Nach dem US-Remake des Gruselstreifens Der Fluch - The Grudge spielt Sarah Michelle Gellar nun die Hauptrolle in dem Mystery-Thriller Possession - Die Angst stirbt nie und beweist, dass ihr die glaubwürdige Darstellung von Gefühlen nicht leicht fällt. Die Handlung - basierend auf einem südkoreanischen Film von 2002 - birgt für Thrillerfans zusätzlich wenig Überraschungen oder sonderlich originelle Ideen. Am meisten glänzt dabei die männliche Hauptrolle Lee Pace, der mit seiner zwiespältigen Darstellung noch am ehesten überzeugen kann. Zum einmaligen Sehen kann dieser Film von Joel Bergvall und Simon Sandquist noch gerade so herhalten, aber danach ist der Reiz absolut futsch und all zuviel bleibt auch nach einmaligem Sehen nicht hängen.
Im Leben der jungen, hübschen Jess läuft eigentlich alles prima: Sie ist erfolgreiche Anwältin und hat im attraktiven Ryan einen tollen Ehemann gefunden, der sie abgöttisch liebt. Beide leben in einem großen Haus und haben auch noch einen gutmütigen Haushund. Da gibt es nur ein Problem, das die perfekte Idylle stört: Norman - der missratene Bruder von Ryan - lebt bei dem verliebten Paar seit er wegen krimineller Machenschaften eine Haftstrafe abgesessen hat. Da er wegen seiner Bewährungsauflagen den Staat nicht verlassen darf, schlägt er sich mehr schlecht als recht durch und nutzt die Gutmütigkeit des Bruders aus, um über die Runden zu kommen. Doch Jess fühlt jedes Mal Unbehagen, wenn sie sich in Normans Gegenwart befindet und ist froh wenn er das Haus der beiden einmal für einige Stunden verlässt.
Doch dann ereignet sich ein schwerer Autounfall, in den sowohl Ryan als auch Norman verwickelt sind. Beide fallen ins Koma und befinden sich in lebensbedrohlichem Zustand. Jess kann es kaum fassen und zieht sich völlig zurück. Doch nach einigen Monaten endlich ein Lichtblick: Roman erwacht aus dem Koma, doch Jess merkt schnell, wie eigenartig er sich verhält. Plötzlich ist er sanftmütig, behutsam und verhält sich genauso wie Ryan es immer getan hat. Der sonst so ungehobelte und ruppige Roman schneidet die Blumen im Garten, setzt die künstlerischen Arbeiten seines Bruders fort und schreibt Jess Liebesbriefe - genauso wie es Ryan früher immer getan hat. Langsam kommt Jess zu der Überzeugung, dass ihr Mann und Norman bei der Wiederbelebung nach dem Unfall die Körper getauscht haben und sie auf diese Weise nun doch ihren geliebten Mann zurückbekommen hat. Da Norman noch dazu intime Details und Erinnerungen an Ereignisse kennt, die nur das junge Ehepaar erlebt hat, erkennt Jess schließlich ihren Ryan in Normans Gestalt und so gibt sie sich ihren Gefühlen hin. Aber ist es tatsächlich möglich, dass die beiden Brüder ihre Seelen oder ihr Bewusstsein beim Unfall vertauscht haben?
Wer Hollywood für die Geburtsstätte aller tollen Filmideen hält, der liegt wohl ziemlich daneben, denn auch wenn diese glamouröse Ecke der USA einem als erstes in den Sinn kommt, wenn es um beeindruckende und professionelle Filme geht, muss man einsehen, dass zumindest nicht alles dieser Gegend entspringt. Stattdessen werden - vor allem in den letzten Jahren - gerne asiatische Filme aufgegriffen und mit leichten Abweichungen neu verfilmt. Nicht um sie neu zu erfinden, sondern nur um sie für das heimische Publikum ansprechender zu gestalten, weil dann im Cast eben so bekannte Namen wie Sarah Michelle Gellar auftauchen. Nachdem die bereits in Der Fluch - The Grudge und Der Fluch - The Grudge 2 das Fürchten lehrte, übernahm sie nun auch im Mystery-Thriller Possession- Die Angst stirbt nie die Hauptrolle und wendet sich dort, unter der Regie von Joel Bergvall und Simon Sandquist, eher dem subtilen und wohldosierten Nervenkitzel zu. Das Original der Geschichte um den missratenen Schwager, der aus dem Koma erwacht und behauptet, ihr Ehemann zu sein, stammt aus Südkorea und kam 2002 unter dem Namen Addicition heraus.
Unabhängig von dem was die Vorlage bietet, bauen die Regisseure im Remake durchaus eine spannende und interessante Handlung auf, aber der mitdenkende Zuschauer, der inzwischen nun mal viel gesehen hat, tappt nicht lange im Dunkeln, was die Auflösung des Rätsels angeht. Immerhin ist die Geschichte letztlich ziemlich einfach gestrickt und daher bleiben nach einiger Zeit nur zwei Möglichkeiten übrig: Entweder unerklärliche Kräfte sind am Werk, die einen Tausch von Bewusstsein und Körper irgendwie möglich gemacht haben, oder aber es gibt eine ganz einfache Erklärung für die Geschehnisse, die nichts mit Übersinnlichkeit zu tun haben. Das lässt den Film doch verhältnismäßig schnell flach erscheinen und schafft es daher auch nicht, eine besonders große Spannung aufrechtzuerhalten. Gellar ist zudem nicht gerade die Idealbesetzung für die emotionale Rolle der hin- und hergerissenen Jess. Die große Verzweiflung nimmt man ihr leider kaum ab. Etwas herausreißen kann dies ihr Gegenpart Lee Pace als Norman, bekannt aus der TV-Serie Pushing Daisies und dem hochkarätig besetzten Der gute Hirte. Bei seiner guten Darstellung schwankt man auch als Zuschauer des Öfteren zwischen den möglichen Auflösungen und das ermöglicht es auch, den Film mit einem gewissen Interesse zu verfolgen.
Dennoch ist Possession - Die Angst stirbt nie nicht gerade ein Glanzstück, egal ob für das Mystery- oder das Thriller-Genre. Die Idee hinter dem Streifen ist nicht gerade von der überraschenden Sorte und wird wahrscheinlich kaum einen vom Hocker hauen. Wer den Film dann einmal gesehen hat, braucht ihn auf jeden Fall nicht noch einmal zu sehen, denn dann ist das bisschen an Spannung völlig verschwunden. Man hat insgesamt einfach schon zu viele ausgefuchste und intelligente Thriller und Mysteryfilme gesehen, als dass diese Handlung einen überzeugen könnte. Sarah Michelle Gellar hat eindeutig schon ein glücklicheres Händchen bei Filmrollen gehabt und auf der anderen Seite hat sie auch schon besser in Filme gepasst. Die verängstigte Ehefrau, die nicht richtig um den Mann trauern kann, da so seltsame Dinge geschehen, wirkt bei ihr einfach zu aufgesetzt. So bleiben alles in allem wenige Argumente für diesen Film übrig, außer einer gewissen Grundstimmung, die sich die meiste Zeit über halten und damit auch das Interesse aufrechterhalten kann. Aber das reicht noch lange nicht für einen gelungenen Thriller und verliert allerspätestens nach der Auflösung den Anziehungspunkt.