La Bête - Die Bestie Poster

Film-Seite zu La Bête - Die Bestie
Poster zu La Bête - Die Bestie
PDF zu La Bête - Die Bestie

La Bête - Die Bestie

(La Bête, 1975)

Dt.Start: 06. Februar 1981
DVD: 14. August 2009
Premiere: Januar 1975 (Festival, Frankreich)
FSK: ab 18 Genre: Fantasy, Horror
Länge: 93 min Land: Frankreich
Darsteller: Lisbeth Hummel (Lucy Broadhurst), Pierre Benedetti (Mathurin de l'Esperance), Sirpa Lane (Romilda de l'Esperance), Elisabeth Kaza (Virginia Broadhurst), Guy Tréjan (Pierre de l'Esperance), Roland Armontel (Priester), Marcel Dalio (Duc Rammendelo De Balo), Robert Capia (Roberto Capia), Pascale Rivault (Clarisse De l'Esperance), Hassane Fall (Ifany), Anna Baldaccini (Théodore), Thierry Bourdon (Modeste), Mathieu Rivollier, Julien Hanany, Marie Testanière (Marie)
Regie: Walerian Borowczyk
Drehbuch: Walerian Borowczyk


Inhalt

Mathurin soll die amerikanische Unternehmerstochter Lucy heiraten, um den Ruin seines Adelsgeschlechts abzuwenden. Doch da sich die Heirat zwischen den beiden hinauszögert, soll zuvor eine Nacht stehen, in der Lucy einen Alptraum durchlebt. Dieser soll aufgrund eines mysteriösen Fluchs, der auf dem Adelsgeschlecht lastet, tödliche Konsequenzen nach sich ziehen.
Shopping-Box
DVDs zu La Bête - Die Bestie Amazon-Shop
zum Film
Merchandising zu La Bête - Die Bestie Poster & Merchandise
zum Film
La Bête - Die Bestie bei eBay Artikel bei eBay
zum Film
La Bête - Die Bestie bei Billiger.de Preisvergleich
für den Film

Durchschnittliche Redaktionswertung

La Bête - Die Bestie hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 75%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Lutz Granert
La Bête - Die Bestie hat eine Wertung von 75%
Walerian Borowczyks umstrittenes Werk La Bête - Die Bestie, eine Erwachsenen-Version von Die Schöne und das Biest, welche die Triebhaftigkeit des Menschen transzendiert, lebt weniger von seiner etwas behäbigen Inszenierung, mehr von seinen Symbolen und Analogien. Das Ergebnis: Ein provokantes Erotikdrama mit Tiefgang.

Bild aus La Bête - Die Bestie Obwohl der Mensch sich selbst gern als autonomes Lebewesen betrachtet, sind seine Wurzeln im Tierreich unverkennbar. Einzig die Vernunft dient ihm als Instrument, seine Instinkte zu kontrollieren und ihnen zu widerstehen. Der am meisten ausgeprägte unter ihnen ist dabei der Fortpflanzungstrieb. Sexualität dient der Arterhaltung, ist Inbegriff von jener Natur, von der sich der Mensch als denkendes Wesen gern ablösen würde. In Walerian Borowczyks Film La Bête - Die Bestie hat die Natur gesiegt, ist die Sexualität allgegenwärtig.

Am deutlichsten tritt dabei der Widerspruch zwischen Sein und Sollen, Ausleben der sexuellen Lust und tugendhafter Enthaltsamkeit, in der Person eines katholischen Priesters zu Tage, der in einem bedeutenden Dialog den ontologischen Zustand des Menschen als dem Naturgesetz unterliegenden Geschöpf bezeichnet. Es wundert in diesem Zusammenhang nicht, dass er ein pädophiles Verhältnis zu seinen Messdienern im Knabenalter unterhält. Doch während dabei die beiden Spezies Mensch und Tier noch deutlich voneinander getrennt sind, sich das Begehren nur auf die eigene Art ohne die Thematisierung der Wurzeln des Menschen im Tierreich richtet, wird diese Grenze alsbald aufgeweicht: Durch das Unbewusste der Psyche, welches sich im Realen manifestiert.

Wenn die amerikanische Millionenerbin Lucy (Lisbeth Hummel) bei ihrer Ankunft auf dem französischen Schloss, wo sie den ominösen Mathurin (Pierre Benedetti) von einem verarmten Adelsgeschlecht ehelichen soll, der Paarung zweier Pferde zusieht, so projiziert sie diesen animalischen Vorgang auf sich selbst und Mathurin. Dies offenbart sich bei ihrer späteren Masturbation zu Fotografien dieser Paarung. Das eigentliche Ausleben ihrer instinktgesteuerten Libido geschieht jedoch in einem nächtlichen Traum von Lucy, wenn eine Ahnin von Mathurin von einer Bestie durch den Wald verfolgt wird. Zunächst läuft sie vor der lüsternen Bestie davon, dann wird sie von ihr vergewaltigt und schließlich treibt diese Frau mit dem Attribut der Lämmerhirtin durch ihre unersättliche Wollust die Bestie durch eine Quasi-Kastration in den Tod. Diese Traumsequenz hat auch tödliche Konsequenzen für das Reale: Mathurin, eine Kreuzung aus Mensch und Tier, welcher dem Fluch der Familie erlegen ist, ist am nächsten Morgen tot.

An sich wäre La Bête - Die Bestie um diese berüchtigte Traumszene herum, die ursprünglich eine Episode von Borowczyks Unmoralische Geschichten (1974) werden sollte, eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Es geht um eine Heirat, das Fehlen des Segens eines Kardinals und die mit der Traumsequenz in Verbindung stehende Vergangenheit des französischen Adelsgeschlechts - in kammerspielartiger Inszenierung mit zum Teil zähen Dialogen. Doch lud Borowczyk die dazugehörigen Bilder mit allerlei Sexualsymbolik auf, welche die Thematik des Films - das zum Scheitern verurteilte Verleugnen des Menschen gegenüber seiner tierischen, instinktgesteuerten Natur - aufgreift. So erhalten Schnecken (viele Arten sind Zwitter) Einzug in das Herrenhaus, auch als kulinarisches Highlight, und jede Figur im Film geht ihrem Sexualtrieb nach, wobei die Bandbreite vom schnöden Sex, über Perversionen wie Pädophilie, Voyeurismus und pathologischem Frauenhass reicht. Gleichzeitig regiert der Koitus interruptus: Der Geschlechtsakt wird nie zuende geführt, die Kopulation von Diener und Tochter des Hauses wiederholt unterbrochen. Die weibliche Lust bleibt aufgestaut, unterdrückt und wartet darauf, gleich einer unzähmbaren Bestie orgastisch loszubrechen - was aber erst im finalen Traum, gleich einer sexuellen Emanzipation, passiert. Dann verschmelzen Bestie und Mensch, das triebhafte Es und das Ich miteinander, wird die Natur wieder zusammengeführt, nachdem sie zuvor durch Spiegelungen und aufgesetzte Romantik (Brief mit Rose - dazu später mehr) künstlich getrennt wurde.

Allgegenwärtig in der Inneneinrichtung des Chateaus: entlarvende Gemälde und die mit sexueller Lust konnotierte Farbe Rot, welche ebenso auf die Bedrohung hinweist, die von dieser Lust ausgehen kann. Die Entjungferung und Entfesselung der Begierde von Lucy findet dabei mit einer Rose statt: Der stachelige Stiel als Symbol wilder, unzähmbarer Natur, die Blüte als Symbol für die Fortpflanzung, die Lust des Fleisches. Diese Lust des Fleisches erhält im Traum seine sexualsymbolische Entsprechung im Fressen des Fleisches, der Einverleibung von selbigem durch die Bestie. Lucy wird den Kampf mit der Bestie gewinnen, indem sie sich ein Teil von ihr (Penis) vaginal einverleibt.

La Bête - Die Bestie ist trotz seiner reißerischen Ingredienzien sinnlich, trotz seiner Brutalität künstlerisch. Diese außergewöhnliche Studie um den Trieb des Menschen ist zwar kein metaphysischer Geniestreich, wohl aber ein in seiner Direktheit im doppelten Wortsinn eindringliches Kunstwerk an der Grenze zur Pornografie, welches einzigartig ist. Nach einer bewegten Zensurgeschichte des Films in Deutschland, der erst sechs Jahre nach seiner Frankreichpremiere stark geschnitten in den Kinos lief, im September 1984 von der BPjM auf den Index gesetzt und erst 2009 wieder rehabilitiert wurde, hat der Film nun (ungeschnitten) eine mustergültige DVD-Veröffentlichung vom Label Bildstörung erfahren. Chapeau!



Weitere interessante Filme


Leider haben wir derzeit keine Vorschläge zu diesem Film.
Film vorschlagen

 

© 2012 MovieMaze.de