Die Hoffnung auf einen neuen kaltblütigen Horrorfilm der Marke Frankreich wird schnell im Keim erstickt. Das erwartete Blutbad bleibt aufgrund der schnellen Schnitte und der miesen Effekte aus. Hinzu kommt, dass die Figuren so blass bleiben, dass man sich nicht eine Sekunde für sie interessiert. Einzig die beklemmende Ausgangslage kann kurzweilig für ein wenig Atmosphäre sorgen.
Französische Horrorfilme stehen hoch im Kurs. Spätestens seitdem uns Alexandre Aja mit High Tension einen der besten Horrorfilme des letzten Jahrzehnts präsentieren konnte, stehen diese Genrefilme immer mehr im Rampenlicht. Frontier(s), Them, Inside oder der ziemlich missglückte Martyrs zeigen, dass unser Nachbarland knallharte und kompromisslose Filme auf die Beine stellen kann. Der neueste Hype wird um einen Film namens Die Horde gemacht, der erneut das Versprechen einlösen soll, einer der härtesten Filme seines Genres zu sein.
Rache ist das einzige Ziel des Polizisten Franck Jimenez nachdem sein Partner und Freund Mathias bei einem Einsatz ums Leben kam. Mit einigen Kollegen macht er sich auf, der Markudis-Bande den gar auszumachen und sie in einem streng bewachten Hochhaus zu ermorden. Doch nicht nur der Versuch geht schief: Während des Anschlags müssen beide Parteien feststellen, dass sich um sie herum plötzlich eine riesige Schar Zombies versammelt hat, welche das Gebäude stürmen will. Notgedrungen müssen Freund und Feind nun zusammenhalten, um der tödlichen Gefahr zu entgehen.
Ziemlich schnell wird dem Zuschauer klar, dass Carpenters Klassiker Das Ende Vorbild für die Drehbuchautoren gewesen sein muss. Auch hier müssen sich zwei rivalisierende Gruppen in einem abgeschotteten Gebäude zusammentun, um das eigene Überleben zu sichern. Dummerweise hat man um diese Geschichte herum vergessen, vernünftige Charaktere zu kreieren. So wirken diese mit wenigen Ausnahmen extrem schablonenhaft gezeichnet und sind zudem so unsympathisch angelegt, dass es den Zuschauer nicht ansatzweise berührt, wenn eine der Figuren das Zeitliche segnet. Des Weiteren hat Die Horde damit zu kämpfen, dass außerhalb der vielen Actionszenen zu viel Leerlauf herrscht. Dieser wird mit pseudocoolen Sprüchen zu überbrücken versucht, was jedoch eher nerv tötend als unterhaltend wirkt.
Schon im Vorfeld wurde Die Horde als neuer Skandalfilm angepriesen, der in Sachen Gore bislang alles Gesehene übertreffen sollte. Die Frage ist nur: Haben diese Leute schon andere Genrefilme gesehen? Zwar geht es in diesem Werk durchaus blutig zur Sache, jedoch nicht einmal ansatzweise so heftig, wie man es dem Zuschauer im Voraus gerne weiß machen würde. Dafür sind die Actionszenen viel zu schnell geschnitten, es geschehen zu viele Dinge im Off und das CGI-Blut sieht dermaßen unnatürlich aus, dass die Gorehounds noch nicht einmal in der in Deutschland nicht erhältlichen ungekürzten Version zufriedengestellt werden.
Dass man sich Genretypisch keine Glanzleistungen erwarten kann, dürfte klar sein, zumal die Darsteller bei den Abziehbildern von Figuren keinerlei Chance haben, sich zu profilieren. So merkt man den Akteuren an, dass sie eher der Optik, als wegen ihren schauspielerischen Fähigkeiten gecastet wurden und sich mit Ausnahme des solide agierenden Yves Pignot alles andere als mit Ruhm bekleckern.
Leider muss man festhalten, dass Die Horde den inzwischen hohen Ansprüchen an einen französischen Horrorfilm zu keinem Zeitpunkt stand halten kann. Zu schablonenartig sind die Charaktere in Szene gesetzt, zu harmlos das angerichtete Blutbad und zu emotionslos die Geschichte, als dass der Zuschauer auch nur eine Sekunde mitfiebern würde. Das können die Franzosen doch eigentlich besser...