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Jedem Kind ein Instrument

(Jedem Kind ein Instrument, 2010)

Dt.Start: 01. Juli 2010 Premiere: Juni 2010 (Deutschland)
FSK: nicht bekannt Genre: Dokumentation
Länge: 89 min Land: Deutschland
Darsteller: n/a
Regie: Oliver Rauch
Drehbuch: nicht bekannt


Inhalt

Im Rahmen des Projektes "Jedem Kind ein Instrument", das an der Bochumer Musikschule startete und sich mittlerweile auf das ganze Ruhrgebiet ausgebreitet hat, wird jedem Kind ermöglicht, ein Musikinstrument zu erlernen und damit zu musizieren. Das Programm stellt einen Testlauf für Eltern, Kinder und Veranstalter dar und soll zu einer besseren Integration von Kindern mit Migrationshintergrund führen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Jedem Kind ein Instrument hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Jedem Kind ein Instrument hat eine Wertung von 55%
Musik ist eine universelle Sprache, die Grenzen überwindet, heißt es. In Deutschland wurde in punkto Integration vieles falsch gemacht. Das Resultat sind urbane Hot-Spots, in denen Generationen aufwachsen, die weder die deutsche Sprache beherrschen, noch wirklich Teil der Gesellschaft sind. Die Idee, durch gemeinsamen Musikunterricht die Integration bereits im Grundschulalter zu fördern und gleichzeitig den Kindern zu ermöglichen, ein Instrument zu erlernen, steht bei dem Projekt Jedem Kind ein Instrument im Mittelpunkt. Die zugehörige Doku liefert Einblicke, macht es dem Zuschauer aber nicht leicht, ein vollständiges Bild zu gewinnen.

Bild aus Jedem Kind ein Instrument Es ist schwerlich zu leugnen, dass die Voraussetzung, um an allen Aspekten einer Gesellschaft partizipieren zu können, die Fähigkeit zu kommunizieren ist. Eine gemeinsame Sprache bildet immer die notwendige Basis. In sogenannten Migrations-Hot-Spots ist bei vielen der Älteren nichtdeutschen Bundesbürgern genau dieses das Problem. Obwohl ihre Kinder tagein tagaus in deutsche Schulen gehen, haben es ihre Eltern in den vielen Jahren, in denen sie bereits in Deutschland arbeiten, nicht vermocht, richtig Deutsch zu lernen. Den Kindern, die sogar in die sogenannten Problemschulen gehen - Schulen, die einen außergewöhnlich hohen Migrantenanteil haben - blüht letzten Endes das gleiche Schicksal. Umso notwendiger also, einen Weg zu finden, diesen Kindern Möglichkeiten zu eröffnen, sich künftig besser in die Gesellschaft integrieren und aktiv einbringen zu können.

Obwohl Jedem Kind ein Instrument eigentlich eine Art Musikdoku ist, stehen tatsächlich ganz andere Aspekte im Mittelpunkt. Vor sechs Jahren startete an der Bochumer Musikschule ein Projekt, das auf den Namen Jedem Kind ein Instrument getauft wurde. Ziel war es, allen Kindern von der ersten Klasse an einen spielerischen Zugang zur Musik zu ermöglichen. Steht in der ersten Klasse noch im Vordergrund, gemeinsam Spaß am Klang und Rhythmus zu entwickeln, bekommen die Schuler in der zweiten Klasse ein Instrument ausgehändigt, das sie sich frei nach ihren musikalischen Neigungen aussuchen dürfen. Dieses Instrument geht solange als Dauerleihgabe in den Besitz der Kinder über, wie diese an dem Projekt teilnehmen oder eben maximal bis zum Ende der Grundschule.

Der Film steigt zu dem Zeitpunkt ein, an dem das ehrgeizige Projekt auf das gesamte Ruhrgebiet ausgedehnt werden soll, mit dem Ziel 200.000 Kinder einzubeziehen. Bis dahin werden exemplarisch einige Kinder wie Motomu aus Bochum, Joana und Esragül aus Herne und Kerem aus Duisburg über mehrere Jahre in ihrer musikalischen Entwicklung und zum Teil auch privat portraitiert. Genau hier zeigen sich auch die Probleme, die Lehrer und Verantwortliche haben, den Eltern dieser Kinder den Sinn des Projektes zu vermitteln. Oft scheitert es an den sprachlichen Hürden oder an der Einsicht der Eltern.

Sie verstehen schlichtweg nicht, welches der Sinn dahinter sein soll. Schule ist für sie zuallererst dafür da, den Kindern das notwenige Wissen zu vermitteln, damit sie später einen ordentlichen Beruf erlernen können. Dass in unserer Gesellschaft aber der Fokus der Wissensvermittlung nicht allein auf der Weitergabe von unmittelbar verwertbaren Inhalten liegt, sondern, dass darüber hinaus etwas wie eine ästhetische Erziehung existiert, zu der beispielsweise Musik, Theater und Tanz gehören, ist in der existenziellen Sicht dieser Menschen nicht unbedingt präsent. Diese Fähigkeiten ermöglichen aber ein späteres partizipieren an der Gesellschaft - und zwar auf einer ganz anderen Ebene.

So sehr das Projekt Jedem Kind ein Instrument einen integrativen Charakter hat, der auch sehr notwendig ist, da viel an Integration in der Vergangenheit verschlafen wurde, bleibt es zu bezweifeln, dass in der Breite die gesteckten Ziele zu erreichen sein werden. Das spiegeln auch die im Film eingefangenen Eindrücke: Von Jahr zu Jahr wird der Anteil der Migrantenkinder, die an dem Projekt teilnehmen, geringer. Zwar liefert die Doku auch Gegenbeispiele und zeigt, dass es sehr wohl Migrantenfamilien gibt, in denen die Kinder bei ihren Bemühungen, ein Instrument zu erlernen, von den Eltern vollauf unterstützt werden, doch sind diese Beispiele nicht unbedingt repräsentativ.

Rein filmisch gesehen wirkt die Doku holprig. Der Schwerpunkt des Geschehens verlagert sich mehr als einmal: Mal steht die Arbeit mit den Kindern im Vordergrund, dann wird das Projekt als solches mit seinem Trägerverein und den Lehrern, die sich aus Musikschulen rekrutieren, portraitiert, dann fängt man wieder die Kinder zu Hause in ihren Familien ein, um schlussendlich zum Musizieren zurückzukehren. Zudem darf sich der Zuschauer sehr mühsam alle Information über das Projekt in den einzelnen Passagen zusammensuchen. Es gibt Statements von Lehrern und Verantwortlichen, zum Teil spricht das Geschehen auch für sich selbst, oder die Kinder geben im Interviewcharakter Antworten auf Fragen, von denen die Macher des Films annahmen, dass sich der Zuschauer diese gerade stellen könnte.

Der bindende Klebstoff im Geschehen fehlt aber sichtlich. Weder gibt es einführende oder begleitende Informationen mittels einer Stimme aus dem Off, noch eine Figur, die durch die Doku geleitet und damit zum Ankerpunkt des Geschehens wird. Die vielen Bilder, die vom Lokalkolorit des Ruhrpotts geprägt sind und zudem immer wieder eingestreut werden, lassen den Film zum Teil leidlich impressionistisch wirken, was den reinen Dokumentationscharakter etwas schwerfällig macht. Das Projekt an sich ist zwar unbestritten eine ausgezeichnete Idee, die derzeit dabei ist, in anderen Regionen Schule zu machen und der man nur wünschen kann, dass sie als Integrationsmaßnahme auch nur einigermaßen die Erwartungen erfüllt; die Dokumentation zum Thema gereicht der Ambition des Projekts aber in der Form nicht wirklich zur Ehre.



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