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Vielleicht sollte der Titel eher "Iris and John" lauten, denn Iris ist weniger Biographie als vielmehr die Geschichte einer außergewöhnlichen Liebe. Der Literaturkritiker John Bayley muß von Anfang an um die Liebe seines Lebens kämpfen. Erst sind es andere Männer und zuweilen Frauen, die ihm seine Iris entfremden, dann ist es die gnadenlose Krankheit Alzheimer, die sie ihm schließlich wegnimmt. Dieses ständige Auf und Ab wird nun teilweise in Rückblenden, teilweise gegenwärtig erzählt - damals mit Kate Winslet und Hugh Bonneville, heute mit Dame Judi Dench und Jim Broadbent als Iris Murdoch und John Bayley. Das Quartett harmoniert wunderbar. Der Unterschied zwischen dem jungen und dem alten John manifestiert sich überraschender Weise so gut wie gar nicht, dafür ähneln sich Kate Winslet und Judi Dench um so weniger. Doch das stört die Handlung nicht weiter, denn beide füllen ihre Rolle mit Leib und Seele aus. Während Mrs. Winslet eher durch physische Präsenz glänzt - die dem Film zwar sehr viel Anmut verleiht, aber nicht unbedingt als Oscar-reif bezeichnet werden kann - , legt die Grand Dame des britischen Kinos all ihre Emotionen in die alternde Iris. Es ist wirklich grandios zu beobachten, wie Judi Dench die brillante Schriftstellerin und Denkerin mit so viel Leben und Geist füllt, der mit fortschreitender Krankheit nur noch ein ausdrucksloser, irritierter Blick bleibt. Dank ihrer hervorragenden Darstellungskraft wird die Horrorvision erst bewußt: ein Mensch, der sein Leben lang für seine geistreichen Worte und Gedanken verehrt wurde, ist plötzlich nicht mehr in der Lage, einen einfachen Satz zu formulieren. Der eigentliche Mittelpunkt des Dramas ist jedoch ihr etwas ungeschickter Mann, der Iris sein Leben zu Füßen legt und ihr die ganze Alltagsorganisation überläßt. Und plötzlich ist er derjenige, der sich um seine Frau kümmern muß. Jim Broadbents Wandlung vom vergötternden, unterlegenen Ehemann zum verzweifelten, hilflosen und ausgelaugten Nervenbündel ist herzerweichend.
Dennoch scheint es so zu sein, dass man als Zuschauer von der emotionalen Darstellung und dem schockierenden geistigen Verfall der Autorin komplett angerührt und begeistert ist. Oder aber die Geschichte tangiert einen nicht einmal peripher. Deshalb sollte der bewußte Kinogänger sich vorher genau überlegen, ob er mehr über Iris Murdoch und ihre Liebe erfahren will, oder nicht. Denn nur darum geht es in Iris. Basierend auf den Memoiren von John Bayley problematisiert Theaterregisseur Richard Eyre nicht die Krankheit, ebensowenig geht es um das Leben und Schaffen der Schriftstellerin. Iris ist einzig und alleine eine anrührende Liebesgeschichte, die viele Höhen und Tiefen durchlebt, aber vor allem überlebt hat. Wer sich darauf einläßt, sollte damit rechnen, die ein oder andere Träne zu vergießen. Und das ist gut so, denn noch nie hatten die Worte "I love you" eine größere Bedeutung. |