Grotesque ist eines der menschenverachtendsten Machwerke, für die je Zelluloid verschwendet wurde. Oft als japanischer Hostel gehandelt, verzichtet dieser Film gegenüber anderen Folterhorrorstreifen komplett auf eine Geschichte oder irgendeine Charakterisierung seiner Protagonisten, sondern konzentriert sich stattdessen nur auf die Darstellung der in Perversion kaum zu überbietenden Folterorgie. Der zwischenzeitliche Versuch, ein wenig Handlung und Hintergrund zu etablieren, kommt zu spät und ist obendrein auch noch vollkommen unlogisch. Grotesque entwertet Film als Kunstform und degradiert ihn zum reinen Befriedigungsmedium für gestörte Sadisten.
Spätestens seit den beiden Hostel-Filmen und der nicht enden wollenden Saw-Reihe ist Folterhorror endgültig erfolgreich im Mainstream angekommen. Zu diesen beiden wohl bekanntesten Vertretern gesellen sich noch einige Schlachtplatten aus Frankreich, wie Frontier(s), Martyrs oder im weiteren Sinne auch High Tension und Inside, die zwar kein Folterhorror im klassischen Sinne sind, aber dennoch sehr ehrgeizig die Mägen der Zuschauer malträtieren. All diese Filme erzählen eine Geschichte, mehr oder weniger gut und originell. Grotesque wird häufig als eine Art "japanischer Hostel" gehandelt, ist dabei aber ein reiner Genre-Film und dieses Genre ist längst nicht mehr Horror, sondern Torture Porn in Reinform. Im Gegensatz zu den genannten Beispielen wird in Grotesque keine Geschichte erzählt, sondern eigentlich nur gefoltert.
Dabei sparten sich die Macher alles, was von der Kreativität der Foltermethoden, deren Bandbreite von teils recht kreativen physischen über bösartigste psychische reichen, ablenkt. So werden die Protagonisten nicht vorgestellt, nicht einmal ihre Namen erfährt man. Alles, was man weiß, ist, dass ein Mann und eine Frau sich vermutlich zum ersten Mal treffen und sich sympathisch sind. Danach werden sie entführt und kommen festgebunden in einem Keller wieder zu Bewusstsein. Das war dann auch schon der ganze Hintergrund und damit auch die "Story" des Films. Da die Figuren keine Tiefen haben, kann der Zuschauer auch keine Sympathien für sie entwickeln. Als Identifikationsfiguren, mit denen man während der Tortur mitfühlt, funktionieren die Beiden dennoch, denn eine Gemeinsamkeit findet jeder mit den Beiden: Man ist immerhin Mensch.
Die Figuren bleiben also vollkommen blass. Dies ist besonders bei dem Folterer selbst problematisch. Über seine Motivation wird nichts bekannt, die Auswahl seiner Opfer scheint rein zufällig zu sein. In der Mitte des gerade einmal siebzig minütigen Films werden dann ein paar Sätze gesprochen und kurz vor dem den Zuschauer erlösenden Schluss werden sogar aus heiterem Himmel einige absolut unnachvollziehbare Details zur Figur des Folterers bekannt. Doch gerade mit diesen schwer nachvollziehbaren und unlogischen Dialogen offenbart Grotesque auch erhebliche Schwächen im wahrscheinlich ohnehin nur zehnseitigen Drehbuch. Dies zeigt sich auch im Verhalten der Protagonisten während einer vermutlich mehrtägigen Folterpause, als den Opfern Hoffnung auf ein Ende gemacht wird, schließlich aber alles noch schlimmer kommt. Das Verhalten des jungen Mannes und der jungen Frau, die inzwischen schwerstbehindert und psychisch völlig am Ende sein müssten, reagieren schon beinahe gleichgültig auf ihren Peiniger, lassen sich von ihm versorgen und glauben tatsächlich an ihre Entlassung. Von Panik, Angst oder Wut ist hier kaum noch etwas zu merken und die Gespräche der Opfer sind derartig an den Haaren herbeigezogen, dass ihnen zu lauschen beinahe mehr Folter ist, als die vorherige Prozedur.
Zusammen mit eben diesem wohl entscheidenden letzten Dialog wird dem inzwischen schon ordentlich verwirrten Zuschauer nun ein sagenhaftes Ende serviert, indem sich Grotesque schließlich ganz offiziell der Lächerlichkeit preisgibt. Denn plötzlich kommt dümmlichster Splatterhumor, der so gar nicht in das bis dahin im wahrsten Sinne des Wortes toternste Szenario passen will, ins Spiel. Zu der Absurdität der wohl finalen Szene kommt auch noch die schlechte technische Umsetzung, denn die Blutfontäne der Enthauptung (so viel verriet auch schon der Trailer) ist ein extrem offensichtlicher CGI-Effekt, der so miserabel ist, dass er dem Film rückwirkend den kleinen technischen Bonus für die ansonsten immerhin realistischen Splattereffekte abspricht.
Bis jetzt ist Grotesque nicht offiziell in Deutschland erschienen und da der Film keine andere Motivation hat, als die Würde des Menschen nicht nur anzutasten, sondern zu zerstückeln, dürfte ein Deutschlandrelease unwahrscheinlich sein. Andernfalls wäre wohl nicht nur die Indizierung, sondern zwangsläufig die Beschlagnahmung die mögliche und in diesem Fall vielleicht sogar nötige Konsequenz.