Wer dachte, die Reichsarmee hätte mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihr Ende gefunden, irrt, denn in dieser finnisch-deutschen Co-Produktion stellt sich heraus, dass sich ein Teil auf dem Mond kolonisiert hat, und die Nazis nun endlich die erforderliche Technologie haben, um die Erde anzugreifen. Dies ist vereinzelt durchaus lustig anzusehen, verliert sich jedoch zu sehr in Stückwerk und wird vor allen Dingen schnell eines: langweilig.
In Deutschland dürfte wohl jeder Filmfan schon von Iron Sky und dessen abgefahrener Idee gehört haben, ist die finnisch-deutsche Co-Produktion doch schon mehrere Jahre in der Mache und war unter anderem in Sachen Finanzierung immer wieder auf seine immer größer werdende Fangemeinde angewiesen. Dementsprechend wurde der Film natürlich auch schon lange von allen Seiten herbeigesehnt. Vor dem bevorstehenden Kinostart feiert der Film nun auf der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere, sodass das lange Warten der Fans nun endlich ein Ende hat.
Wir schreiben das Jahr 2018. Eine namentlich nicht genannte amerikanische Präsidentin, die zudem eine frappierende Ähnlichkeit mit Sarah Palin besitzt, bereitet sich auf ihre Wiederwahl vor. Um sich bei der afroamerikanischen Bevölkerung beliebt zu machen, lässt sie den ersten schwarzen Astronauten auf den Mond fliegen. Als sich dieser auf die dunkle Seite des Mondes begibt, muss er entsetzt feststellen, dass dieser bislang unerforschte Teil schon vor langer Zeit von den Nazis besetzt wurde. Dank des Smartphones des Astronauten besitzen diese nun auch genug Energie, um ihr großes Kriegsraumschiff, die Götterdämmerung, funktionstüchtig zu machen, und planen zur Erreichung des Endsieges per Blitzkrieg, die Erde anzugreifen.
Wie man an der Zusammenfassung schon erkennen kann, bietet die Story eine nahezu perfekte Ausgangslage für ein wunderbar trashiges Vergnügen. Teilweise kann der Film diese auch nutzen, denn besonders in den politisch herrlich unkorrekten Szenen liegen die Stärken von Iron Sky. Dennoch sind dies leider nur vereinzelte hervorstechende Momente, denn über weite Strecken ist der Film vor allen Dingen eines: langweilig. Zu sehr verlassen sich die Drehbuchautoren auf das Grundszenario und vergessen dabei sogar, auf minimalste logische Konsistenz zu achten. Ein paar wenige Sprüche und durchaus kreative Einfälle sind einfach zu wenig, weitestgehend Stückwerk und können nur selten über die aufkommende Langeweile hinweg trösten.
Dass der Film am Ende ein Budget von 8 Millionen hatte, sieht man ihm auch in jeder Sekunde an. Die Ausstattung ist mit viel Liebe zum Detail geschaffen, die Weltraumszenen brauchen sich vor größeren Produktionen nicht zu verstecken und auch der ungewöhnlich schräge Musikeinsatz weiß zu gefallen. Auch den Darstellern kann man nur wenig vorwerfen: Götz Otto darf als Bösewicht herrlich chargieren, die wunderbare Julia Dietze die Männer um den Finger wickeln und das Portrait von Sarah Palin stiehlt letztendlich sogar allen die Show und zählt zu den Highlights des Filmes.
Leider kann der langersehnte Iron Sky die Erwartungen zu keinem Zeitpunkt vollends erfüllen. Zwar ist die Ausstattung beeindruckend und die Effekte überraschend gelungen, doch leider verlässt sich der Film zu sehr auf seine Ausgangslage, aber viel schlimmer noch: Der Film wirkt an manchen Ende sogar lieblos zusammengeschustert. Was bringen da die wunderbaren politisch unkorrekten Spitzen, das Einbringen der Kurzfassung von Der große Diktator oder die Tatsache, dass die Eroberung der Nazis nur mit Apple-Produkten möglich gemacht wird, wenn dies nur Stückwerk eines über weite Strecken absolut durchschnittlichen Filmes ist?