2008 inszenierte Regisseur Benoit Delépine gemeinsam mit Gustave de Kervern die schwarzhumorige Komödie Louise Hires a Contract Killer. Sein aktuelles Werk ist dagegen mehr eine Tragikomödie, oder vielmehr ein Roadmovie mit tragischen Elementen. Die Hauptfigur, bestens besetzt mit Gérard Depardieu, präsentiert sich uns als unansehnlicher, dicker Mann mit langem, fettigem Haar. Seine Frau ist ebenfalls nicht mit Schönheit gesegnet und weiß durch ihren unfreundlichen Umgangston zu bezaubern.
Mammuth arbeitet in einem Schlachthof. Es ist sein letzter Arbeitstag vor der Pensionierung. Niemals ist er arbeitslos gewesen und niemals krank, immer hatte er einen Job. Der Beginn des Rentnerdaseins verläuft jedoch anders, als gedacht. Die Pensionskasse fordert von ihm Nachweise über sein Arbeitsleben, Nachweise, die er nicht besitzt. Seine Frau Catherine drängt ihn aufgrund der knappen Haushaltskasse schließlich dazu, die Belege zusammen zu sammeln. Dafür besteigt der korpulente Rentner sein altes Motorrad und begibt sich auf eine Reise quer durch das Land.
Dabei macht er nicht nur ehemalige Arbeitgeber ausfindig, sondern trifft auch auf alte Freunde und vergessene Verwandte. Zugleich wird er an seine erste große Liebe Yasmine erinnert, die er bei einem Motorradunfall verloren hat. Ein Besuch bei seinem Bruder führt dazu, dass er seine junge Nichte kennenlernt, die in ihm durch ihre naive Kunst eine völlig unbekannte Seite weckt. Mammuth wird zum Dichter.
Es ist eine sentimentale Geschichte, die der Film erzählen wird. Das Schicksal der Pensionierung, stets herbeigesehnt und dann doch schwer umsetzbar, macht auch Mammuth zu schaffen. Was soll er mit all seiner Freizeit anfangen? Der Besuch des Supermarktes endet in einem Desaster, bei handwerklichen Tätigkeiten im eigenen Heim scheitert er kläglich. Da kommt es ihm gerade recht, dass er keinerlei Belege über sein langes Arbeitsleben vorweisen kann. Herrlich ist es ihm dabei zuzusehen, wie er, anfangs noch recht grimmig, zusehends Freude an seinem Motorradtrip bekommt. Fast kann man die Freiheit und Sorglosigkeit spüren, die Mammuth ins Gesicht geschrieben steht.
Er trifft auf seiner Fahrt viele Menschen wieder, die er längst vergessen hat. Eben diese Begegnungen sind es, mit denen der Film stets Abwechslung bieten kann, durch die sich viele amüsante Szenen entwickeln. Sei es der Männersex mit dem Cousin oder die Begegnung mit der merkwürdigen Nichte Miss Ming. Immer wieder erlebt Mammuth kleine Flashbacks in seine Vergangenheit und wird an seine erste große Liebe Yasmine erinnert, die er bei einem Unfall mit seinem Motorrad, verloren hat. Diese Erinnerungen werden in groben Rückblenden gezeigt, wie mit der Handkamera aufgenommen. Letztlich erfährt sein Charakter eine Wendung. Der dicke, unansehnliche Mann lernt, dass er auch sehr positive Seiten hat und entdeckt zudem den Dichter in sich.
Mammuth ist ein wunderbarer Roadtrip, eine Reise in die Vergangenheit, angesiedelt in einem zum Teil geschmacklos treffend gezeichneten Arbeitermilieu. Situationskomik und schwarzer Humor, gepaart mit gutem Schauspiel lockern die teilweise sentimentale Geschichte auf und machen Spaß beim Zusehen.