Nach der größtenteils herben Enttäuschung durch Die Legende von Beowulf von Robert Zemeckis dürfte es den meisten Filmfans schwer fallen, wieder einen Fuß in einen Kinosaal zu setzen, in welchem ein Abklatsch der Sage von Beowulf läuft, geschweige denn etwas vergleichbares auf DVD zu kaufen. Bei Outlander kann nun jedoch zumindest der Heimcineast beruhigt und zufrieden in seinem Sofa sitzen, ohne das Gefühl zu haben, das Wohnzimmer frühzeitig verlassen zu müssen. Und das nicht, weil man an einen solchen Film nach 2007 überhaupt keine Erwartungen mehr hat.
Zu Beginn des Films stürzt der anfangs in seiner Rolle als Raumfahrer Kainan fehl am Platz wirkende James Caviezel mit seinem Raumschiff auf die Erde hinab. Der ein oder andere Zuschauer dürfte sich an dieser Stelle an die Geburt Jesu erinnert fühlen, da ein Hirte erschrocken und verwundert zugleich die Raumschiffteile als Sternschnuppen wahrnimmt. Diese Parallele ergibt auch im späteren Verlauf Sinn, da Kainan für den Wikingerstamm immer mehr zu einem von den Göttern berufenen Retter wird. Gleichzeitig weist sie jedoch auch eine gewisse Selbstironie auf, die im Film glücklicherweise immer wieder anzutreffen ist.
Der Kontrast zwischen dem eher primitiven Volk aus den Hügeln und Tälern Norwegens und dem modernen Reisenden aus dem All wirkt während den ersten Filmminuten sehr gewöhnungsbedürftig. Was jedoch auf den ersten Blick aussieht wie billiger 08/15 Trash, entwickelt sich schnell zu einem standfesten, wenn auch manchmal leicht porösen Genremix aus Fantasy und Science-Fiction. So folgt die Story lediglich einem mittelmäßigen Hollywood-Standart, wofür die durchgestylten Rückblenden und Kampfszenen und die größtenteils gute Laune der Wikinger, wie man sie so gar nicht von den hart gesottenen Barbaren des Nordens kennt, entschädigen. Diese distanzieren sich von einer Rauheit wie in Walhalla Rising, die beim besten Willen nicht mit der Atmosphäre des Film harmonieren würde. So bietet das Festmahl in der Mitte des Films einen großen Unterhaltungswert, nicht zuletzt wegen eines etwas anderen Trinkspiels.
Bedauerlich ist aber, dass die Macher das Maß an Situationskomik, welches aus dem Kontrast der beiden Kulturen resultiert, nicht vollständig ausschöpfen. So hätte man sich hier oder da noch einen humorvollen Dialog gewünscht der auf die Unwissenheit des Hauptdarstellers zurückgeht. Stattdessen findet dieser sich aber schon innerhalb der ersten Minuten in der neuen Welt zurecht. So erlernt er mit Hilfe weniger technischer Mittel in nicht einmal einer Minute eine komplett neue Sprache und ist daraufhin fähig, ohne Probleme mit den Dörflern zu kommunizieren. Seine ersten Worte jedoch präsentiert der Film mit einem Augenzwinkern und es ist dieser immer wiederkehrende Humor, der den Film trotz seiner vorhersehbaren Story über das Mittelmaß hinaushebt. Das ist auch ein Grund dafür, warum sich Outlander im Gegensatz zu seinem Filmbruder Der 13. Krieger stärker vom Horrorgenre abgrenzt und eine ganz eigene Atmosphäre findet.
Ein kleiner Minuspunkt des Films ist das Monster, welches zwar kreativ gestaltet wurde, jedoch keine wirkliche Neuerung ist. Leider wirkt es in vielen schnellen Szenen recht unecht und hier und da bekommt man den Eindruck, dass Weta (Special Effekts für die Herr der Ringe Trilogie) die Ressourcen ausgegangen sind. Dafür wirken andere Effekte plötzlich umso realistischer und sind trotz der im Film sehr deutlichen Gewaltdarstellung schön anzusehen.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg positiv. So spielt John Hurt (V wie Vendetta) die Rolle des Königs Rothgar überzeugend, wenngleich er teilweise unterfordert wirkt, und auch James Cavizel findet schließlich in seinen Charakter hinein. Herauszuheben ist vor allem Ron Perlman (Hellboy), der während seines kurzen Auftritts als Häuptling eines verfeindeten Wikingerstammes mit seiner humorvollen und zugleich rauen Darstellung auf ganzer Linie zu überzeugen weiß.
Letztendlich lässt sich sagen, dass Outlander den Vergleich mit anderen Hollywoodproduktionen nicht zu scheuen braucht und trotz einiger Schwächen sowohl die Wikinger, wie auch den Zuschauer ein Happy End erwartet - eine weitere "Katastrophe von Beowulf" bleibt erspart. Größter Kritikpunkt des Films bleibt somit die Tatsache, dass er nicht in den Kinos gezeigt wurde obwohl er es verdient hätte.