Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet? Poster

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Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet?

(Mary and Max, 2009)

Dt.Start: 26. August 2010 Premiere: 15. Januar 2009 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Animation, Komödie
Länge: 80 min Land: Australien
Darsteller: Toni Collette (Mary Daisy Dinkle), Philip Seymour Hoffman (Max Jerry Horovitz), Barry Humphries (Erzähler), Eric Bana (Damien), Bethany Whitmore (Mary jung), Renee Geyer (Vera)
Regie: Adam Elliot
Drehbuch: Adam Elliot


Inhalt

Mary und Max führen eine äußerst ungewöhnliche Brieffreundschaft: Sie ist gerade einmal acht Jahre alt und lebt in Melbourne wohingegen ihr Freund Max bereits 44 Jahre alt ist, am Asperger-Syndrom leidet und mitten in New York City lebt. Die beiden schreiben sich regelmäßig im Wechsel ihre Briefe und helfen sich so durch einige schwere Lebenssituationen hindurch. Weder die große Entfernung noch der Altersunterschied hält die beiden von ihrer treuen Freundschaft ab.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet? hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 87%
Kurzkritik
von Lars Schnell
Wertung von 97 für Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Einfühlsames und emotional ansteckendes Geknete über das Individuelle in jedem von uns. Schräge Charaktere gepaart mit einer melancholischen Handlung schaffen eine lebensbejahende Moral, und das trotz beziehungsweise gerade wegen der durchweg depressiv angehauchten Atmosphäre. Verspielt wie Die fabelhafte Welt der Amélie wird Wert auf die kleinen Dinge im Leben gelegt, und Unterschiede, die jeden Einzelnen zu etwas besonderem machen. Ein Knetmeisterwerk über Freundschaft, Fragen des Lebens und ganz alltägliche Dinge denen es mehr Achtung bedarf. Besser als die meisten Schauspieler vermitteln Marry & Max wunderbar das unvermeidbare Auf- und Ab des Lebens.

Kurzkritik
von Daniel Licha
Wertung von 87 für Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet?

Wer bei diesem Knetanimationsabenteuer ein lustiges Werk erwartet, ist auf dem falschen Dampfer und wird einen absolut depressiven Film mit viel schwarzem Humor bekommen. Die Geschichte um ein Außenseitermädchen, das eine Brieffreundschaft mit einem älteren, am Aspergersyndrom leidenden Mann eingeht, ist von Adam Elliot wunderbar geschrieben und in Szene gesetzt. Die Optik ist grandios, die Ideen reichen für mehrere Filme und dabei schafft Elliot das Kunststück, die depressiven und unterhaltsamen Momente so hervorragend miteinander zu verbinden, dass der Zuschauer sich nicht im Geringsten daran stört. Ein wundervoller Film, garantiert nichts für Kinder, das zudem hervorragend zu Ende gebracht wurde und ein echter Geheimtipp ist, den man auf keinen Fall verpassen sollte.

Kritik

von Carmen Porschen
Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet? hat eine Wertung von 77%
Eine zufällige Brieffreundschaft zwischen einem achtjährigen Mädchen aus Australien und einem dreihundertfünfzig Pfund schweren Mann aus New York: Das und noch viel mehr hinter dieser Grundkonstellation visualisiert Regisseur Adam Elliot in einem Stop-Motion Animationsfilm mit vielen melancholischen Zügen. Es geht auch um menschliche Probleme, zum Teil auch in sehr geballter Form. Damit ist den Machern zwar ein einzigartiger Film gelungen, doch es könnte sein, dass manche Zuschauer mit falschen Erwartungen herangehen und erschrocken sind. Der Film ist vor allem für Erwachsene gedacht und überzeugt auch durch einen entsprechend schwarzen Humor. Doch manchmal droht die deprimierende Stimmung Mary & Max zu stark zu dominieren und lässt etwas mehr Leichtigkeit und Lichtblicke vermissen.

Bild aus Mary & Max oder schrumpfen Schafe wenn es regnet? Mary Daisy Dinkle ist gerade mal acht Jahre alt, aber ihr Leben ist nicht einfach. Die meist alkoholisierte Mutter behandelt sie nicht besonders liebevoll, den Vater interessieren andere Dinge als das Verhältnis zur Tochter und von ihren Klassenkameraden wird sie mit Vorliebe gehänselt. Das braune Muttermal auf ihrer Stirn ist einer der Gründe dafür und so fehlt Mary jedes Selbstbewusstsein. Das hindert sie auch daran, sich dem heimlich umschwärmten Nachbarn Damian zu nähern, geschweige denn ihm zu zeigen, wie gerne sie ihn mag. Bei all dem stellt sich das Mädchen immer wieder Fragen über Gott und die Welt, findet aber meist keinen, der sie ihr beantwortet. Eine solche Frage ist, wo Babys in Amerika herkommen. Sie weiß bereits, dass sie in ihrer Heimat Australien aus Bierkrügen kommen - sind es dann in Amerika vielleicht stattdessen Cola-Dosen? Um dieser Sache auf den Grund zu gehen, beschließt sie bei einem Menschen, der in den fernen USA lebt, nachzuharken. In einem Telefonbuch schlägt sie eine Seite auf und findet durch Zufall Max Jerry Horowitz aus New York. Sie schreibt ihm einfach einen Brief und tatsächlich antwortet Max. Denn der übergewichtige und allein stehende Mann ist einsam und sein angeeignetes Wissen ist seine große Stärke. So entwickelt sich zwischen Mary und Max eine ungewöhnliche Brieffreundschaft, bei der sie immer mehr übereinander erfahren, sich auch Fotos und Süßigkeiten zuschicken. Doch dann schlägt das Schicksal mehrfach in den Leben der Beiden zu und die (Brief)Freundschaft droht zu zerbrechen. Schafft es das ungleiche und weit voneinander entfernte Gespann, den Kontakt zu halten und sich vielleicht sogar eines Tages kennen zu lernen?

Wallace & Gromit haben gezeigt, dass es bei einem Verzicht auf menschliche Darsteller nicht immer aufwändige Computeranimationen sein müssen, sondern dass es auch noch ganz anders geht. Diese Knetfigürchen erzeugen ihren ganz eigenen Charme und machen Themen völlig neu erlebbar. Mit Mary & Max hat Regisseur Adam Elliot ein Abenteuer geschaffen, das so völlig anders ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Wer die Figuren beispielsweise in einem Trailer sieht, der kann nur erahnen, was sich dahinter verbirgt. Denn von einem bunten und wortkargen Abenteuer wie in Wallace & Gromit oder der Serie Shaun das Schaf ist dieser Film weit entfernt. Was die Atmosphäre, Stimmung und Kulisse angeht erinnert Mary & Max eher an Tim Burtons The Nightmare Before Christmas oder Tim Burton's Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche. Zwar bleibt Elliots Film näher an der Realität und dem normalen Leben, aber der Tenor ist ähnlich. Mary & Max verbreitet Melancholie bis hin zu einer gewissen Düsterkeit, doch der ständig mitschwingende schwarze - zum Teil tief schwarze Humor - relativiert das Geschehen wieder.

Die erzeugte Wirkung beginnt schon bei der Farbwahl: Alles was sich in Max' Leben abspielt ist in Schwarz, Weiß und Grau gehalten, Marys Umfeld in Brauntönen. Nur hin und wieder werden ganz gezielte Farbakzente gesetzt. Die beiden Protagonisten sind nicht gerade vom Glück geküsst und genau das verbindet sie. Ihre Einsamkeit und die Ablehnung, die sie oftmals von den Mitmenschen erfahren, hat zur Folge, dass sich die Beiden zurückziehen. Im Laufe des Filmes geht es um eine große Palette von Themen. Neben der Freundschaft und der Liebe werden auch viele unerfreuliche Dinge verarbeitet. Alkoholismus, Schönheitsoperationen, Suizidgedanken und unterschiedliche Krankheiten, wie die Agoraphobie und das Asperger-Syndrom. Bei dieser Palette an Problemen wird bereits deutlich, dass Mary & Max nicht gerade ein Film zum ständigen kaputt lachen ist und auch nichts für zarte Kinderseelen. Es geht nicht bloß um eine zufällige Brieffreundschaft, in der witzige Briefe und leckere Schokoladenvariationen hin und hergeschickt werden. Es geht um zwei Schicksale, die miteinander verbunden sind und man weiß beim Schauen kaum, wessen Leben letztlich schwerer ist. Dennoch liegt Hoffnung in diesem Film, denn die Freundschaft bleibt die ganze Zeit über eine Komponente unter der alle Probleme des Lebens leichter oder sogar gelöst werden.

Es steht jedoch fest, dass bislang noch kein Stop-Motion Animationsfilm so tragisch war, wie Mary & Max. Denn da er so nah an menschlichen Problemen bleibt, geht er sehr zu Herzen. Manchem Zuschauer könnte das sogar zuviel des Guten sein, je nachdem was der Einzelne erwartet. Regisseur Elliot bezog sich bei der Erkrankung von Max auf seine eigenen Erfahrungen mit einem Brieffreund, dessen Asperger-Syndrom er ebenso ergründete wie es Mary im Film macht. Daher liegen in diesem Film biografische Züge, Elliot sieht ihn als Hommage an seinen alten Brieffreund als archetypischen Underdog. Max dient in seiner Rolle als Paradebeispiel für all die unzähligen Menschen, die sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen und lieber in ihren sicheren, eigenen vier Wänden bleiben. Mary wird zwar nicht so eine Person, aber was sie macht und wird, steht unter starkem Einfluss von ihrem Brieffreund Max. Diese besondere Freundschaft ist manchmal der einzige Rettungsring, nicht nur für die Beiden, sondern auch für den Zuschauer. Denn ansonsten droht er in einen sehr ernsten und tragischen Film abzurutschen. An machen Stellen ist Mary & Max daher schon zu düster und problembelastet. Es handelt sich eindeutig um einen Film für Erwachsene, das verdeutlichen auch die Figuren ein wenig, die überwiegend hässlich oder mit sehr auffälligen Merkmalen ausgestattet sind und damit kleine Kinder erschrecken könnten. Das gibt dem Film zwar eine sehr individuelle Note, doch manchmal helfen ein paar erhellende Momente auch einem erwachsenen Kinogänger, mehr Hoffnung in einer Handlung abzulesen und nicht völlig deprimiert heraus zu kommen. Somit ist Mary & Max ein Film, der mit viel Gesellschaftskritik überrascht und alles in allem mit eigenem (Galgen)Humor und liebenswerten Antihelden zu überzeugen weiß.



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