Mit schöner Regelmäßigkeit schwappen Komödien aus Übersee zu uns herüber, die - wenn schon keinen satirischen - zumindest einen ironischen Blick in und aufs Mediengeschehen wagen. In dem erstaunlich gut besetzten Morning Glory versucht sich die junge, engagierte und attraktive Fernsehproduzentin Becky Fuller (Rachel McAdams) als aufstrebendes Talent der Executive Producer (eine Art Universal-Organisations-Kindermädchen-Hausmeister-Feuerwehr) bei einer New Yorker Morning-Show. Die neue Karriere muss aber, wie Beckys Leben, einige Hürden nehmen. Durchschnittliche Bespaßung, die von der Besetzung lebt und bei einem DVD-Abend schmerzfrei konsumiert werden darf.
Obwohl sie sich für den Sender regelrecht den "Arsch aufriss" und den Rücken krumm buckelte, wird Becky Fuller (Rachel McAdams) in ihrem Job als Produzentin einer regionalen Morning-Show von einem weitaus erfahreneren Konkurrenten verdrängt. Die Bewerbungen, die sie anschließend zuhauf in die Welt hinaus schickt, bleiben lange erfolglos. Bis sie überraschend eine telefonische Einladung nach New York von Jerry Barnes (Jeff Goldblum) erhält. Barnes ist eines der Schwergewichte, der New Yorker Fernsehlandschaft. Nach anfänglichem Zögern im Bewerbungsgespräch entschließt er sich Becky eine Chance als Produzentin der bekannten Morning-Show Daybreak zu geben, obwohl er sie eigentlich für zu unerfahren hält.
Für Becky ist das die Chance ihres Lebens. Nachdem sie quasi über Nacht aus der Provinz an den Big Apple zieht, muss sie auch gleich die erste berufliche Hürde nehmen: Sie braucht unbedingt noch einen Moderator, der an der Seite von Colleen Peck (Diane Keaton), einer überaus erfahrenen Boulevard-Talkerin, durch die Sendung führt. Den ursprünglichen hatte sie wegen seines unverhohlen sexistischen Verhaltens gleich bei der ersten Team-Besprechung gefeuert. Ihre Wahl fällt auf Mike Pomeroy (Harrison Ford), einen einstmals hoch angesehenen investigativen Journalisten, der inzwischen auf dem Abstellgleis gelandet ist; immer noch aber einen Vertrag mit dem Sender hat - und damit nicht wirklich nein sagen kann - obwohl er Brechreiz bei dem Gedanken verspürt, dass er bei solch einem seichten Format mitmachen muss.
Neurotisch und überdreht, aber auch zum Knuddeln ist die Filmfigur von Rachel McAdams angelegt, die noch vor nicht allzu langer Zeit an der Seite von Russel Crowe in State of Play - Der Stand der Dinge als toughe Journalistin zu sehen war. In Morning Glory hat sie hingegen einiges von einem Bauerntrampel, der in die große Metropole kam und nun jeden Tag kurz vor dem nervlichen Kollaps steht. Im Wesentlichen beschränkt sich ihre Rolle darauf, wie ein aufgescheuchtes Karnickel hin-und-her-zu-huschen, ständig darauf bedacht, dass Kleidung und Frisur optimal sitzen (ehrlich: selten sah man eine Frau in einem Film, sich derart oft ihr Pony zurechtrücken) und wenn's zu arg wird, mit dem Kopf gegen die Wand zu wummern. Allerdings entschädigen zuweilen einige Moment, in denen sie hosenfrei im feinem Spitzenslip durchs Bild hüpft.
Die schrille und selten wirklich komische Show zu retten, obliegt aber Harrison Ford, der - obwohl recht zurückgenommen agierend - immer noch das Feld dominiert. Er gibt geradezu herrlich den griesgrämig-zynischen Misanthropen, der als ehemaliger Pulitzer-Preisträger auf alle und jeden herabblickt. Das betrifft im Besonderen seine Ko-Moderatorin, die er bei jeder Gelegenheit auszustechen versucht. Tatsächlich gelingt das Ford weitaus besser als seiner Filmfigur. Keaton bleibt in Morning Gloryerstaunlich blass - ganz anders als man sie vielleicht noch an der Seite von Jack Nicholson in Erinnerung hatte, in Was das Herz begehrt. Hoffentlich rettet Ford einiges aus der Figur dieses schlechtgelaunten Zynikers in den nächsten Indiana Jones-Film, das würde Indy auf seine alten Tage ein paar neue Charakteristika verleihen und ihn durchaus menschlicher machen. Akzente setzt überdies noch Jeff Goldblum, dessen Karriere sich nach dem, in Arthouse-Kreisen durchaus beachteten, Ein Leben für ein Leben - Adam Resurrected ins TV verlagerte, wo er in den letzten Staffeln von Criminal Intent mitwirkte.
In der Schlussabrechnung ist Morning Glory ein Film, der keinem ernstlich weh tut. Er hat keinen wirklichen Biss und dümpelt als Komödie dahin, die einige Einblicke in den überdrehten Alltag des amerikanischen TV-Produzenten-Alltags gewährt. Die üblichen Klischees werden erfüllt; so auch, dass es diesen Arbeitstieren eigentlich unmöglich ist, eine Beziehung zu führen. Von einer im Prinzip programmatischen Romanze wird man dennoch nicht gänzlich verschont - wenn sie glücklicherweise aber eher beiläufig verläuft und somit nur vergleichsweise wenig Raum beansprucht.
Trotz gelegentlich brauchbarer komödiantischer Einlagen und einer kratzbürstigen Dynamik zwischen Ford und Keaton, die deutlich mehr hätte ausgebaut werden müssen, verflacht die harmlose Bespaßung gegen Ende aber zusehends und driftet schlussendlich ins stereotyp-kitschige ab, was dem Film ein paar zusätzliche Abzüge in der Schlussabrechnung beschert. Bleibt zu sagen: Auch wenn's keinem ernstlich weh tut, im Kino haben muss man so etwas nicht unbedingt - auch wenn der Cast wirklich sehenswert ist.