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Mahler auf der Couch

(Mahler auf der Couch, 2010)

Dt.Start: 07. Juli 2010 Premiere: Juni 2010 (Los Angeles Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 101 min Land: Deutschland, Österreich
Darsteller: Barbara Romaner (Alma Mahler), Johannes Silberschneider (Gustav Mahler), Karl Markovics (Sigmund Freud), Friedrich Mücke (Walter Gropius), Eva Mattes (Anna Moll), Lena Stolze (Justine Mahler-Rose), Nina Berten (Anna von Mildenburg), Karl Fischer (Carl Moll), Mathias Franz Stein (Alexander von Zemlinsky), Max Mayer (Max Burckhard), Michael Dangl (Bruno Walter), Michael Rotschopf (Alfred Roller), Manuel Witting (Gustav Klimt), Simon Hatzl (Arnold Rose), Johanna Orsini-Rosenberg (Berta Zuckerkandl)
Regie: Percy Adlon, Felix O. Adlon
Drehbuch: Percy Adlon, Felix O. Adlon


Inhalt

Eine solche Nachricht will kein Ehemann lesen: Als Gustav Mahler einen an ihn adressierten Brief öffnet, in dem der Liebhaber seiner geliebten Frau Alma ihre gemeinsame Affäre en Detail schildert, fällt der große Komponist in eine Schaffenskrise. Mit Hilfe seines Landsmannes, dem berühmten Psychologen Dr. Sigmund Freud, will Mahler dem Problem auf den Grund gehen - und erfährt während seiner Psychoanalyse Überraschendes.
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Kritik

Mahler auf der Couch hat eine Wertung von 68%
Ein berühmter Komponist, die Beziehung zu seiner Ehefrau, Gefährtin, Dienerin und Muse in Einem sowie die Begegnung mit einem der wegweisendsten Psychologen seiner Zeit - das ist es, was Percy und Felix Adlon in ihrem Film Mahler auf der Couch thematisieren. Mit den Schauspielern lagen sie goldrichtig und ihre Ideen zur Umsetzung sind durchaus originell. Doch auf der anderen Seite macht dieses Liebesdrama vor allem für Zuschauer Sinn, die vorab wissen, wessen Geschichte da vor welchem Hintergrund erzählt wird. Die gewählte Mischung aus Ernsthaftigkeit einerseits und Humor andererseits überzeugt nicht völlig und auch die Titelfigur, der Komponist Gustav Mahler, rückt zeitweise zu sehr in den Hintergrund. Durch diese Abzüge kann der Film nur zeitweise mit der eigenen Interpretation von Mahlers Liebesleben des Vater-Sohn-Regie-Gespanns überzeugen.

Bild aus Mahler auf der Couch 1910: Gustav Mahler ist ein begnadeter Komponist und Dirigent an der Wiener Hofoper doch im Privatleben steht er vor den Trümmern seiner Liebe. Die geliebte Frau Alma hat ihn betrogen - Mahler erfährt nur durch einen falsch adressierten Liebesbrief davon. Alma streitet es nicht mal ab und dann sieht sich der alternde Musiker auch noch mit dem jungen Nebenbuhler konfrontiert. Der appelliert an Mahler, ihm die zu Frau zu überlassen und diese scheint so sehr zwischen den Fronten zu stehen, dass sie sich nicht entscheiden kann. Zuviel für Mahler, der in seiner Verzweiflung den Psychiater Siegmund Freud aufsucht, um sich von ihm therapieren zu lassen. Der befindet sich zwar gerade im holländischen Leien im Urlaub, doch für das bekannte Musikgenie nimmt sich der Therapeut gerne die Zeit.

So arbeitet Mahler mit Freuds Hilfe an nur einem Nachmittag sowie in der darauf folgenden Nacht den Lebensabschnitt auf, den der Komponist mit der wesentlich jüngeren Alma verbracht hat. Während Mahler diese Beziehung zu Anfang als perfekte und unendliche gegenseitige Liebe bezeichnet, enthüllen sich im Laufe der einzigartigen Therapiesitzung immer mehr Dinge, welche die Beziehung des Paares erschwerte und überschattete. Während der Behandlung, die mal während eines Spazierganges, dann während dem Mittagessen und schließlich auf der berüchtigten Psychiatercouch stattfindet, nähern sich auch die ungleichen Persönlichkeiten Mahler und Freud einander an und dem Therapeuten ist immer mehr daran gelegen, Mahler die Augen zu öffnen, wo seine Ehe mit Alma tatsächlich steht und wie es soweit überhaupt gekommen ist.

Die besten Geschichten schreibt immer noch das Leben. Das dachten sich wohl auch die Regisseure Percy und Felix Adlon als sie in Erfahrung brachten, dass sich Gustav Mahler, das größte Musikgenie des 20. Jahrhunderts, für eine Therapiesitzung mit dem großen Sigmund Freud traf. Dass er zuvor von seiner jungen Frau Alma betrogen wurde, ist ebenfalls bekannt. Das Vater-Sohn-Gespann fand dies so spannend, dass sie daraus einen Film machten und die Details zu den belegten Fakten selbst zusammenspannen. Dem gemäß heißt es zu Beginn von Mahler auf der Couch auch: "Dass es geschah ist verbürgt. Wie es geschehen ist, haben wir erfunden." Auf diese Weise geht der Film dem Kennen lernen und der Ehe von Gustav und Alma auf den Grund - oft dramatisch, mal romantisch und das alles eingebettet in die skurrile und humoristische Sitzung, die Freud mit Mahler abhält. Diese Kombination geht nicht immer gut, wird aber durch die allgegenwärtige Musik miteinander verbunden. Denn natürlich finden auch Teile aus den Symphonien des Komponisten Einzug in das Liebesdrama und geben den entscheidenden Szenen die richtige Portion Wehmut und Dramatik mit.

Hinter dem Film steckt eine ganze Menge: Er beinhaltet, wie Mahler seine letzte vollendete Symphonie schrieb, gezeichnet von der Verzweiflung und Hilflosigkeit, die ihn durch die Affäre seiner Frau umgab. Außerdem wird gezeigt, wie das Zusammenleben von Gustav und Alma möglicherweise ausgesehen hat - dem Glamourpaar der damaligen Zeit. Vor allem Alma, die nach der Ehe mit Mahler in neuen Liebschaften zu Berühmtheit gelangte, erhält hier besondere Wertschätzung als die Frau an der Seite des großen Mahler, die ihr eigenes Leben weitestgehend aufgegeben hat. All dieser Hintergrund sollte dem Zuschauer zumindest ansatzweise bekannt sein, denn ansonsten rauscht die Handlung möglicherweise etwas zu kunterbunt daher und überfordert einen. Letztlich erzählt Mahler auf der Couch eine Liebesgeschichte, die ohne die berühmten Gesichter wohl nicht soviel Aufsehen erregt hätte. Denn es handelt sich nüchtern betrachtet um eine nicht allzu romantische und wenig beneidenswerte Lovestory. Jeder der Beiden scheint einen Zweck in der Gemeinschaft zu sehen und zudem werden so ziemlich alle Klischees einer Beziehung zwischen junger Frau und älterem Mann erfüllt: Sie sucht in ihm einen Vaterersatz und er eine Frau, die noch in der Lage ist, ihm gesunde Kinder zu schenken und so naiv ist, dass sie alle Bedürfnisse hinten an stellt, um ausschließlich dem großen Künstler den Rücken zu stärken. Ist diese Beziehungskiste einen Film wert? Ginge es dabei nicht um so bekannte und schillernde Persönlichkeiten wäre die Antwort sicher Nein. Das erklärt auch wieder die Empfehlung, den Film mit gewissem Maß an Know-how anzuschauen, denn so macht er am ehesten Sinn.

Schauspielerisch kann sich Mahler auf der Couch sicherlich sehen lassen. Vor allem Barbara Romaner gibt in ihrer Rolle der Alma Mahler alles und spielt Johannes Silberschneider als Gustav Mahler fast an die Wand. Es mag an ihrer starken Präsenz liegen oder auch am Drehbuch, doch in diesem gegebenen Rahmen geht die Persönlichkeit Mahler - um die es ja vorrangig geht - ein bisschen zu sehr unter. Außer einem Wutausbruch gegenüber dem Nebenbuhler (und späterem zweiten Ehemann von Alma), Walter Gropius, tritt er im Filmverlauf weitestgehend zurückhaltend auf. Dass er als Operndirektor immer unbeliebter wird und sich in der Ehe mit Alma eine Menge Schuld auflädt, wird kaum deutlich gemacht. Das große Opfer, das er von seiner Zukünftigen noch vor der Eheschließung verlangt, wird nur durch einen Brief vermittelt, den er ihr schreibt. Damit geht der Bezug zu ihm als 'bösen Egomanen' verloren und es ist eher die naive und von Bewunderung getriebene Alma, die Unverständnis auf sich zieht, da sie sich darauf einlässt. An solcher Stelle hätten die beiden Regisseure und Drehbuchschreiber Adlon, die hier zum ersten Mal zusammen an einem Film arbeiteten, vielleicht andere Akzente setzen sollen.

Zu Gute halten muss man Mahler auf der Couch aber, dass er gute visuelle Ideen mitbringt. So werden beispielsweise einzelne Szenen zu Beginn lose und ohne Kontext gezeigt, später aber noch einmal aufgegriffen, um, in die gesamte Geschichte eingebettet, Sinn zu ergeben. Außerdem berichten die beteiligten Nebenfiguren der Handlung, wie Gustavs Schwester Justine oder seine Schwiegermutter Anna Moll, zwischendurch wichtige Details direkt in die Kamera. So als würde der Zuschauer exklusiv mit echten Hintergrundinfos über Gustav und Alma versorgt werden. Außerdem birgt der Kontakt zwischen Freud und Mahler einen gewissen Humor. Angefangen von der obligatorischen Psychiatercouch, die eigentlich ein dünnes Klappbett des Hotels ist, bis hin zur unbeholfenen Freundschaftsschließung zwischen den Beiden gegen Ende. Das verleiht dem Film einen gewissen Charme, aber mit der Dramatik und überwiegenden Ernsthaftigkeit der restlichen Handlung - also Mahlers Erinnerungen an seine Ehe - will das nicht so ganz zusammenpassen. In dieser Kombination wirkt es sogar eher lächerlich wenn Freud am Ende das 'Du' angeboten bekommt und dann unsicher erst "Sigmund" sagt und dann noch schnell "Siggi" hinterher schiebt.

Mahler auf der Couch ist durchaus interessant, aber vor allem für diejenigen, die Figuren, Konstellationen und den Gesamtkontext zumindest grob kennen. Als bloße Liebesgeschichte hingegen reizt der Film nicht allzu sehr, zumal sich hier so viele Stolpersteine auftun, die einen am Verstand der Protagonisten zweifeln lassen. Etwas schade ist, dass die Titelfigur Mahler neben seiner präsenten Frau phasenweise untergeht und seine Eigenwilligkeit und Egomanie, die sein Leben scheinbar stark bestimmt haben, kaum deutlich werden. Die Absicht Alma als liebende Ehefrau darzustellen, missglückt ebenfalls, denn durch ihre oft widersprüchlichen Verhaltensweisen kommt sie meist eher unsympathisch und durchaus berechnend rüber. Freud hingegen verkommt ein wenig zur Persiflage, da er Mahler zwar erfolgreich behandelt und ihm die Augen öffnet, aber menschlich arge Schwächen zeigt und eine eher komödiantische Rolle auferlegt bekommen hat. Pluspunkte hingegen kann der Film wieder durch die guten schauspielerischen Leistungen und durch die netten Ideen zur Visualisierung sammeln. Nur langsam erschließt sich dem Zuschauer die Bandbreite der Beziehung zwischen Gustav und Alma und damit spielt auch die Szenenabfolge. Eben das ist im Großen und Ganzen nett anzusehen und gibt einen Blick frei auf die Interpretation zweier Filmemacher von dem, was aus Gustav Mahler durch die Liebe zu Alma wurde.

von Carmen Porschen


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