Verfilmungen der Beatles gibt es einige, doch speziell die Jugendgeschichte von John Lennon wurde noch nicht genauer unter die Lupe genommen. Da diese aber durchaus interessant und spannend ist, nehmen sich die Macher von Nowhere Boy genau das vor. Herausgekommen ist ein anfänglich sehr holpriger und wenig attraktiver Streifen, der aber im Mittelteil enorm zulegen kann. Gegen Ende steigert er sich dann sogar von Minute zu Minute, sodass ein durchaus positiver Gesamteindruck zurückbleibt.
Ein Ausnahmetalent wie John Lennon zu portraitieren erfordert viel Mut, denn man kann es einerseits nicht jedem Recht machen, hat aber natürlich einem erhöhten Anspruch stand zu halten. Deswegen dauerte es mehrere Jahre, bis man aus Büchern Details, Zitate und Informationen zusammengetragen hatte und endlich damit beginnen konnte, ein Drehbuch zu verfassen. Dass sich Drehbuchautor Matt Greenhalgh vor allem auf die Beziehung von Lennon zu seiner Mutter Julia und Tante Mimi - bei der Lennon jahrelang lebte - konzentrierte und die Geschichte dort enden lässt, wo die Beatles beginnen, macht Nowhere Boy durchaus zu etwas Besonderem.
Leider kommt der Film gerade anfänglich nicht auf Touren, sondern wirkt etwas holprig. Der Zuschauer wird mit sehr vielen Charakteren und Einzelgeschichten belastet, die er nicht einsortieren kann. Man fühlt sich ein wenig verloren und steht vor einem großen Haufen an Bildern und Informationen, die man nicht so recht verarbeiten kann. Erst als John seine leibliche Mutter kennen lernt, nimmt alles Formen an und der Film versteht es gekonnt, einen Spannungsbogen auf zu bauen, der einen nicht mehr los lässt.
Die Zerrissenheit des jungen Lennon, der zwischen der strengen Tante Mimi und seiner lebhaften Mutter steht, wird eindrucksvoll von Aaron Johnson dargestellt, der sich deutlich besser zeigt, als man das vorab vielleicht von ihm erwartet hätte. Ebenso zeigen aber Kristin Scott Thomas (Tante Mimi) und Anne-Marie Duff (Julia Lennon) fantastische Leistungen, die nicht umsonst schon einige Nominierungen und auch Siege bei Preisverleihungen auf ihrem Konto verbuchen können.
Wer auf biographische Dramas steht, dem wird bei Nowhere Boy einiges geboten, auch wenn man kein großer Fan der Beatles ist. Mit ruhiger aber gekonnter Hand setzt Sam Taylor-Wood in ihrem ersten Spielfilm ihre tollen Darsteller in Szene und schafft es, eine Atmosphäre zu schaffen, die den gesamten Kinosaal einnimmt.
Wäre nicht der etwas schwache Anfang, der sich zwar dem sprunghaften Leben Lennons durchaus thematisch anpasst, aber doch etwas sehr an den Nerven zehrt, dann wäre Nowhere Boy rundum gelungen. Die Darstellerleistungen sind außergewöhnlich und vor allem Aaron Johnson präsentiert sich unerwartet stark. Für Fans der Beatles ist der Streifen ja sowieso Pflicht, aber auch alle Anderen werden letztlich doch positiv auf den Kinoabend zurückblicken können.