Eine norwegische Sex-Komödie mit einem pornogeilen Nerd in der Hauptrolle. Nun ja, das klingt jetzt nicht unbedingt nach einem unvergesslichen Filmerlebnis. Doch Fatso - und wovon träumst du? lohnt sich. Der vertrottelte Protagonist Rino ist die norwegische Antwort auf eine Frage, die nie gestellt wurde. Seine Lieblingsbeschäftigung ist Masturbation. In jeder Lebenslage, ob allein vorm Fernseher oder simultan zum Zähneputzen. Um seine imaginäre Sexualität zu verarbeiten, zeichnet er zudem absurde Comics, die der Zuschauer in obszönen Animationen bestauen darf. Auch wenn dieses Gesamtpaket keinesfalls frei von Schwächen ist, kann man oft genug lachen, um diese dem Film zu verzeihen und sich gut unterhalten zu fühlen.
Der titelgebende Begriff "Fatso" ist in Norwegen, wo der Film ein großer Erfolg war, eine abwertende Bezeichnung für Menschen mit Gewichtsproblemen. Rino ist ein eben solcher "Fatso" und hat es auch sonst nicht leicht. Abgesehen von seinem vollkommenen Unvermögen im Umgang mit Frauen, ist er ein pornogeiler, ungeschickter Außenseiter, bei dessen Schöpfung Gott wohl besoffen war. Dennoch hat man ihn irgendwie gern, diesen komischen Kautz. Dass man als Zuschauer Sympathien für diesen im Grunde widerlichen Kerl hegt, ist besonders dem grandiosen Spiel Nils Jorgen Kaalstads (Sönner - Dunkle Geheimnisse) zu verdanken.
Immer wieder lanciert Fatso - und wovon träumst du? zwar die Grenze des guten Geschmacks, überschreitet diese allerdings meist nur, wenn man als Zuschauer damit leben kann und tatsächlich der ein oder andere Lacher folgt. Von der unendlichen Peinlichkeit deutscher Teenie- beziehungsweise Sexkomödien oder der Unglaubwürdigkeit abgedroschener American Pie-Plagiate ist Fatso - und wovon träumst du? Gott sei Dank aber stets meilenweit entfernt. Stattdessen zeigt der Film auch Ansätze einer ernsthaften Charakterstudie, ohne sich dabei jedoch in Sentimentalitäten zu verlieren oder die eigenen Ansprüche der Komödie zu vergessen.
Einen besonders interessanten Look bekommt der Film durch die immer wieder eingefügten Zeichentricksequenzen, in denen die Comics von Rino quasi zum Leben erweckt werden. Diese kennen in Punkto Absurdität und Obszönität praktisch keine Grenzen, sind aber streckenweise herrlich komisch, lockern das Geschehen angenehm auf und verpassen Fatso - und wovon träumst du? ein charakteristisches Element, das für Widererkennungswert sorgt.
Was man Fatso - und wovon träumst du? allerdings vorwerfen muss, ist eine recht unlogische Figurenentwicklung. So bleibt unklar, wie sich Rino, nachdem er einen wesentlichen Charakterwandel durchgemacht hat, wieder beinahe genau zurück auf seinen Anfangsstand entwickelt. Hier hätte man der Figur ruhig mehr Raum geben können, ein wenig mehr aus sich zu machen (ob nun in positiver oder negativer Hinsicht) und dennoch der alte Nerd zu bleiben. Abgesehen von dieser überraschend schwachen und erstaunlich unkreativen Entwicklung ist Fatso - und wovon träumst du? auch ein wenig vorhersehbar. Große Überraschungen gibt es wenige und mal Hand aufs Herz, besonders originell ist die Story an sich nun wirklich nicht.
Doch sei es drum, Fatso - und wovon träumst du? ist genau das was er sein will: Ein lockerer Film, der einige wirklich gelungene, anzügliche Gags bietet, ohne sich dabei lächerlich zu machen oder auf ein all zu präpubertäres Niveau zu fallen. So ist der Film vielleicht kein kultureller Höhepunkt, aber sicherlich genau das Richtige für alle, die zwar eigentlich von Teeniekomödien die Schnauze voll haben, aber mal wieder eine lockere, dreiste Komödie über das Sexleben eines Volltrottels sehen wollen oder einfach nur nach leichter, amüsanter Unterhaltung suchen.