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London Nights

(Unmade Beds, 2009)

Dt.Start: 12. August 2010 Premiere: 16. Januar 2009 (Sundance Film Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Komödie, Drama
Länge: 96 min Land: UK
Darsteller: Deborah Francois (Vera), Fernando Tielve (Axl), Michiel Huisman (Röntgenmann), Iddo Goldberg (Mike), Richard Lintern (Anthony Hemmings), Katia Winter (Hannah), Alexis Dos Santos (Alejo), Lucy Tillet (Lucy), Al Weaver (Kevin), Leonardo Brzezicki (Lucas), Sinead Dosset (Alice)
Regie: Alexis Dos Santos
Drehbuch: Alexis Dos Santos, Marianela Maldonado


Inhalt

In einem verrückten Künstlerviertel im Osten Londons prallen drei einsame Seelen aufeinander. Der Spanier Axl sucht seinen Vater, die Belgierin Vera versucht über ihren Liebeskummer hinwegzukommen und der geheimnisvolle Röntgenmann taucht wie aus dem Nichts auf, um eine spannende Affäre mit Vera zu beginnen. Gemeinsam haben die drei bei ihren Ausflügen in die Partyszene der britischen Hauptstadt die Sehnsucht nach dem Gefühl, das das Leben mit sich bringen soll.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

London Nights hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 13%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
London Nights hat eine Wertung von 13%
Kurioserweise reicht es manchmal aus, einem Film einen anderen Titel zu geben und schon verändert sich zumindest die Assoziationsebene. London Nights, der im Original Unmade Beds heißt, konfrontiert mit dem Leben dreier junger Erwachsener um die 20 Jahre, die sich zufällig in London begegnen. Im Mittelpunkt steht vor allem Axl, ein spanischer Jugendlicher, der nach England kam, um seinen Vater ausfindig zu machen. Wilder Ritt durch das londoner Nacht- und Szeneleben, dem es weder gelingt eine Sympathieebene zu seinen Figuren aufzubauen, noch Interesse für das Geschehen zu wecken.

Bild aus London Nights Ziellos irrt der junge Spanier Axl (Fernando Tielve) in der Millionenstadt London umher und erweckt den Eindruck, als wäre das einzige was ihm Kopfzerbrechen bereitet, seine Gedächtnislücken: Fast jede Nacht betrinkt er sich und wacht anschließend in fremden Betten auf; meist nehmen ihn irgendwelche Frauen mit. Eines Tages erwacht er in einer kommunenartigen Künstler-WG. Wieder kann er sich nicht erinnern, wie er dorthin kam. Auf die Frage, was er in London will, erzählt er von seinem Vater, der vor langer Zeit ihn und seine Mutter verlies und dass er auf der Suche nach ihm ist. Die Bewohner der WG bieten ihm daraufhin an, bei ihnen zu wohnen, bis er seinen Vater ausfindig gemacht hat.

Das einzige was in London Nights einem Plot ähnelt, ist tatsächlich der Versuch Axls, Kontakt zu seinem Vater aufzunehmen. Allerdings wirken die Bemühungen wenig überzeugend. Erneut eiert die Hauptfigur desorganisiert herum - wenn es Axl auch schlussendlich über hanebüchene Wege gelingt, mit seinem Vater ins Gespräch zu kommen; allerdings ahnt dieser nicht, dass er seinen Sohn vor sich hat. In der Nebenhandlung spielt Vera (Déborah Francois) die zentrale Rolle: Eine junge attraktive Belgierin, die nach London kam, um ihre große Liebe zu vergessen. Ausgerechnet jetzt begegnet ihr ein anderer Mann, in den sie sich durchaus verlieben könnte. Aber Vera ist noch nicht bereit für etwas Neues. So trifft sie ein absonderliches Arrangement mit dem potenziellen Lover: Es soll eine anonyme Romanze von Verabredung zu Verabredung werden, ohne dass sie einander offenbaren, wie sie heißen und wer sie sind.

Sollte London Nights den Versuch darstellen, das wild-romantische Leben als junger Erwachsener in der englischen Metropole zu schildern, so geht das gründlich in die Hose. Zwar gibt es reichlich Szenekolorit, es wird gesoffen, was das Zeug hält und es gibt jede Menge fetzige Musik (tatsächlich ist der Soundtrack des Films das einzig wirklich Lohnenswerte). Aber wo bei diesem seelenlosen und wirren Treiben der sinnlich-romantische Moment sein soll, bleibt rätselhaft. Die seltsame Liebesbeziehung von Vera und ihrem anonymen Geliebten (im Film als der Röntgen-Mann bezeichnet) gibt das nicht her. Und ob man dem orgiengleichen "Rumgevögele" in der Künstler-WG, bei dem sich nach allen Richtungen ausprobiert wird, was abgewinnen kann, ist im höchsten Maße geschmacksabhängig. Man möchte aber meinen, wenn es das allein ist, was diese Zeit um die 20 kostbar macht, dann ist etwas weniger zuweilen etwas mehr und trotzdem hat man nichts wesentliches versäumt.

Ob London Nights anstelle von Unmade Beds als Titel dabei sinniger ist, sei dahingestellt. Konzentriert man sich aber einzig auf den Aspekt des exzessiven londoner Nacht- und Szenelebens, bleibt als erzählerischer Gehalt nahezu nichts übrig. Und die künstlerische Seite des Streifens ist derart diffus, dass sie den Mangel an Inhalt nicht kompensieren kann. Unmade Beds hingegen hätte zumindest eine Assoziation mit der inneren Unordnung dieser Menschen hergestellt. Das Vertiefen dieses Aspektes sei aber ausgespart, zu sinnfrei ist der Film insgesamt, als dass die Titelgebung allein an der Qualität etwas ändern könnte.

Wie wild komponiert wirkt London Nights und wimmelt dabei vor inszenatorischen Unzulänglichkeiten: Die Szenenmontage ist oft ein Graus und so kommt sich der Zuschauer mitunter genauso verloren vor, wie der Protagonist, wenn er in fremden Betten aufwacht. Demzufolge überrascht auch der Umstand nicht, dass fast alle Szenen den Eindruck erwecken, als wäre komplett ohne Drehbuch agiert worden: Einfach ein paar Darsteller in einen Raum geschickt, Kamera draufgehalten - und los! In dieser Improtheater-look-alike-Show gelingt es keinem der Schauspieler etwas Sympathisches rüberzubringen. Und nach gut anderthalb Stunden fühlt man sich dann ermattet, als hätte man die Zechtouren und das Partyleben im Film mitgemacht und schwört nur noch eines: Nie wieder!



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