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Männer al dente

(Mine Vaganti, 2010)

Dt.Start: 15. Juli 2010 Premiere: 13. Februar 2010 (Berlinale, Deutschland)
FSK: o.A. Genre: Komödie, Drama
Länge: 112 min Land: Italien
Darsteller: Riccardo Scamarcio (Tommaso), Nicole Grimaudo (Alba), Alessandro Preziosi (Antonio), Lunetta Savino (Stefania), Ennio Fantastichini (Vincenzo), Elena Sofia Ricci (Luciana), Ilaria Occhini (Oma), Bianca Nappi (Elena), Daniele Pecci (Andrea), Massimiliano Gallo (Salvatore), Paola Minaccioni (Teresa), Emanuela Gabrieli (Giovanna), Giorgio Marchesi (Nicola), Matteo Taranto (Domenico)
Regie: Ferzan Ozpetek
Drehbuch: Ferzan Ozpetek, Ivan Cotroneo


Inhalt

Tommaso, der jüngste Sohn der Cantones, die seit Generationen eine Pasta-Fabrik betreiben, will auf keinen Fall ins Familienunternehmen einsteigen. Beim Abendessen will er seinem Vater sein schockierendes Geheimnis offenbaren, was seines Erachtens für den Rausschmiss reichen sollte. Doch ausgerechnet in diesem Moment platzt sein Bruder ebenfalls mit einem Geheimnis heraus und wird, anstelle von Tommaso, aus dem Haus gejagt. Der Vater erleidet einen Herzinfarkt und so wird Tommaso in die Position des Firmenchefs gedrängt, während sein Leben in Rom und die Freiheit weiter auf ihn warten.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Männer al dente hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 82%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Männer al dente hat eine Wertung von 82%
Storys über Familiendynastien wurden schon oft auf Zelluloid gebannt. Darunter Klassiker wie Giganten oder biedere Sagas wie Die Buddenbrooks. Oft handeln solche Epen von Großgrundbesitzern, Ranchern oder Ölbaronen, so dass allein schon die Gedanken an solche einflussreichen Imperien den Filmen Bedeutungsschwere verleihen können. Bei einem Pasta-Imperium sieht die Sache vermutlich anders aus. Niemand erwartet dort Tyrannen vorzufinden. Männer al dente ist eine herrlich skurrile Tragikkomödie, die elegant die Moralvorstellungen des konservativen italienischen Großbürgertums aufs Korn nimmt. Großes Kino der Gefühle, das mitten ins Herz geht.

Bild aus Männer al dente Ein kleiner Despot ist das Familienoberhaupt Vincenzo (Ennio Fantastichini), der seit Jahrzehnten den familiären Pasta-Traditionsbetrieb in der Toskana leitet, schon. Ihm zur Seite der ältere seiner beiden Söhne Antonio (Alessandro Preziosi). Anlässlich des Studienabschlusses von Tommaso (Riccardo Scamarcio), dem jüngeren, der im fernen Rom nach dem Glauben seines Vaters Betriebswirtschaft studierte, kommt die ganze Familie samt engstem Freundeskreis zusammen. Der heimkehrende Sohn soll nun, wie sein Bruder zuvor, gemäß der Familientradition in den Pastabetrieb einsteigen. Tommaso hat indes anderes im Sinn. Er bereitet sein Outing vor: Anstelle Betriebswirtschaft hat er Literaturwissenschaften studiert, ist schwul und kein bisschen daran interessiert, im Familienbetrieb mitzuarbeiten, da er Schriftsteller werden möchte. Tommaso geht davon aus, dass sein Vater, wenn er dies erfährt, dermaßen aus der Haut fahren und ihn anschließend hochkant rauswerfen werde, dass er die Pastafabrik ein für allemal los ist und fortan ein Leben führen kann, wie er es für richtig erachtet.

Bei der Familienfeier kommt es allerdings anders als sowohl Tommaso erwartet oder sonst jemand hätte voraussehen können. Kaum hat er innerlich Anlauf genommen, um mit der Wahrheit rauszurücken, erhebt sich sein Bruder und gesteht seinerseits, dass er schwul ist. Zuerst halten das alle für einen merkwürdigen Scherz. Antonio beharrt aber solange darauf, bis sein Vater gezwungen ist, ihm zu glauben. Wie es Tommaso angenommen hatte, fährt ihr Vater cholerisch aus der Haut und schmeißt seinen ältesten Sohn nicht nur aus der Firma, sondern auch gleich aus seinem Haus raus. Er regt sich gar dermaßen auf, dass er mit leichtem Herzkasper kollabiert. Im Krankenhaus berappelt er sich zwar einigermaßen wieder, aber wenn ihm jetzt Tommaso auch noch damit kommt, dass er schwul ist, könnte es ihn glatt ins Grab befördern. Tommaso ist gezwungen, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und gegen seine innere Überzeugung das Familienunternehmen zu leiten. Zur Seite bekommt er die bezaubernde Alba (Nicole Grimaudo) gestellt, die Tochter eines Geschäftspartners, die sich alsbald in den smarten und feinfühligen Tommaso verguckt. Und der scheint, obwohl Frauen eigentlich nicht wirklich sein Ding sind, mehr und mehr für Alba zu empfinden. Sollte eine "Bekehrung" möglich sein und der Familie ein zweites Outing erspart bleiben?

Männer al dente besitzt alle notwendigen Zutaten, die ein großer Film braucht. Zudem quillt der Streifen vor skurriler Komik regelrecht über. Schon die Grundsituation ist schreiend komisch. Der Chef eines Pastaimperiums in der italienischen Provinz ist dabei derart fabelhaft skizziert, wie er möglicherweise gar nicht allzu weit von der Realität entfernt sein könnte: Ein aufbrausender, homophober, betonköpfiger Macho, der seine Mutter wie eine heilige verehrt, sein Eheweib als Madonna zur Schau stellt und sich für seine versauten Phantasien eine Geliebte leistet. Und solch jemand soll damit zurande kommen, dass sein Sohn schwul ist? Kein Wunder, wenn ihm in der Öffentlichkeit schon mal die Gesichtszüge entgleiten, wenn er halbparanoid zu halluzinieren beginnt, dass alle Menschen in seinem Heimatstädtchen Bescheid über sein Elend wüssten und ihm hämisch ins Antlitz lachen würden.

Bizarrer Höhepunkt der Inszenierung ist aber sicherlich der Besuch von Tommasos Freunden: eine bunte als auch offensichtlich leicht tuntige Truppe sympathischer Enfant Terribles, die herzlich im Haus des Pastamoguls aufgenommen wird, ohne dass der Herr im Hause auf den Gedanken verfällt, die Jungs könnten vom anderen Ufer sein. Männer al dente wartet über solch schräge Momente hinaus aber auch mit einem reichen Schatz an tiefen Emotionen auf: Sei es die schwermütige Komponente, dass kaum jemand in dieser Dynastie das Leben geführt hat, das er sich wünschte, da sich alle stets den Familientraditionen fügten - was sowohl auf die beiden Brüder, als auch auf die Mutter des Familienoberhauptes zutrifft, deren Leidensgeschichte in stilistisch gewöhnungsbedürftigen Rückblenden erzählt wird. Oder die romantische Seite, in der Nicole Grimaudo alias Alba ihren Filmpartner derart sehnsuchtsvoll anschmachten darf, dass man beinahe zerfließen möchte. Grimaudo, mit ihrer faszinierenden Ausstrahlung zwischen Sophie Marceau und Monica Bellucci, kombiniert mit kindlich anmutender Verletzbarkeit, ist eine außergewöhnliche Entedeckung, von der man sich noch viele weitere Auftritte wünscht.

Auf Komödienpfaden zu wandeln und doch auch die tragische Geschichte einer Familiendynastie erzählen zu wollen, ist nicht ganz unkompliziert. Regisseur Ferzan Ozpetek löst dieses Dilemma über weite Strecken durchaus gekonnt. Es gelingt ihm satirisch-groteske Passagen gut mit den ernsten Melodramseiten des Films zu vereinen und obendrein eine sensible Romanze zu platzieren. Die schwierige Balance zwischen diesen Elementen ist zwar nicht immer perfekt im Lot, bleibt aber stets soweit erhalten, dass der Streifen nie zu schlingern beginnt. In diesem Rahmen lässt sich mit einem Augenzwinkern behaupten, dass sich Männer al dente irgendwo zwischen Das Geisterhaus und The Birdcage positioniert. Der Schuss magischer Realismus, der zum Ende hin recht überraschend in Erscheinung tritt, vermag diese Einordnung zudem noch zu untermauern. Aber auch ohne solche Vergleiche kann der Film gut für sich sprechen. Er berührt mit seinem Charme und eigentümlichen Zauber die Herzen und wird in der Lage sein, manch einen fröhlichen Lacher zu entlocken, wie er auch dazu veranlassen könnte, das eine oder andere Taschentuch zu zücken.



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