Die Fliege ist nicht nur einer der bekanntesten Filme David Cronenbergs, sondern auch einer seiner Besten. Dieser Meilenstein des Body-Horrors vereint alle Elemente, die Cronenbergs Filme auszeichnen, und ist insgesamt absolut rund und stimmig. Dies liegt besonders an der fantastischen Leistung von Jeff Goldblum und an den absolut geisteskranken Special Effects, die damals Maßstäbe setzten, sich aber sogar heute noch sehen lassen können.
Als der deutschstämmige Regisseur Kurt Neumann 1958 seinen auf einer Kurzgeschichte von George Langelaan basierenden Science-Fiction Horrorfilm Die Fliege in die amerikanischen Kinos brachte, gelang ihm damit zwar ein kommerzieller Erfolg, doch von zahlreichen Filmkritikern wurde sein Werk mit äußerst gemischten Gefühlen aufgenommen und letztlich großteils zerrissen. Fast dreißig Jahre später nahm sich der kanadische Kultregisseur David Cronenberg (Die Brut) erneut der interessanten Story an, hatte großen Erfolg und schuf damit auch sein wahrscheinlich bekanntestes Werk.
Was Die Fliege gegenüber vielen anderen Filmen Cronenbergs deutlich zugänglicher macht, ist, dass es im Gegensatz zu vielen früheren Werken des Kanadiers einen von Anfang an sympathischen Protagonisten gibt. Jeff Goldblum (Jurassic Park), dem mit dieser Rolle der große Durchbruch gelang, erweist sich dabei fast schon überraschend als Idealbesetzung für die Rolle des eigenwillig genialen Wissenschaftlers Seth Brundle. Goldblum spielt seine Figur absolut überzeugend und lässt in keinem Moment Zweifel an der Plausibilität der Charakterentwicklung vom Mensch zur Fliege aufkommen. Wie er systematisch Mimik und Gestik verändert und damit den vorranschreitenden Wahnsinn glaubhaft verdeutlicht, ist wirklich meisterlich.
Sicherlich ließe sich Die Fliege in der Entwicklung der Charakterbeziehungen in einigen Punkten angreifen. So entwickelt sich besonders die anfangs sehr distanzierte Beziehung zwischen Brundle und der Journalistin Veronica Quaife (Geena Davis, Die Piratenbraut) viel zu schnell und es ist recht schleierhaft, wie die Beiden in derartig kurzer Zeit ein Paar werden. Andererseits ist es einem im Grunde aber auch egal und man ist stattdessen froh, dass nicht unnötig Spielzeit verschenkt wird, um die Beziehung der Beiden zu etablieren. Die Fliege ist ein knackiger 90-Minuten Film ohne Längen oder unnötige Szenen und das ist auch gut so. Dass man Goldblum und Davis die Beziehung so zweifelsfrei abnimmt, liegt vielleicht auch daran, dass die Beiden sich während der Dreharbeiten tatsächlich ineinander verliebten und kurze Zeit später sogar heirateten.
Enorm wichtig, um eine Story überzeugend zu verpacken, die derartig waghalsig daher kommt wie in diesem Fliegenstreifen, ist sicherlich, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt. Gerade in den besonders ekeligen Szenen schimmert immer wieder ein bissiger schwarzer Humor durch, der zu einem dreckigen Schmunzeln anregt und den Zuschauer gleichermaßen unterhält wie erschreckt. Genau durch dieses Kunststück sind die Maske und die Special Effects auch heute noch überzeugend. Natürlich muss man sich nicht zwangsläufig mit der Maske jeder einzelnen Mutationsstufe anfreunden können, doch immer wieder ist offensichtlich, dass man sich nicht nur vor der Gestalt der "Brundle-Fliege" fürchten soll, sondern sich auch ein wenig über diese amüsieren darf.
Die Fliege ist zweifellos einer der ganz großen Klassiker der Filmgeschichte und besonders für Science-Fiction-Horror-Fans ein unbedingtes Muss. Auch wenn einige Szenen eigentlich nichts für Zartbesaitete sind, müssen da wohl auch diese sanften Gemüter irgendwie durch. Denn ohne diesen Film gesehen zu haben, ist man ein ganzes Stück Lebenserfahrung ärmer und verpasst auch eine ganz neue Einstellung zur Fliegenklatsche.