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Me Too

(Yo, Tambien, 2009)

Dt.Start: 05. August 2010 Premiere: 22. September 2009 (San Sebastian Film Festival, Spanien)
FSK: ab 6 Genre: Drama
Länge: 102 min Land: Spanien
Darsteller: Lola Duenas (Laura), Pablo Pineda (Daniel), Isabel Garcia Lorca (Angeles), Antonio Naharro (Santi), Joaquin Perles (Pepe), Ramiro Alonso (Quique), Maria Bravo (Reyes), Teresa Arboli (Rocio), Ana De los Riscos (Macarena), Consuelo Trujillo (Consuelo), Lourdes Naharro (Luisa), Pedro Alvarez-Ossorio (Bernabe), Susana Monje (Nuria), Daniel Parejo (Pedro), Catalina Llado (Pilar), Ana Peregrina (Encarni), Pepe Quero, Tania Roman, Roma Calderon
Regie: Antonio Naharro, Alvaro Pastor
Drehbuch: Antonio Naharro, Alvaro Pastor


Inhalt

Daniel kennt seit seiner Geburt die Vorurteile ihm gegenüber: niemand traut ihm viel zu, alle empfinden Mitleid für ihn, denn er leidet unter dem Down-Syndrom. Doch entgegen der Erwartungen gelingt es Daniel mit 34 Jahren sein Studium abzuschließen und einen Job zu finden. Die Vorurteile verfolgen ihn aber weiter, bis er Laura trifft. Zwischen beiden entwickelt sich eine intensive Beziehung, die von der Gesellschaft um sie herum zunächst nur belächelt wird.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Me Too hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 58%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Me Too hat eine Wertung von 58%
Daniel hat das Down Syndrom und gehört zu der winzigen Minderheit von Menschen, denen es trotzdem gelang, einen Universitätsabschluss zu erwerben. Nun arbeitet er in einer Beratungsstelle für gehandicapte Menschen. Zu seinem Glück fehlt ihm noch die richtige Frau. Trotz allem, was er erreichte, wird es für ihn aber schwer werden, eine Partnerin zu finden, die normal ist. Me Too greift sich das Motiv Sex heraus, um die Selbstbestimmung gehandicapter Menschen in den Fokus zu rücken. Gut gemeinter Versuch mit einer gewissen Leichtigkeit und einer Portion Humor in der Inszenierung, aber mit Widersprüchen in der Ausarbeitung der Botschaft.

Bild aus Me Too Vor ein-zwei Jahrzehnten entdeckte das Hollywoodkino plötzlich Figuren für sich, die ganz augenscheinlich nicht der "Norm" entsprechen. Filme wie Rain Man, Forrest Gump und Nell folgten. In letzter Zeit scheint dieses Thema erneut ausgesprochen populär zu werden. Allerdings ist es diesmal nicht die Mainstream-Filmschmiede aus Übersee, die sich damit auseinandersetzt; vielmehr tauchen Produktionen aus aller Herren Länder auf - vom amerikanischen Independentkino bis zu Bollywood-Movies - die mit schrägen Helden aufwarten: Adam, Vincent will meer und My Name is Khan sind Filme der neuerlichen Strömung.

In Me Too steht der 34-jährige Daniel (Pablo Pineda) im Mittelpunkt, der trotz seines Handicaps, er kam mit dem Down-Syndrom auf die Welt, ein Universitätsstudium abschloss. Daniel ist Diplom Sonderpädagoge. Mit diesem Abschluss und seinem persönlichen Hintergrund ist er mehr als jeder andere qualifiziert, als Ansprechpartner in einer staatlichen Beratungsstelle für gehandicapte Menschen zu arbeiten. Er ist dort der einzige Mitarbeiter, der selbst ein Handicap besitzt, seine Kollegen akzeptieren ihn aber ohne Vorbehalte, sind sogar stolz, einen solch außergewöhnlichen Menschen unter sich zu haben. Schließlich ist es mehr als bemerkenswert, was Daniel gelang.

Daniel ist ebenfalls froh, sein Wissen und seine Fähigkeiten sinnvoll einsetzen zu können. Darüber hinaus ist er aber auch ganz entzückt, viele nette Kolleginnen um sich zu haben. Besonders Laura hat es ihm angetan, mit der es anfänglich zu einem peinlichen Missverständnis kam, als sie ihn am ersten Tag nicht für einen Kollegen hielt und der Meinung war, er wäre ein Klient. Genau diesem Missverständnis aber ist es zu verdanken, dass die beiden sich näher kommen und sich alsbald platonisch anfreunden. Doch Daniel will mehr, will das Leben eines normalen Mannes und sich bei der Partnerwahl nicht mit dem zufrieden geben, was andere für ihn als angemessen erachten.

Ein Chromosom zuviel und schon ist alles anders. Das Down Syndrom oder Trisomie-21, wie der medizinische Fachbegriff lautet, ist die am häufigsten auftretende Chromosomenanomalie bei Neugeborenen. Hierzulande liegt die Wahrscheinlichkeit ein Kind mit Down Syndrom auf die Welt zu bringen ungefähr bei 1:500; dabei sind Jungen etwas häufiger betroffen (53:47 Prozent). Die Auswirkungen für die Kinder sind erheblich: Nebst den augenfällig runden Gesichtern, mandelförmigen Augen und verkürzten wie dickeren Gliedmaßen, gibt es auch schwerwiegende Beeinträchtigungen wie Herzfehler, Koordinationsprobleme und zumeist eine geistige Entwicklung, die mit Gleichaltrigen nicht Schritt hält.

Durch Förderschulen sind die meisten Menschen mit Down Syndrom in der Lage, Schreiben, Lesen und Rechnen zu lernen, damit sie ein eigenständiges Leben führen können. Nur wenige schließen aber Regelschulen ab und erlernen Berufe. Weltweit sind sogar nur zwei Menschen bekannt, die trotz Down Syndroms ein Universitätsstudium abschlossen: die Japanerin Aya Iwamoto, die im Jahre 1998 ein Studium der englischen Literatur vollendete und Pablo Pineda, der erst ein Diplom als Grundschullehrer erwarb und 2004 noch einen Abschluss in Psychopädagogik machte. Er spielt sich als Hauptdarsteller in Me Too gewissermaßen selber.

Leider befasst sich der Film leidlich wenig mit all diesen Fakten und Implikationen. Er versäumt es überdies sogar größtenteils den Protagonisten in seinem Alltag zu skizzieren; und ihm somit einen Unterbau zu geben. Die Hauptfigur scheint außer der Arbeit nur noch ein wesentliches Interesse zu haben: Sex. Daniel ist 34 Jahre und möchte sexuelle Erfahrungen sammeln und eine Beziehung mit der Frau führen, die er für die Richtige hält. Damit begehrt er im Grunde nicht mehr als jeder andere (gleichaltrige) Mann auch. Nur gestaltet es sich bei ihm etwas schwieriger, das zu realisieren.

Man fragt sich mehr als einmal, warum Daniels Umfeld und Familie auf ihn wie auf einen störrischen Esel einredet und ihn davon zu überzeugen sucht, er solle sich doch nach einer Frau umsehen, die genauso wie er ist. Fast gewinnt man den Eindruck, es geht weniger darum, ihn vor Verletzung zu schützen, als ihn im Raster zu halten, indem er in ihren Köpfen existiert. Hieße das weitergesponnen, dass ein Übergewichtiger oder eine Übergewichtige keinen schlanken Partner haben dürfen? Jemand der im Rollstuhl sitzt, keinen der gehen kann? Kein Blinder einen Sehenden? Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Es wird überhaupt nicht klar, was der Film mit diesen Statements für eine Botschaft zu formulieren sucht. Wer kann bestimmen, in wen man sich verliebt, geschweige denn, in wen man sich verlieben darf.

Genau in dieselbe Kerbe schlägt Daniels Romanze mit Laura: Viel Mühe wird darauf verwendet, Laura als unstete, emotional instabile Person zu zeichnen, die unzufrieden und getrieben zugleich, nahezu jedes Wochenende mit jemand anders im Bett landet. War es nicht möglich, Daniel eine Romanze mit einer stinknormalen "Durchschnittsfrau" anzudichten? Bedurfte es wirklich einer Person, die man in ihrer sexuellen Reife nicht für ganz voll nehmen kann, um die Spannung zu erhalten, ob sich zwischen ihr und Daniel etwas abspielen wird. Das wurde bei Adam und My Name is Khan wesentlich besser gelöst.

Zu den Stärken des Films mag man zählen, dass er den Tabubruch wagt und das Thema Sex zwischen gehandicapten Menschen und nichtgehandicapten thematisiert. Prinzipiell dreht sich aber alles um das Recht, für sich entscheiden zu dürfen. Es wurde einfach entschlossen, dieses exemplarisch am Beispiel Sex festzumachen, weil es damit vermutlich am Eingängigsten geht. Dass die Selbstbestimmung eigentliches Thema ist, belegt darüber hinaus auch der Nebenplot, der sich mit dem Liebesverhältnis zwischen zwei jungen Erwachsenen befasst, die beide das Down Syndrom haben und gemeinsam in einer Tanzgruppe in einer Schule für Gehandicapte unterrichtet werden.

Insgesamt gibt sich Me Too aber etwas unrund und nicht komplett stimmig. Ohne die Filmfiguren in ihrem alltäglichen Menschsein einzufangen, wirkt das allgegenwärtige Thema Sex zwar übermächtig präsent, aber nicht zwingend interessant. Auch handwerklich überzeugt nicht alles hundertprozentig: Schnitt wie Szenenmontage lassen es zuweilen holpern und der Nebenplot erweckt mitunter den Eindruck, als wäre er mit einiger Mühe im Film untergebracht worden. Final kommt somit der Eindruck auf, dass man bemüht war, mit einer gewissen Leichtigkeit und auch einer Portion Humor eine wichtige Botschaft zu formen, bei der konkreten Formulierung es aber an der notwendigen Präzision mangeln lies.



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