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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

(Scott Pilgrim vs. the World, 2010)

Dt.Start: 21. Oktober 2010 Premiere: August 2010 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Action, Komödie, Fantasy
Länge: 112 min Land: USA
Darsteller: Michael Cera (Scott Pilgrim), Mary Elizabeth Winstead (Ramona V. Flowers), Kieran Culkin (Wallace Wells), Chris Evans (Lucas Lee), Anna Kendrick (Stacey Pilgrim), Brandon Routh (Todd Ingram), Alison Pill (Kim Pine), Jason Schwartzman (Gideon Gordon Graves), Ellen Wong (Knives Chau), Satya Bhabha (Matthew Patel), Mark Webber (Stephen Stills), Mae Whitman (Roxy Richter), Brie Larson (Envy Adams), Aubrey Plaza (Julie Powers)
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright, Michael Bacall


Inhalt

Scott Pilgrim, Bassist der mittelmäßigen Rockgruppe "Sex Bob-omb", weiß nicht so recht was er mit seinem Leben anfangen möchte. Eines Tages verliebt er sich unsterblich in die ebenso schöne wie mysteriöse Ramona V. Flowers. Doch um Ramonas Herz zu gewinnen, muss Scott erst einmal mit Ramonas ehemaligen Beziehungspartnern fertig werden. Denn diese Allianz, die auch noch über Superkräfte verfügt, setzt alles daran, Verehrer von Ramona aus dem Weg zu räumen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 86%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Thomas Brendel
Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt hat eine Wertung von 86%
Mit Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt liefert Regisseur Edgar Wright eine sehr rasante und herrlich überdrehte Adaption der Comic-Buchreihe aus der Feder von Bryan Lee O'Malley ab, die aufgrund ihres inhaltlichen und formalen Einfallsreichtums und ihrer zahlreichen Popkultur-Referenzen überzeugt, dabei aber zu keinem Zeitpunkt die liebevoll gezeichneten Figuren der Vorlage vernachlässigt. Eine außergewöhnliche Coming-Of-Age-Geschichte und gleichzeitig der perfekte Nerd-Film, der seine Zielgruppe stets fest im Visier hat, gerade dadurch wohl aber auch nicht jeden Zuschauer überzeugen wird.

Bild aus Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt Der 23-jährige Scott Pilgrim (Michael Cera) genießt das Leben eines gewöhnlichen Teenagers. Im Moment befindet er sich zwischen zwei Jobs, verbringt den größten Teil seiner Freizeit mit Band-Proben und hat seit Kurzem etwas mit einer quirligen Highschool-Schülerin am Laufen. Das Slacker-Universum ist in bester Ordnung. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als plötzlich die Frau seiner Träume (und das ist an dieser Stelle tatsächlich wörtlich gemeint) an ihm vorbeirollt. Angezogen von ihrer magischen Aura lässt Scott nichts unversucht, das Herz des wunderschönen Mädchens mit dem markanten Haarschnitt (Mary Elizabeth Winstead) zu erobern. Dank seiner Beharrlichkeit kommt es bald zum ersten Date zwischen den beiden. Doch er muss schnell feststellen, dass ihm die schwierigste Aufgabe noch bevorsteht: Um weiterhin mit Ramona Flowers ausgehen zu dürfen, muss er sich erst mit ihren "seven evil exes" (auf eine deutsche Übersetzung wurde hier zunächst bewusst verzichtet) duellieren.

Regisseur Edgar Wright (Shaun of the Dead, Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis) nahm sich der filmischen Adaption der sechsteiligen Scott-Pilgrim-Comic-Buchreihe an und das bereits noch bevor sie von Bryan Lee O'Malley auf Papier überhaupt zu Ende erzählt wurde. Dabei etabliert er bereits von Beginn an eine Welt jenseits aller physikalischen Gesetze, in der alles möglich scheint. Inszeniert ist das ganze die meiste Zeit über entweder als bewegter Comic-Strip oder als lebendig gewordenes Konsolenspiel, in dem man auch mal ein Extra-Leben gewinnen kann und in dem besiegte Kontrahenten explodieren, um als belohnender Münz-Regen auf den Gewinner niederzuprasseln. Wright demonstriert damit, dass es sehr wohl möglich ist, eine gelungene Videospiel-Verfilmung hinzulegen und das obwohl - oder vielleicht gerade weil - der Film überhaupt nicht auf einem solchen basiert. Mit all seinen Anspielungen auf bekannte Game-Klassiker und seinen zahlreichen Popkultur-Referenzen wirkt Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt wie der wahr gewordene feuchte Traum aller Nerds dieses Planeten. Und alle großen Jungs, die sich noch lebhaft an die Zeit erinnern können, in der sie ihren Game Boy nur dann aus der Hand gelegt haben, um bei den MTV Movie Awards mitzufiebern, wer denn nun die Trophäe in der Kategorie "Best Villain" abräumt, werden bei diesem Film wahrscheinlich sogar so etwas wie ein Gefühl der Nostalgie empfinden.

Eine der großen Stärken des Filmes ist sein enormer inhaltlicher wie auch visueller Einfallsreichtum. Kaum eine Szene, die nicht in irgendeiner Form etwas originelles bietet, seien es die comichaften Schrifteinblendungen, die clever geschriebenen Dialoge, die eleganten Montagen oder die Vielzahl an schrägen Absurditäten, die den Film durchziehen. Bemerkenswert ist auch das außerordentlich gute Timing des Films. Garniert wird das ganze mit einem äußerst fetzigen Soundtrack, der natürlich auch ein paar Stücke von Scotts Band "Sex-Bob-Omb" (die Super Mario Bros. lassen grüßen) enthält. Man kann Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt wohl am besten als bunte Wundertüte beschreiben, deren Inhalt den Zuschauer nach dem Öffnen zwei Stunden lang ordentlich durchschüttelt. An einigen Stellen nimmt der Film so viel Fahrt auf, dass er einem mit Garantie die bunten Strähnchen aus den Haaren prügelt. Der Vollständigkeit halber sei jedoch dazu gesagt, dass der Film aufgrund seines poppigen Stils sicherlich nicht jedermanns Geschmack trifft und letztendlich wohl auch Gefahr läuft, alle Zuschauer jenseits der Generation Nintendo außen vor zu lassen.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt aber ohnehin nicht nur auf seiner rasanten Inszenierung oder dem Feuerwerk an abgedrehten Ideen, sondernn wie es sich für eine gute Geschichte gehörtn auf den Figuren der Geschichte. Michael Cera (Superbad, Juno) wirkt mit seiner schüchternen Selbstunsicherheit im Umgang mit seiner Angebeteten unglaublich sympathisch. Wenn er beim Erstkontakt mit Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead als geheimnisvolle und bei aller Spontanität doch verletzliche Schönheit) versucht mit einem Trivia-Häppchen zum Arcade-Klassiker Pacman zu punkten oder nach dem ersten Farbwechsel von Ramonas Haarpracht in eine kleine Panikattacke verfällt, möchte man ihn am liebsten in den Arm nehmen und knuddeln. In völligem Kontrast dazu liefert er sich die Duelle mit Ramonas sieben Ehemaligen mit glaubwürdiger Überlegenheit an übermenschlichen Kräften. Und das schöne ist: Man kauft Michael Cera beide Facetten seiner Figur ab. Ellen Wong, die hier als Scotts überdrehte Highschool-Freundin Knives Chau ("she's chinese") ihr Leinwanddebüt gibt, ist eine kleine Offenbarung. Kim Pines (Alison Pill) dauerhaft mürrischer Gesichtsausdruck ist unbezahlbar. Und Kieran Culkin als Scotts Mitbewohner (der Mann der sein Mobiltelefon schneller zieht als sein Schatten) ist ein Paradebeispiel für das, was man gemeinhin als Scene-Stealer bezeichnet. Jeder Auftritt ein Knaller. Aber auch Scotts Gegner sind allesamt liebevoll gezeichnete Figuren, insbesondere Gideon Graves, quasi der Endgegner der Ex-Beziehungspartner-Schlacht. Der wird im Übrigen von Jason Schwartzman, den man im Vergleich zum ansonsten doch sehr jungen Cast des Films fast schon als alten Hasen bezeichnen muss, verkörpert. Das allein würde den Film schon sehenswert machen.

Das farbenfrohe Leinwandspektakel ist also alles andere als ein Film, bei dem man befürchten müsste, dass das Motto "style over substance" vorherrscht, da er die großartigen Charaktere seiner Vorlage zu keinem Zeitpunkt vernachlässigt. Am Ende schlägt die Geschichte sogar ein paar nachdenkliche Töne an. Selbst die kommentiert der Film jedoch mit herrlicher Selbstironie, wodurch es ihm gelingt zu bewegen ohne dabei aber zu sehr irgendwelche alteingesessenen Klischees bedienen zu müssen. Auf eine gewisse Art und Weise wirkt die Geschichte dieses knallbunten und vollkommen überdrehten Films dadurch sehr glaubwürdig und bleibt dem Zuschauer so nicht nur als rein optischer Leckerbissen in Erinnerung. Umso trauriger ist die Tatsache, dass Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt - zumindest den bisherigen Einspielergebnissen an den US-Kinokassen und der Zurückhaltung der internationalen Verleiher nach - kein großer kommerzieller Erfolg werden wird. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er sehr treffsicher auf eine eher kleine und wohl definierte Zielgruppe zugeschneidert ist. Damit stehen aber zumindest die Chancen nicht schlecht, dass der Film irgendwann vom Status "Geheimtipp" unbemerkt in die Kategorie "Kultfilm" rutscht. Ich kann zumindest schon einmal von mir behaupten: I lesbians this movie.



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