Wer in einen Film mit Tom Gerhardt geht, der sollte im Vorfeld wissen, was ihn erwartet. Wer jedoch von dem Schaffenswerk des Comedians angetan ist, den unterirdischen Siegfried natürlich ausgenommen, und sich schon bei den Vorgängern Voll normaaal und Ballermann 6 amüsieren konnte, der wird hier mit Ausnahme eines geschmacklosen Konzerts durchaus einen unterhaltsamen Abend verbringen können.
Sobald ein Produzent meint, einem Comedian die Möglichkeit zu geben auf der großen Leinwand sein komödiantisches Talent zu präsentieren, werden von den meisten Filmkritikern schon die Messer zum Verriss gewetzt. Folgerichtig und aus Angst, dass es dem dritten Teil der Köln-Kalk Trilogie ähnlich ergehen würde, wurde der Film der Presse im Vorfeld gar nicht erst gezeigt. Doch viele übersehen das zweischneidige Schwert, denn gerade Comedians haben meist nur ein sehr eingeschränktes bestimmtes Zielpublikum und gleiches gilt natürlich für deren filmischen Ausflüge. Folgerichtig ernten diese Filme in der Kritik viele Verrisse, da besonders in diesem Feld das Zielpublikum nicht unter den meisten Filmkritikern zu suchen ist; und seien wir mal ehrlich Die Superbullen sind sicherlich nicht so schlecht, wie sie im Vorfeld von den Medien gemacht wurden.
Panik in Köln! Maskottchen und Glücksbringer Hennes wurde dem 1. FC Köln gestohlen! Ein Unding denken auch die Polizisten Tommy und Mario. Doch sie haben schnell einen Schuldigen gefunden; steht doch nächste Woche das schwere Pokalheimspiel gegen München an. Den beiden Volltrotteln ist natürlich klar, wer hinter dem Ganzen steckt: Rummenigge, Hoeneß und vor allen Dingen Beckenbauer! Kurzerhand zieht es die beiden nach München, um die Gesetzesbrecher zur Strecke zu bringen und Hennes rechtzeitig zum Pokalspiel wieder nach Köln zu bringen. Und dann stellt sich natürlich immer noch die elementare Frage des Filmes: Wie kamen diese beiden Vollidioten eigentlich zur Polizei.
Der Film beginnt eigentlich recht vielversprechend, parodiert der Film sich und sein Publikum in der durchaus gelungenen Eröffnungssequenz selbst, indem er den Zuschauer mit dem Zielpublikum von Trash-TV und Call In Shows gleichsetzt. Leider kann dieses Niveau nicht durchweg gehalten werden und gerade zu Beginn muss der Zuschauer mit einer überaus geschmacklosen und nicht wirklich lustigen Szene kämpfen, in der unsere Titelfiguren mit dem Darm eines OP-Patienten spielen und Dinge mit ihm anstellen, die man besser gar nicht erst niederschreiben sollte. Doch hat man diesen Tiefpunkt des Filmes erst einmal überstanden, bekommt der Zuschauer eine durchaus amüsante Kalauerparade geboten, die die Fans der ersten beiden Teile durchaus unterhalten dürfte. Highlights hier sicherlich das Aufeinandertreffen der Chaoscops mit dem Kaiser himself, das schwäbelnde SEK-Team sowie die Darstellung eines klassischen Pornodrehs.
Was den Film jedoch von seinen Genrekollegen positiv abhebt sind seine liebgewonnenen Charaktere. Man freut sich von der ersten Minute, Tommy und Mario wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Dies ist auch der Grund warum Die Superbullen im Vergleich zu Tom Gerhardts unsäglichen letzten Kinoabenteuer Siegfried funktioniert: Man hat mit den Superbullen einfach zwei Charaktere, über die und vor allen Dingen mit denen man sich amüsieren kann. Dass das Ganze dann auch noch mit vielen Zitaten aus den Vorgängerfilmen spielt und das Ende sogar eine recht amüsante Auflösung zu bieten hat, ist natürlich auch nicht verkehrt.
Dass der Kölner Proll zu Tom Gerhardts Stand Up Routine gehört und er diesen aus dem FF beherrscht, ist bekannt. Dennoch muss er trotz guter Darbietung einmal mehr hinter seinem Filmpartner Hilmi Sözer zurückstecken. Der talentierte Schauspieler gewinnt vor allen Dingen dadurch, seinen naiven Italiener auf liebenswürdige Art und Weise anzulegen und hat somit schnell die Sympathien auf seiner Seite. Das durchaus prominent besetzte Nebencast um Axel Stein und Thomas Fritsch darf im Gegensatz dazu nur die zweite Geige spielen, während zumindest die Gastauftritte von Matze Knop und Götz Otto für einige amüsante Momente sorgen können.
Auch wenn der Film die breite Masse sicherlich nicht ansprechen wird und wie schon eingangs erwähnt, ein sehr limitiertes Zielpublikum hat: Trotz durchaus vorhandener Abnutzungserscheinungen macht es auch im dritten Anlauf durchaus Spaß, dem Duo Gerhardt/Sözer beim Albern auf der Leinwand zuzusehen und wird Freunde der Vorgänger sicherlich nicht enttäuschen. Und wer kann schon einem Film böse sein, in dem sich über Fans von Schalke 04 ausgelassen wird und dessen Grundstory sich darum dreht, München aus dem Pokal zu werfen.