Offener Brief an den Regisseur und Drehbuchautor des Films Granz Henman: Sehr geehrter Herr Henman, das kann doch wohl nicht Ihr ernst sein? Ich saß am Mittwoch den 14.März 2002 im Citydome in Rosenheim, habe mir Ihren "Film" angesehen und Ihre dazugehörige Rede angehört. Beides zusammen kann ich nur als Komplettverarsche verstehen, mit der Sie uns entweder alle erfolgreich an der Nase herumgeführt, oder sich aber tatsächlich als einer der unfähigsten Regisseure und Drehbuchautoren aller Zeiten erwiesen haben. Normalerweise schreibe ich meine Reviews in kleine Geschichten verpackt und versuche meine Leser ein bißchen neben all den Informationen, die man über den Film erhalten sollte, zu unterhalten, aber da ich meine Information zu diesem Film auf ein demonstratives "Reiner Müll" beschränken möchte, sehe ich mich gleichermaßen dazu gezwungen das zu rechtfertigen. Dies möchte ich gern anhand einiger Fragen formulieren, die Sie als Chance verstehen dürfen, mich davon zu überzeugen, daß Ihr Film nicht tatsächlich ein unverschämt dummes Machwerk ist:
Sie knüppeln ohne irgendeine Form von Logik dem Zuschauer eine Geschichte vor, die in keinerlei Bezug zum ersten Teil steht. Wieso? Haben Sie während einer Ihrer angeblichen Studien in New York und Dublin (Fächer: Kreatives Schreiben und Animation) rein gar nichts darüber gelernt, wie man Charaktere weiterentwickelt, anstatt sie nur plump aufzugreifen? Wie kann es sein, dass Florian nach zwei Jahren Zeitunterschied zum ersten Teil immer noch derselbe strunzdumme Klotzkopf ist wie vorher, rein gar nichts dazu gelernt hat? Hat er tatsächlich zwei Jahre lang nichts anderes gemacht als mit seinem Penis zu reden und dessen vulgären Grabschkommandos zu folgen? Hat er nach zwei Jahren immer noch nicht mitbekommen, daß das Befolgen seiner Penisratschläge immer daneben geht? Was ist aus seiner Freundin aus dem ersten Teil geworden? Die lassen Sie einfach unter den Tisch fallen und gehen davon aus, daß der Junge derart bescheuert ist, daß er einfach zwei Jahre lang auf die Dämlichkeiten seines Penis hört und sonst nichts anderes macht. Und bitte versuchen Sie mir jetzt nicht irgendeine Form von Parabel aufs männliche Denken und Handeln im allgemeinen zu ziehen, denn wenn Sie derart schwanzdenkend sein sollten, dann heißt das nicht gleich, daß die gesamte restliche Welt ebenfalls derart unterbelichtet ist.
Als nächstes würde ich Sie gerne fragen was denn dieser Effekt der umleuchteten Augen sollte? In den guten, alten Hollywoodklassikern wurde das ja gerne gemacht um den Darstellerinnen eine gewisse Anmut zu verleihen, aber bei Ihnen sah es so aus als wenn jemand zwei Taschenlampen auf Diana Amfts Augen hält. War dieses stümperhaft inszenierte Ausleuchten als Parodie zu verstehen, als stille Verbeugung vor den alten Klassikern? Und hielten Sie es wirklich für nötig Diana Amft so plakativ "verschönern" zu müssen? Ist Ihnen noch nicht aufgefallen wie unglaublich herzerweichend-wunderschön diese Frau lächelt und die Zuschauer mit ihrem natürlichen Charme verzaubert auch wenn nicht irgendwelche Taschenlampen in ihrem Gesicht rumfuchteln? Und wenn Sie diesen Trick für nötig hielten, warum kommt er dann immer nur ganz nervtötend sporadisch hier und da mal vor und nicht konsequent in jeder Szene? Waren zwischendurch die Batterien für die Taschenlampen leer?
Dann würde ich gerne wissen was denn bitte "Schüttel mir den Salat" im Original heißen sollte? Da Sie der deutschen Sprache ja nicht mächtig sind, sollte ihnen eigentlich klar sein, daß Sie englischen Slang nicht einfach wortwörtlich übersetzten können. Gleiches trifft auch auf die Szene zu, in der ein Typ in einer Bar Axel Stein, der hier als Frau verkleidet auftritt, unter den Rock greift und dies mit "Ich mag Frauen mit Eiern." kommentiert. Im Original hieße dies dann wahrscheinlich: "I Like women with balls." Das macht ja Sinn und ist ein allgemein bekannter Ausdruck, aber Sie sind doch wohl nicht wirklich davon ausgegangen, daß man das einfach 1 zu 1 ins Deutsche übersetzen kann? Und Hallo! Dies ist ein deutscher Film!
In diesem Zusammenhang bzw. anhand dieser Szene möchte ich Sie auch fragen wie es passieren konnte, daß Sie während keiner einzigen Zote, die Sie inszenierten, auch nur an das kleinste bißchen Logik gedacht haben? Mußten Sie wirklich selbst so doll über Ihren eigenen Humor lachen, daß Sie einfach nicht mehr die Kraft hatten auch nach dem Gag weiterzudenken? Beispiel: Axel Stein ist als Frau verkleidet mit Freundinnen unterwegs in einer Bar. Diese dürfen natürlich nicht wissen, daß er ein Mann ist. Dann kommt so ein schmieriger Typ zufällig in die Szene und (Achtung! Noch nie zuvor dargewesen!) findet den Axel natürlich richtig lecker. Er sagt ihm, daß er Frauen mit Eiern(!?) mag und greift ihm unter den Rock während die anderen Mädchen zuschauen. Axel wehrt sich natürlich nicht, obwohl er dadurch auffliegen wird, weil Männer sich ja so unheimlich gern von siffigen Bartypen an den Klöten rumschrauben lassen. Der Grapscher schreit: "Du hast ja wirklich Eier" und weicht zurück. Dann kommt noch ein toller Hau-in-die-Fresse-Shot (unglaublich unvorhersehbar und noch nie dagewesen!) und die Szene ist vorbei. Da frag ich mich doch warum sich die anderen Mädchen nicht gewundert haben, daß ihre Freundin Eier hat. Aber wahrscheinlich sind Frauen für so ewas ja eh zu unterbelichtet, oder, Herr Henman?
Da kann ich ja direkt dran anschließen und frage mich wie Sie darauf gekommen sind eine derart frische Idee zu entwickeln in der sich ein Mann als Frau verkleidet und damit in lustige Situationen wie unerwarteter Besuch (klasse, noch nie dagewesen!) und fehlende oder zerplatzende Luftballonbrüste (ein Brüller, noch nie dagewesen!) kommt? Mußten Sie dafür lange Filme wie Tootsie, Mrs. Doubtfire - Das stachelige Kindermädchen, Charlies Tante, He's my girl (incl.Teil 2), Manche mögens heiß, Priscilla, Too Wong Foo oder The Birdcage studieren oder sind Sie da ganz von alleine draufgekommen? Toll, mal was neues, frische Ideen braucht das Land. Ach ja, nett war dann auch die Anfangsszene, in der Florian ins Gras fällt, welches sich als ein riesiger Wasserteppich herausstellt, in den er abtaucht (keine Angst: Trainspotting - Neue Helden hat in Deutschland niemand gesehen und ich glaube daß Sie damit durchkommen werden).
An dieser Stelle eine kleine Frage an die Mädchen: Wenn ihr in einer Bar einen Stripper mit Erektion seht, geht ihr doch sicher auch direkt aufs Klo, sagt Eurer Freundin, die da grad rumsteht, wie geil ihr seid und mastubiert dann erstmal? Normal, oder? Mensch, Herr Henman, da kann man ja noch was von ihnen lernen und ich dachte schon Sie hätten den gesamten Film aus einer klischeehaft männlichen Perspektive und in einstelliger Altersstufe geschrieben, unfähig auch nur ansatzweise mal nicht von sich selbst ausgehend zu erzählen! Nächste Frage: Axel landet zufälligerweise und immer noch als Frau verkleidet auf einer Stripbühne (Spitzengag, noch nie dagewesen!) und anstatt Angst zu kriegen, fängt er einfach mal an zu strippen, öffnet natürlich auch seinen BH so daß seine Luftballonbrüste rausfliegen. Es könnten zwar die Mädels dabei sitzen, die nicht wissen dürfen, daß er ein Mann ist, aber pffft in dem Film sitzen doch eh nur Teenies und die sind dumm, die merken dat gar nicht.
Nächster Punkt: Waren Sie in den letzten 20 Jahren eigentlich nie im Kino oder haben Ihnen die Eis am Stiel-Filme wirklich so gut gefallen, daß Sie gut die Hälfte Ihres Films mit genau den gleichen Gags gefüllt haben? Florian bewundert Majas Wellensittich und die sagt daraufhin (festhalten, das gabs in der Form noch nie!) "Ich bin gut zu vögeln" (ICH SCHREI MICH WEG, noch nie dagewesen!). Da frag ich mich doch auch gleich wie Sie auf die Idee gekommen sind, die Schwester im Krankenhaus als notgeile Sexbombe mit willigem Traumkörper darzustellen? Unglaublich lustig, wirklich, und das tolle daran: Noch nie dagewesen! Oder der Gag mit der Hundeleine auf die Florian draufdrückt und der Hund dann im hohen Bogen zurückgerissen wird, ha ha spitze und noch nie dagewesen. Und daß Mädchen, wenn sie alleine sind, immer nackt schwimmen gehen, ist doch der Hammer. Da ich die gleiche Szene bereits in mindestens fünf anderen Masturbationskomödien gesehen hatte, ging ich stets davon aus, daß es sich hierbei um ein Klischee handeln würde. Da sich genau die gleiche Szene jedoch auch in Ihrem Film wiederfindet, bin ich fast davon überzeugt, daß ich es hier mit Tatsachen zu tun habe. Denn warum sollten Sie das so oft Gesehene zum tausendsten Mal wiederkauen? Das wäre doch stümperhaft und unoriginell, oder?!
Gut, kürzen wir das ganze ein wenig ab: Wie kann es sein, daß die Schauspieler im ersten Film Harte Jungs trotz Ihres albernen Drehbuchs souverän und gekonnt schauspielen, unter Ihrer Regie jedoch keine Chance dazu bekommen, sondern alles herunterleiern müssen? Wieso hat Ihr Film keinerlei Timing oder Rhythmusgefühl (bei Komödien doch das Wichtigste!)? Wie kommen Sie darauf, daß man gelungene Gross-Out Comedys mit so viel Vulgärität wie nur möglich toppen muß? Wieso sind Sie derart Stuhlgang fixiert? Ist ihnen schon einmal aufgefallen, daß Pupswitze in der Geschichte des Films noch nie gut ankamen? Wieso ist das Cameo von Michael Herbig so stümperhaft geschrieben und billig in Szene gesetzt? Wie kann es sein, daß Florian so unglaublich viel Scheiße baut und Maja trotzdem immer wieder von einer Sekunde auf die andere bereit ist, grundlos zu vergessen, daß sie ihn beim Spannen, beim Oralsex mit ihrer Oma oder noch schwachsinnigeren Aktionen erwischt hat? Wollen Sie uns weiß machen, daß ein normal denkender Junge sich den Penis mit einem Beil abhacken will, weil dieser zu ihm spricht? Wieso kündigen Sie jeden Gag mit der Holzhammermethode über Prillionenkilometer weit im voraus an? Als Maya sagt, sie habe eine Meeresfruchtallergie und wäre schon mal fast daran gestorben, läßt Florian sie trotzdem den Austernshake (hat er ihr übrigens mit nem super Ablenkungsmanöver untergejubelt, Respekt!) trinken. Wieso?! Und wieso ist ihr Auschlag dann von einem Moment auf den anderen plötzlich wieder verschwunden?
Und so weiter und so fort! Ich könnte ungelogen noch viele Paragraphen so weiter machen, doch ich glaube Sie haben an diesen Fragen erstmal genug zu knabbern. An dieser Stelle möchte ich noch einmal betonen, daß ich an diesem Film lediglich EIN Manko feststellen konnte, nämlich den Regisseur und Drehbuchautor. Die Schauspieler sind durch die Bank klasse und tun einem wirklich leid wenn man mit ansehen muß wie offensichtlich untalentiert der Regisseur mit ihnen umgeht. In diesem Sinne freue ich mich schon tierisch auf den nächsten Film mit Axel Stein, Diana Amft und Tobias Schenke und danke diesen Künstlern dafür, daß Sie mir den Glauben an den deutschen Film aufrechterhalten, mir die Kraft geben über diletantische, vulgäre Menschen wie Granz Henman hinwegzusehen und Filme von richtig talentierten, kreativen Menschen mit Sinn und Verstand wie zum Beispiel Marco Petry genießen zu können. Mit freundlichen Grüßen, Marco Dzebro.