In Zeiten epidemisch grassierender Teenieband-Hysterien war es längst an der Zeit, dem kreischigen Phänomen auf den Grund zu gehen. Nachdem der kurz zuvor startende Männertrip bitter-böse Einblicke über das Karriere-Ende abgehalfterter Rock-Idole gewährte, ist es an Groupies bleiben nicht zum Frühstück, die unschuldigen Anfänge des Aufstiegs späterer Stars zu beleuchten, aber bereits dort auch die Schattenseiten des Business aufzuzeigen. Die Dramaseite ist dennoch mehr Mittel zum Zweck. Im Mittelpunkt steht selbstredend eine Teenie-Romanze, die diesmal weitgehend frei von den üblichen Plattitüden bleibt und erfreulich unverbraucht rüberkommt.
Lila (Anna Fischer) ist gerade von ihrem einjährigen Südamerika-Aufenthalt zurück in Deutschland. Nach einem Jahr in Übersee muss sich die lebenslustige, angehende Abiturientin erst mal wieder in ihrer Heimatstadt Berlin zurechtfinden. Indes ist viel passiert: Ihre Mutter, die nach dem Tod von Lilas Vater lange Zeit allein war, hat endlich wieder einen Partner. Und zwar einen deutlich jüngeren; den muss Lila zunächst mal auf Herz und Nieren prüfen. Lilas (Ex-)Freund hingegen hatte sich gleich nachdem sie weg war mit einer anderen getröstet, darüber ist Lila aber glücklicherweise längst hinweg.
Am nervigsten allerdings, dass ganz Berlin in einer Art kollektiven Wahnsinn verfallen scheint; zumindest alle schwer pubertierenden weiblichen Teens, wie beispielsweise Lilas jüngere Schwester Luzy. Auslöser dieses Hypes ist der Rising-Star am Musikhimmel, die Teenie-Band Berlin Mitte, die kurz vor ihrem internationalen Durchbruch steht. Dem charismatischen Bandleader Chriz (Kostja Ullmann) fliegen die Herzen seiner weiblichen Fans nur so zu. Was die wahre Liebe angeht, muss dieser aber abstinent bleiben. Das gehört zum Vertrag, denn als Single ist das Teenie-Idol weitaus besser vermarktbar.
Durch einen merkwürdigen Zufall lernt Lila genau diesen umjubelten Star kennen, ohne die geringste Ahnung zu haben, wer er eigentlich ist. Auf jeden Fall findet sie ihn aber äußerst anziehend und Chriz geht die Holde ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf. Besonders die Tatsache, dass sie sich für ihn als Menschen interessiert, imponiert ihm. Lange kann er seine wahre Identität nicht geheim halten. Wann immer sie nun zusammen sein wollen, müssen sie ein riskantes Katz-und-Maus-Spiel mit den Paparazzi treiben, die nur auf eine Gelegenheit lauern. Das Glück der beiden ist ungewiss. Im Show-Business scheint eben kein Platz für echte Gefühle.
Im Stile kecker französischer 80er-Jahre Romantik-Dramödien präsentiert Groupies bleiben nicht zum Frühstück mit Anna Fischer eine weibliche Protagonisten, die erfrischend natürlich ist und nicht, wie sooft, wie ein geschniegeltes und glattpoliertes Modepüppchen aussieht. Vielleicht nicht ebenso frech-frivol, wie die geistigen Ahnen, gelingt es dem Film erstaunlich viel Charme und ein angenehmes Flair zu entfalten. Dazu tragen sowohl die Darsteller ihr Quäntchen bei, als auch das Berliner Lokalkolorit und die eingängigen Songtexte - wenn man sich diesbezüglich auch berechtigter Weise fragen darf, warum eine Band, die Britpop-Light trällert, ausgerechnet Berlin Mitte heißen muss.
Zu den heimlichen Stars des Films avancieren Lilas kleine Schwester Luzy, von Amber Bongard verkörpert, und Chriz' Bodygard Horst, gegeben von Michael Keseroglu. Die beiden sorgen als verzückt-verknallter Kreischgroupie und cooler Muskelmann für einige humorige Einlagen, ohne die dem Film deutlich etwas fehlen würde. Dabei ist die Geschichte im Kern nicht mehr, als die alte Boy-Meets-Girl-Story, die immer wieder funktioniert. Bereichert wird dieses klassische Motiv durch eine kleine Cinderella-Anleihe, die aber genau genommen auf den Kopf gestellt wird: nicht die übliche Pretty Woman-Platte wird aufgelegt, diesmal ist es der Star, der in einem "normalen Leben" etwas findet, das ihm Glitzer und Glamour nicht bieten können. Die Frage ist, ob er auch bereit sein wird, auf etwas zu verzichten, um sich dieses Glück zu verdienen?
Drama, Drama und nochmals Drama. Mehr als einmal wirbelt das Schicksal die beiden Protagonisten auseinander und wieder zusammen. Überdies gelingt es Groupies bleiben nicht zum Frühstück derart viele Enden zu fabrizieren, dass man final wirklich nicht mehr sicher ist, ob nun wirklich der Steifen am Schluss angelangt ist - Happy End oder auch nicht!? Das alles wird aber mit derart viel Humor, Augenzwinkern und einer ordentlichen Portion Sidekicks in Richtung hysterischen Starrummels nonchalant serviert, dass man dem Film grundsätzlich nicht böse sein kann. Unterm Strich ist es ein gelungenes Feel-Good-Movie mit Darstellern, die gegen den sonstigen Zeitgeist mehr sind, als reine Projektionsflächen und einer Geschichte, bei der man zwar einige sehr simple Wendungen hinnehmen muss, die aber ans Herz geht.