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Die Beschissenheit der Dinge

(De Helaasheid der Dingen, 2009)

Durchschnittliche Redaktionswertung

66%



Inhalt

Die Familie Strobbe, vor allem die Männer, haben eine ganz andere Vorstellung vom Leben. Der kleine Gunther, sein Vater und dessen drei Onkels leben mit der Großmutter unter einem Dach, wobei die alte Dame die einzige ist, die einem geregelten Tagesablauf nachgeht. Die Herren der Schöpfung ziehen es vor, täglich in die Heimkneipe einzukehren und bis zum Weltrekord zu saufen. 20 Jahre später blickt Gunther, mittlerweile erfolgloser Schriftsteller, zurück auf seine Vergangenheit und befürchtet, ebenso zu enden wie sein Vater und die Onkels.

Kritik

von Dimitrios Athanassiou

Wertung Kritik

66%

Es war die beste und es war die schlechteste aller Zeiten. Das mag für manch eine Story aus Kindheitstagen gelten, für Die Beschissenheit der Dinge mit Sicherheit nicht. Gunthers Leben läuft alles andere als gut. Seiner Karriere als Schriftsteller scheint keine positive Zukunft beschieden und obendrein hat er eine Frau am Halse, die ausgerechnet von ihm schwanger ist, der nie Kinder wollte, was ein Resultat seiner eigenen Kindheitserlebnisse sein mag. Um seine Vergangenheit aufzuarbeiten, setzt er sich hin und bringt seine Erinnerungen zu Papier. Bitterböse Sozialgroteske, die in manch eine Niederung führt und nahezu nur Schaudern auszulösen vermag.

Bild aus Die Beschissenheit der Dinge Die Beschissenheit der Dinge erinnert, per se, vom Titel her an einen frustrierten Tagebucheintrag eines Pubertierenden oder an einen doppeldeutigen Kommentar an der Wand einer öffentlichen Toilette. Tatsächlich erzählt der Film die Geschichte einer Familie am unteren Ende der sozialen Skala im Belgien der 1980er Jahre. Im Mittelpunkt, der wenig erfolgreiche Literat Gunther Strobe (Valentijn Dhaenens), mit dem die Geschichte viele Jahre später als erwachsenen Mann ihren Anfang nimmt und der sich an seine Jugend erinnert. Die verbrachte er gemeinsam mit seinem Alkoholikervater und dessen drei ebenso nichtsnutzigen Brüdern. Zu fünft wohnten die vier Männer und der damals 13-jährige Gunther (Kenneth Vanbaeden) bei seiner großherzigen Großmutter, die ihre Söhne allesamt aufgenommen hatte, nachdem diese ihre Ehen und Leben ruiniert hatten.

Eigentlich komplett in Rückblenden erzählt und konsequent aus dem Off kommentiert, reihen sich diese Erinnerungen halbwegs derart aneinander, dass man beinahe von etwas wie einem Plot sprechen könnte. Im Hier-und-Jetzt des erwachsenen Autors, der sein Leben zu Papier bringt, gibt es hingegen kaum Entwicklungen, die etwas wie eine Handlung genieren würden. Aber auch die einzelnen Erinnerungsfragmente aus der Vergangenheit wirken bizarr, strukturlos - und spiegeln eine hoffnungslose Prolo-Lebewelt, die man in amerikanischen Sozialdramen als White Trash bezeichnen würde.

Nackt-Radrennen, Weltrekordversuche im Biertrinken, Männer, welche die Tour de France in eine Wettsauforgie verwandeln; zudem sich selbst bepinkeln und in ihrem Erbrochenen aufwachen. In Phasen erinnert Die Beschissenheit der Dinge an eine halbdokumentarische Auseinandersetzung des Alkoholmissbrauchs am perspektivlosen Ende der Gesellschaft. Diese groteske Zeichnung solcher Milieus birgt oft auch eine Portion makaberer Komik in sich, doch in diesem Falle will diese im Halse stecken bleiben, angesichts solch grundpessimistischer Realitäten.

Während diese wilde, teils barbarisch anmutende Bilderschau ungefiltert über einen hereinbricht und damit unwillkürlich die Frage einhergeht, zu welchen Erkenntnissen diese Einblicke führen könnten, scheint auch der erwachsene Gunther den Staffelstab des Scheiterns an die nächste Generation weiterzugeben: Er hat eine Frau geschwängert, die er überhaupt nicht liebt und das Kind würde, wenn es nach ihm ginge, eher heute denn morgen abgetrieben werden. In diesen Augenblicken scheint sich die regelrecht fatalistische Botschaft des Films zu formulieren: dass man den Menschen möglicherweise aus der Gosse bekommt, aber die Gosse nicht immer auch zwangsläufig aus dem Menschen.

Dass dies alles knallhart, kompromisslos rüberkommt und durch Mark und Bein geht, liegt sicherlich ebenso daran, dass die Vorlage für den Film der autobiografische Roman von Dimitri Verhulst bildete, in dessen Zentrum vier erwachsene Brüder stehen, die an Nutzlosigkeit kaum zu übertrumpfen sind, als auch an den hervorragenden Schauspielern, die mit ihrem authentischen Spiel diesen Romanfiguren erst Gesicht und Substanz verliehen haben. In diesem absonderlichen "Meisterwerk der Tristesse und Hoffnungslosigkeit" wirkt nicht nur Humor, auch wenn er schwarz, makaber und zynisch sein mag, deplaziert: Der Versuch, eine Art poetische Erzählstruktur durch die rückwärtige Schau und durch ein Gefühl der Wehmut, der vergangenen Kindheit gegenüber zu etablieren, kollidiert daran, dass es hier nichts zu verklären gibt; kein melancholisches Flair will aufkommen, wenn sich solcher Augenblicke besonnen wird.

Die Beschissenheit der Dinge ist alles andere als massentaugliche Unterhaltung und es ist noch nicht einmal völlig klar, was diese Geschichte, über die autobiografische Aufarbeitung der Kindheit des Autors und Erzählers hinaus, genau beabsichtigt. Und dennoch gibt es Facetten an dieser Sozialgroteske, die unweigerlich fesseln; auch wenn es mitunter die Faszination am Grässlichen sein könnte.

Keine weitere Wertung


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