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Der Letzte Exorzismus

(The Last Exorcism, 2010)

Dt.Start: 30. September 2010 Premiere: 27. August 2010 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Horror
Länge: 86 min Land: USA
Darsteller: Patrick Fabian (Cotton Marcus), Ashley Bell (Nell Sweetzer), Louis Herthum (Louis Sweetzer), Iris Bahr (Iris), Caleb Landry Jones (Caleb Sweetzer), Tony Bentley (Pastor Gerald Manley), Shanna Forrestall (Mrs. Cotton Marcus), Becky Fly (Becky), Logan Craig Reid (Logan)
Regie: Daniel Stamm
Drehbuch: Huck Botko, Andrew Gurland


Inhalt

Nachdem der Priester Cotton Marcus jahrelang widerstrebend im Namen der Kirche gegen Geld Exorzismen durchgeführt hat, obwohl er selbst erhebliche Zweifel an seiner Arbeit hegt, sieht er seine Chance gekommen. Als der Farmer Louis Sweetzer Marcus für einen Exorzismus an seiner angeblich besessenen Tochter Nell anheuert, lässt sich Marcus von einem Filmteam begleiten, um seinen letzten "Exorzismus" zu begleiten. Doch er hat nicht mit dem wahrhaftigen Teufel gerechnet.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Der Letzte Exorzismus hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Kurzkritik
von Lars Schnell
Wertung von 77 für Der Letzte Exorzismus

Mit Der letzte Exorzismus präsentiert Eli Roth einen atmosphärisch dichten Horrorfilm im pseudo-dokumentaren, sogenannten "Mockumentary"-Gewand. Zwar bedient man sich technisch bei Filmen wie Blair Witch Projekt, inhaltlich geht man aber oft genug andere Wege als bisherige Exorzismus-Filme. Die Handkamera wirkt in keiner Weise störend, sondern bereichert das Geschehen um einige sehr schockierende Szenen. Dabei verliert Regisseur Daniel Stamm vor allem zu Beginn nicht die Unterhaltung aus dem Auge und verpasst der Person des, in vielen Filmen von seiner Arbeit stark überzeugten, Exorzisten hier eine sehr ironische Note. Der Film selbst zeigt sich erfrischend anders, baut nicht allein auf alten Klischees auf sondern weiß den Zuschauer oft genug zu überraschen. Das Ende kommt leider etwas abgehackt und zu effekthascherisch daher. Verzeiht man dem Film aber die finalen Ecken und Kanten, entpuppt er sich als eines der wenigen horrorfilmischen Kleinods der letzten Jahre.

Kurzkritik
von Kurt Meinicke
Wertung von 74 für Der Letzte Exorzismus

Regisseur Daniel Stamm bringt mit diesem unterhaltsamen Horrorfilm im Mockumentary-Gewand frischen Wind in die stark angestaubte Exorzismus-Thematik: Alleine die Tatsache, dass der Exorzist ein ungläubiger Prediger ist, beschert dem Film eine selbst-ironische Note.
Natürlich darf aber auch der Horror nicht zu kurz kommen, was mit diversen tollen Ideen in Bezug auf die Handkamera - allen voran eine bestimmte Sequenz, in welcher eine andere Person als der Doku-Kameramann anfängt zu filmen - erfolgreich umgesetzt wird.
Einzig das Ende wirkt ein wenig holprig und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Die letzten Bilder sind dazu genre-typisch, aber man muss zugeben, dass sich dies im Falle von Der letzte Exorzismus zumindest nicht schon meilenweit voraus abzeichnet und somit einen gewissen Überraschungs-Effekt beinhaltet.
Mit soliden Darstellern, einer wirkungsvollen Klangkulisse und effizienten Schock-Momenten überzeugt der von Eli Roth produzierte Film trotz wenig Blut auf überdurchschnittlichem Niveau, und der geneigte Horrorfan kann sich endlich mal wieder einen zumindest punktuell innovativen Exorzismus-Film zu Gemüte führen.

Kritik

von Lutz Granert
Der Letzte Exorzismus hat eine Wertung von 73%
Dass Hostel-Regisseur Eli Roth eher für deftigere Horrorkost steht, ist in Fankreisen durchaus bekannt. Umso mehr verwundert es, dass die von ihm produzierte 1,8 Mio. Dollar günstige Fake Documentary Der Letzte Exorzismus auch ohne viel Gekröse und trotz einiger Genreklischees eine verstörende Wirkung hinterlässt.

Bild aus Der Letzte Exorzismus Ein vom Glauben abgefallener Priester, der sich in Anbetracht einer teuflischen Bedrohung beweisen muss. Ein scheinbar unschuldiges junges Mädchen, welches von einem Dämon besessen ist. Wackelnde Betten, getötete Tiere und viel Blut. Wenn es im Horrorfilm um Exorzismus geht, gleichen die Ingredienzien dieser dämonischen Genrevertreter einer Fertigbackmischung, zu der nicht viel hinzugefügt werden kann. Und doch ist es dem aus Hamburg stammenden Regisseur Daniel Stamm gelungen, zumindest eine innovative Herangehensweise an diesen inzwischen arg blutleeren Stoff zu wählen: Der Letzte Exorzismus ist als Fake Documentary inszeniert.

Was sich zunächst wie ein Widerspruch in sich anhört, um Authentizität bemühte Digitalvideo-Optik auf der einen und Dämonen, satanische Kräfte auf der anderen Seite, funktioniert dabei erstaunlich gut. Auch weil bis zum überraschenden Ende die Geschehnisse des Films in ein realistisches Setting implementiert werden. In selbigem will ein Pfarrer (Patrick Fabian) die von ihm angebotene "Dienstleistung Exorzismus" - mit allerlei gefakten Rauch- und Ton-Effekten - entzaubern, denn schließlich sei Teufelsbesessenheit nur eine Vorstellung im Kopf von religiösen Fundamentalisten. Folglich führt ihn ein dringender Fall auch in eine ländliche Region in den Süden, in welcher Kirche und Ehe noch einen hohen Stellenwert besitzen - begleitet von einem Kamerateam, welches seine Arbeit, seine finanziell lukrative Lebenslüge dokumentiert. Dass sich die verschüchterte Farmerstochter Nell (Ashley Bell) und ihre Teufelsbesessenheit jedoch als sehr widerstandsfähig erweisen und vielleicht doch mehr dran ist als religiöser Hokuspokus, dem mit schmierentheaterhaften Inszenierungen beizukommen ist, ist abzusehen.

Die vielen Reißschwenks, Nahaufnahmen, unvermittelte Unterbrechungen usw. kennt man bereits aus Filmen wie Cloverfield und Rec. Neben einigen Interviewschnipseln und der Vermeidung des aufdringlichen "Found Footage"-Brandings hat Der Letzte Exorzismus jedoch auch eine bemerkenswerte Szene aufzuweisen. Unverhofft schnappt sich die Besessene - das Mädchen Nell - plötzlich die Kamera und filmt, wie sie eine Katze im Stall tötet. Durch diese radikale Subjektivierung der Handelnden, nicht der Distanz des Dokumentierenden, erhält der Zuschauer von Der Letzte Exorzismus einen unvermittelten Blickwinkel auf das Geschehen. Sporadisch eingesetzte schiefe Geigen und Zupfinstrumente als musikalische Untermalung sowie ein formidables, effektreiches Sounddesign verstärken die beklemmende Wirkung noch.

Dabei versteckt Der Letzte Exorzismus nie sein Gemacht-Sein: Der Kameramann ist im Spiegel zu sehen, die Tonfrau häufiger im Bild. Die ungefragt Gefilmten reagieren ablehnend auf die Anwesenheit der Kamera, wollen nicht, dass gefilmt wird. Das alles kommt dem Genre-Freund zwar neben den Figurenstereotypen vom religiös-verzweifelten Vater über die unschuldig-naive Tochter bis zum aufmüpfig-feindseligen Sohn irgendwie bekannt vor - inklusive des klischeehaften, aber deswegen überraschenden Finales - funktioniert aber einmal mehr erstaunlich gut. Der Exorzist goes Blair Witch Projekt - spannend, auch ohne große Blutfontänen furchteinflößend und gar ein Fünkchen von Originalität.



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