|
|
 |
 |
 |
 |
 |
Das letzte Schweigen(Das letzte Schweigen, 2010)
| Dt.Start: |
19. August 2010
|
 |
Premiere: |
01. Juli 2010 (Deutschland) |
| FSK: |
ab 16
|
Genre: |
Krimi, Drama |
| Länge: |
118 min
|
Land: |
Deutschland |
|
Darsteller:
|
Ulrich Thomsen (Peer Sommer), Wotan Wilke Möhring (Timo Friedrich), Katrin Saß (Elena Lange), Burghart Klaußner (Krischan Mittich), Sebastian Blomberg (David Jahn), Karoline Eichhorn (Ruth Weghamm), Roeland Wiesnekker (Karl Weghamm), Claudia Michelsen (Julia Friedrich), Oliver Stokowski (Matthias Grimmer), Jule Böwe (Jana Gläser), Charly Hübner (Roman Mittich), Johannes Suhm (Falk), Hildegard Schroedter (Maria), Amon Robert Wendel (Malte), Michael Dorn (Sascha), Anna Lena Klenke (Sinikka), Kara McSorley, Melina Fabian |
|
Regie:
|
Baran bo Odar |
|
Drehbuch:
|
Alex Ross, Richard Shakocius |
|
 Inhalt
Vor vielen Jahren wurde in einer idyllischen Kleinstadt ein kleines Mädchen brutal ermordet. Bis heute scheint man diese schreckliche Gewalttat nicht bewältigt zu haben und als plötzlich, auf den Tag genau, 23 Jahre später ein kleines Mädchen an derselben Stelle umgebracht wird, scheint der Albtraum weiter zu gehen. Während bei allen alte Wunden aufgerissen werden, versucht der Ermittler Krischan Mittich, der auch im ersten Fall ermittelt hatte, endlich die Täter zu fassen. |  |
|
Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Daniel Licha
Wie in den ersten fünf Minuten derart anteilnahms- und emotionslos ein kleines Mädchen vergewaltigt, ermordet und entsorgt wird: Das ist einfach nur großartig inszeniertes Kino. Hier stimmt jede Kameraeinstellung, die beängstigend einsetzende Musik und die kaltblütig wirkende Darstellung der Schauspieler hinterlassen von der ersten Minute an Gänsehaut und erinnern nicht selten an David Finchers Zodiac. Doch auch nach dieser grandiosen Eröffnung kann Regisseur Baran bo Odar sein Niveau halten und schuf einen perfekt bebilderten und vor allen Dingen ruhigen Crimethriller, der den Zuschauer bewegt und mitnimmt. Die depressiven und glaubwürdigen Charaktere sind dabei hervorragend gezeichnet, und werden von der Darstellerriege beeindruckend gespielt. Der Musikeinsatz unterstützt dabei die ohnehin schon beklemmende Atmosphäre ungemein. Es ist lange her dass der Zuschauer so gebannt in einen Kinofilm eingesaugt wurde, mit der Geschichte mitfühlen und -leiden konnte. So ist Das letzte Schweigen wohl der mit Abstand beste Film des Kinojahres 2010, der leider zu unrecht kein breites Publikum bei seiner Kinoauswertung finden konnte.
Kritik
von Dimitrios Athanassiou
Wenn ein Kind grausam aus dem Leben gerissen wird, ist das besonders tragisch. Meist bleibt eine zutiefst traumatisierte Familie zurück und oft genug übersteht die Beziehung der Eltern den Verlust nicht. Das letzte Schweigen entwirft eine Szenerie, in dessen Mittelpunkt zwei furchtbare Verbrechen stehen, zeitlich 23 Jahre voneinander getrennt. Bevölkert wird die Geschichte, neben den Tätern, von den betroffenen Menschen, der alten und aktuellen Tat, deren Schicksale miteinander verwoben sind. Konstruiert wirkender Krimi, der um eine erzählerisch dichte Atmosphäre, ebenso wie um dramaturgische Ausgewogenheit ringt.
Ein ganz besonders typisches Krimimerkmal ist, dass man oft bis zum Schluss Rätselraten darf, wer der Mörder sein könnte. Modernere Produktionen weichen allerdings dramaturgisch von diesem Moment immer öfter ab. Das hat allerlei Gründe: Sei es, um nicht immer den gleichen stereotypen Mustern bei der Ausgestaltung der Geschichte zu folgen, einfach um die Spannung auf den Aspekt des Kriegen sie ihn oder kriegen sie ihn nicht? zu verlegen oder um diffizilere Profile von den Verbrechern entwickeln zu können.
Gerade letzteres ist ein richtiger Trend geworden und zuweilen geht die Charakterisierung des Täters in eine Richtung, die ihn schlussendlich ebenfalls zum Opfer werden lässt: seiner Vergangenheit oder einer inneren Veranlagung wegen, der er nicht Herr ist. Diese Art "sympathy for the devil" geht aber vielen (durchaus nachvollziehbar) zu weit. Besonders wenn die Opfer Kinder sind, bekommt der Versuch, den Täter von seiner Tat zu trennen und ihn als innerlich zerrissenes Wesen zu zeichnen, das ebenso leidet, beinahe den üblichen Nachgeschmack einer Legitimation seiner Tat. Gewisse Ansätze solch einer Tendenz fanden sich bereits in This Is Love.
Das letzte Schweigen beginnt mit einem ganz furchtbaren Verbrechen im Jahr 1986. Die elfjährige Pia wird in einem Kornfeld, unweit von ihrem Zuhause, von zwei Männern überwältigt, vergewaltigt und ermordet. Genau genommen, vergeht sich nur einer der Männer an dem Mädchen, der andere bleibt die ganze Zeit über im Auto sitzen, unternimmt aber nichts, um dem schrecklichen Geschehen Einhalt zu gebieten. Den Körper des Mädchens entsorgten beide gemeinsam in einem See. Anschließend kehrte der "Unbeteiligte" seinem Kumpan den Rücken und Verschwindet ohne ein Wort. Er will mit alldem nichts mehr zu tun haben. Es gelingt ihm sogar, seine Vergangenheit komplett hinter sich zu lassen, ein normales Leben zu beginnen und eine Familie zu gründen. Die Polizei tappt im Dunkeln, die ermittelnden Beamten können den Fall nicht aufklären, die Akte verschwindet letztendlich im Archiv.
23 Jahre später ereignet sich genau an derselben Stelle ein Verbrechen mit identischen Vorzeichen. Die Polizei ist geneigt, das für einen immensen Zufall zu halten. Kein Serienkiller nimmt sein Tun über zwei Jahrzehnte später wieder auf und verhält sich in der Zwischenzeit derart still. Ein Trittbrettfahrer kann es auch nicht sein. Es ist schlichtweg zu lange her. Lediglich der inzwischen pensionierte Kommissar Krischan Mittich (Burghart Klaußner) und sein junger Kollege David Jahn (Sebastian Blomberg) sehen die Parallelen und nehmen die Ermittlungen unter Berücksichtigung des früheren Falles auf. Für jemand anders ist das neuerliche Verbrechen aber eine eindeutige Botschaft.
Das letzte Schweigen macht wenig Anstalten, viel im Unausgesprochenen zu lassen. Der Ablauf des Geschehens ist zu Beginn zwar etwas wirr - vermutlich der Versuch eine hypnotische Atmosphäre zu kreiern - es dauert aber nicht lange, und die meisten Unklarheiten haben sich verflüchtigt. Wenn dennoch etwas mysteriös bleibt, dann sind das einige der Motive verschiedener Charaktere. Zwar gibt sich der Film Mühe, Antworten parat zu haben und es insgesamt sinnig erscheinen zu lassen, doch stellt sich einmal mehr die Frage nach der Plausibilität der Herleitung: Zwei Pädophile geilen sich mit ein paar (Kinder)Pornos auf und fahren anschließend aufs Geratewohl durch die Gegend, bis sie sich spontan entschließen, über ein wildfremdes Mädchen herzufallen (dabei ist es eine traurige Gesetzmäßigkeit, dass bei solchen Gewaltverbrechen der Täter zu allermeist das Opfer im Voraus kannte). Nach der Tat ist der eine über das Geschehene aber derart schockiert, dass er aus der Gegend flüchtet, seinem Kumpanen für immer den Rücken kehrt und trotz seiner abartigen Veranlagung, gelingt es ihm ein persönliches Glück, mit Frau und Kindern aufzubauen (wenig glaubwürdig bei jemandem, in dessen Gefühlsleben Kinder eine andere Rolle als bei normal veranlagten Menschen spielen).
Wie zur Kompensation solcher Logikeinbrüche wurde - beispielsweise mittels des sehr eindringlichen Scores - versucht, die Handlung bedeutungsschwer und unheilschwanger erscheinen zu lassen. Allerdings begeben sich ins Zentrum der Tragik mit Wehemenz auch die Täter, was einen üblen Nachgeschmack hinterlässt. Das kalendarische Voranschreiten des Spannungsbogens, welches als Stilmittel gewählt wurde, soll überdies die Agonie bis zur finalen Auflösung vorantreiben, die aber schlussendlich mit nicht mehr aufzuwarten hat, als einer Plotpointe, die sich schon lange im Voraus ankündigte. In Zügen erinnert die Inszenierung dabei an Filme wie Zodiac - Die Spur des Killers und bedient sich gelegentlich sogar Stimmungselementen, die ans Mysteryfach erinnern, wie beispielsweise aus In Meinem Himmel. Die Figuren, mit denen Das letzte Schweigen bevölkert wird, gleichen hingegen eher einer kleinen Freakshow. Sympathiepreise würde kaum einer gewinnen: überwiegend zutiefst traumatisierte Menschen oder Personen, die von absonderlichen Affekten beherrscht werden, und schlussendlich: die krankhaft veranlagten Täter.
Die Darsteller gehen zugegebenermaßen völlig auf in ihren Figuren; vielleicht sogar zu sehr. Es stellt sich das Gefühl ein, als würde jeder regelrecht für sich wie manisch performen und nur seinen eigenen Part im Kopf haben. Als gäbe es einen extra Bonus für den, der alle seine Kollegen an die Wand spielt. Harmonisch oder inszenatorisch ausbalanciert wirkt das nicht, ganz im Gegenteil: zuweilen erscheint es regelrecht affektiert. Die etwas künstlich hergestellte Bedeutungsschwere erzeugt überdies Längen, die zwar mit allerlei weniger interessantem Nebengeschehen gefüllt werden, sich aber dennoch störend bemerkbar machen. Auf 90 Minuten gekürzt und etwas geradliniger erzählt, hätte der Film vermutlich noch das richtige Format für einen durchschnittlichen TV-Krimiabend gehabt. Im Kino wirkt diese Story aber leicht deplaziert.  Weitere interessante Filme
|
 |
 |
 |
 |
© 2012 MovieMaze.de |
 |
 |
 |
|