhersehbar Klischeetriefend noch schmeichelnd umschrieben wäre? Und wer mir mit dem tollen Schlumpfgag am Anfang entgegenstimmen möchte, sollte sich vielleicht einmal den Film Slacker anschauen und sich dann überlegen wer hier wen ganz offensichtlich inspiriert hat!? Und die "Fülle" von Ideen und Charakteren lösen bei mir Ohnmachtsanfälle aus: der alles besserwissende Freund, der eigentlich gar nichts weiß, die blondierte Schönheit inklusive grimmigem Dumkopffreund und die beste Freundin die bis zum Grande Finale übersehen wird und dann plötzlich (festhalten: unglaublich spontaner Plottwist, noch nie dagewesen!) zur wahren Liebe erblüht. Das kann doch wohl nur ein Witz sein!
Wie schon bekundet schlagen zwei Seelen in meiner Brust und können nicht zueinander finden, denn was mir selbst als Spiel und Regie Genüge tat mag dem Anderen Schmerz bereiten und nur allzu verständlich ist mir die Anklage der schädelholen Geschichte gegen die der Spielmeister zwar mutig antritt aber leider nur bedingt gewinnen kann. Zwei Gesichter hat mein Empfinden in diesem Spiel und beider Laut Tribut zu zollen bedeutet der Frieden willen von einem mäßigen Gesamtwerk zu berichten. Unser Zorn richtet sich dabei gegen den Schreiberling. Nur düsteren Frieden bringt uns diese Review; Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen. Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen: Ich will dann strafen oder Gnad' erteilen; Denn niemals gab es ein so freudebringend Los, Als Cine und Maniac. Dies war der Tragödie erster Teil, denn es wird noch schlimmer kommen.