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Walhalla Rising

(Valhalla Rising, 2009)

Dt.Start: nicht bekannt
DVD: 05. November 2010
Premiere: 04. September 2009 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 16 Genre: Abenteuer
Länge: 93 min Land: Dänemark, UK
Darsteller: Mads Mikkelsen (One-Eye), Maarten Stevenson (Are), Jamie Sives (Gorm), Gary Lewis (Kare), Ewan Stewart (Eirik), Callum Mitchell (Pagan Viking Guard), Alexander Morton (Barde), Andrew Flanagan (Duggal), Douglas Russell (Olaf), Gary McCormack (Hauk), Gordon Brown (Hagen), Mathew Zajac (Malkolm), Stewart Porter (Kenneth), Robert Harrison (Roger), Rony Bridges (Magnus), James Ramsey (Gudmund)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Roy Jacobsen, Nicolas Winding Refn


Inhalt

Seine Narben und sein Wesen zeugen von seiner Vergangenheit. Erbarmungslose Kämpfe musste er bestreiten, um zu überleben. Doch One-Eye, wie er genannt wird, befreit sich schließlich von seinen Fesseln und übt Rache an den Männern, die ihn in gefangen hielten. Lediglich den jungen Are lässt er am Leben und begibt sich mit ihm und einer Gruppe christlicher Wikinger auf die Suche nach dem Heiligen Land. Dabei treibt sie das Schicksal immer tiefer in menschliche Abgründe und das Dunkel ihrer Seelen.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Walhalla Rising hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lars Schnell
Walhalla Rising hat eine Wertung von 70%
Durch die Brutalität des Trailers angeekelt, verliert Walhalla Rising schon im Vorfeld eine große Zuschauergruppe und ist somit auf eine kleine Anzahl experimentierfreudiger Filmfreunde angewiesen, die sich vermutlich in erster Linie ein erbarmungsloses Wikingerepos erhoffen. Wo jedoch noch im Teaser zu Recht die zarten Gemüter gewarnt werden, macht Walhalla Rising nach der ersten Stunde einen Bruch und geht ab von dem actiongeladenen und blutigen Konzept der ersten Hälfte - hinein in scheinbar tiefsinniges Gebaren inmitten der Walachei. Stellt sich für viele die Frage: Wo ist der Sinn geblieben?

Bild aus Walhalla Rising Selten durfte man als Zuschauer schon mit der ersten Minute eine solch dichte Atmosphäre wie in Walhalla Rising erleben. Der Wind pfeift durch die Täler, Wolken bedecken den Himmel und färben ihn grau. Nebel liegt über den Hügeln und kein Wort wird gesprochen. Die folgenden Bilder strotzen nur so vor Gewalt und Blut und dürften für den Ein oder Anderen nur schwer zu ertragen sein. Diese Schonungslosigkeit gegenüber dem Zuschauer stützt sowohl die kalte und bedrückende Atmosphäre, wie auch die charakterliche Tiefe - vor allem die des Hauptdarstellers Mads Mikkelsen in seiner Rolle als One-Eye. Dadurch erweckt der Film schon am Anfang den Eindruck, ein Meisterwerk zu sein. Der Regisseur setzt sich von dem täglichen Einerlei der amerikanischen Filmindustrie und somit auch von etwaigen Genre-Kollegen wie Der 13. Krieger oder Outlander ab, und kreiert eine für den Zuschauer bisher selten da gewesene, unglaublich greifbare Atmosphäre.

Nachdem also die Person One-Eye als erbarmungsloser und gezeichneter Krieger inmitten einsamer Hügelketten (gedreht wurde in Schottland) eingeführt wurde, beginnt das nächste Kapitel und One-Eye schafft es, sich aus seiner Gefangenschaft zu befreien. Hier macht der Film nun leider eine 180 Grad Wende und die Erwartungen des Zuschauers, die während der ersten zehn Minuten enorm hoch gesetzt wurden, finden keine Erfüllung. Während gewaltige Naturaufnahmen und spirituelle Handlungen im zweiten Teil dominieren, beginnt die Story immer undurchsichtiger zu werden. Es ist zwar schön anzusehen, wie die Normannen in den folgenden Bildern mit dem Boot durch eine Nebelwand fahren und schließlich auf dem erreichten Festland in langen Bildsequenzen auf der Suche nach Nahrung und Gottes Erbarmen umherstreifen, jedoch scheinen hier die Bilder einen zu großen, zu tiefen Sinn für sich beanspruchen zu wollen, der sich den meisten Zuschauern nicht erschließen dürfte. Eindrucksvolle Aufnahmen werden eindeutig vor die Handlung gestellt, und der rote Faden verheddert sich allzu oft in einem Wirrwarr aus meditativer Langeweile und kleineren Belanglosigkeiten, gespickt mit schönen Naturaufnahmen. Schwer fällt es, dieses Knäuel zu entwirren und sich an dem Stückchen rot festzuklammern, welches im letzten fünftel des Films wieder aufzublitzen scheint.

Zwischen den einzelnen Kapiteleinblendungen gibt es auch immer wieder rotstichige Traumsequenzen, in denen One-Eye mit seinem eigenen Ich konfrontiert wird. Selbige lassen den Zuschauer jedoch fragend zurück und während der Film sich nach gefühlten zwei Stunden schließlich ruhig dem Ende nähert, lässt sich selbiges mit nur einem Wort beschreiben: Enttäuschend. Der abrupte Abbruch wird der vergangenen Zeit nicht gerecht und entschädigt weder für die zwischenzeitlichen Dümpeleien, noch für die wider Erwarten weiterhin ungeklärten Fragen über One-Eyes Charakter. So erfährt der Zuschauer weder, woher One-Eye stammt, noch wie er in Gefangenschaft geriet. Wobei an dieser Stelle natürlich hervorzuheben ist, dass One-Eye stumm ist und kaum Möglichkeiten besitzt, seine Vergangenheit darzustellen, noch besonders erpicht darauf sein dürfte, den anderen Wikingern davon zu erzählen. So muss sich der Zuschauer letztendlich mit der Aussage des Jungen begnügen, One-Eye käme direkt aus der Hölle. Ein Satz, der die christianisierten Wikinger in Angst und Schrecken versetzt.

In keinster Weise zu verkennen ist aber letztendlich, dass es sich bei Walhalla Rising um authentisches Wikingerkino handelt. So lässt sich festhalten, dass der Film auf Grund fehlender Basis einer Hollywood-Finanzspritze vergleichsweise unbeeinflusst vom etwaigen Kassenerfolg produziert wurde, und durch Atmosphäre und Charaktere bedingt, einer der wenigen historisch ernster zu nehmenden Wikingerfilme zu sein scheint. Diese Tatsache hebt den Film trotz einiger Schwächen vor allem für ein Publikum abseits des Mainstreams über das Mittelmaß hinaus, und die kraftvollen Momente der ersten, aber auch stellenweise der zweiten Hälfte, ergreifen den Zuschauer und lassen ihn nicht mehr los. Verzeiht man dem Drehbuch einige Schwächen, bietet Walhalla Rising atemberaubende Aufnahmen und tiefe Charaktere - es hätte am Ende jedoch um einiges mehr "Butter bei die Fische" bedurft, für ein allseits anerkanntes Meisterwerk.



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