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Amer

(Amer, 2009)

Dt.Start: 19. Januar 2012 Premiere: 23. September 2009 (Festival, Schweden)
FSK: ab 16 Genre: Horror, Thriller
Länge: 89 min Land: Frankreich, Belgien
Darsteller: Marie Bos, Delphine Brual, Harry Cleven, Bianca Maria D'Amato, Cassandra Forêt, Charlotte Eugène Guibeaud, Bernard Marbaix, Jean-Michel Vovk
Regie: Hélène Cattet & Bruno Forzani
Drehbuch: Hélène Cattet & Bruno Forzani


Inhalt

Ana ist eine junge französische Frau. Rückblickend erfuhr sie in ihrem Leben drei entscheidende Erlebnisse, an denen sie gewachsen oder durch die sie auf immer traumatisiert wurde. Drei Momente aus ihrer Kindheit, ihrer Jugendzeit und ihrem Erwachsenenleben.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Amer hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 90%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Markus Müller
Amer hat eine Wertung von 90%
Amer ist ganz großes Kunstkino und liebevolle Hommage an den italienischen Giallo zugleich. Durch die brillante filmische Umsetzung, die ihren innovativen Charakter besonders durch das exzessive Spiel von Licht und Farbe, extremen Kameraeinstellungen und dem genialen Score erhält, wird dieses Spielfilmdebüt zu einem großartigen Rausch. Auch wenn die Story leider im Mittelteil etwas an Fahrt verliert und viele Zuschauer keinen Zugang zu diesem surrealen Werk finden werden, handelt es sich bei Amer um eine Ausnahmeerscheinung, die in dieser Form ihres Gleichen sucht. Ein unvergesslicher Trip!

Bild aus Amer Das Spielfilmdebüt der jungen französischen Filmemacher Hélène Cattet und Bruno Forzani ist eine grandiose, surreale Hommage an den Giallo. Dieses Subgenre des Thrillers hat seinen Ursprung im Italien der 60er Jahre, wobei seine Einflüsse bis in die im vorigen Jahrzehnt populären deutschen Krimis reichen. In den 70ern hatte der Giallo seinen Höhepunkt bevor er schließlich ein wenig in Vergessenheit geriet. Dreh- und Angelpunkt der Handlungen ist in der Regel die Aufdeckung von Morden, wobei in den detaillierten Mordszenen besonders auf eine stil- und anspruchsvolle Umsetzung Wert gelegt wird. Amer konzentriert sich im Wesentlichen auf diese Ästhetik und erzählt surreal und mit wenig Worten, aber viel Atmosphäre, drei Abschnitte aus dem Leben der Hauptdarstellerin Ana.

Das erste Drittel weißt, im Gegensatz zum Rest des Filmes, eine verhältnismäßig logisch nachvollziehbare Narration auf. Der Zuschauer wird Zeuge der unheimlichen Vorkommnisse im düsteren Kindheitshaus Anas und wird gleichzeitig wieder mit all seinen vergessen geglaubten Kindheitsängsten konfrontiert. Jede Furcht, die man im einstelligen Alter jemals bei Dunkelheit und in seinen schlimmsten Alpträumen gefühlt hat, wird in diesem grandiosen ersten Teil des Filmes wieder spürbar. Der Zuschauer wird in das extrem dichte Geschehen hineingezogen und vergisst das Kino, in dem er sitzt. Es gibt nur noch den eigenen flau spürbaren Bauch und die Leinwand, die sich von ihrer unbarmherzigsten Seite zeigt und einem die düster dunkelbunten Bilder durch die Iris direkt ins Hirn prügelt.

Nach diesem Einstieg, der ein wenig wie eine Mischung aus Pan's Labyrinth und den surrealen Filmtrips eines Alejandro Jodorowsky (Der heilige Berg) anmutet, hat man das Gefühl, ein absolutes Meisterwerk zu sehen und es mit einem perfekten Filmerlebnis zu tun zu haben, von dem man vielleicht noch seinen Kindern erzählen wird. Doch leider erfährt Amer im Mittelteil einen deutlichen Dämpfer. Zu undefinierbar und zu belanglos wirken die nur schwer in einen Kontext setzbaren Bildkollagen. Zwar sind auch diese optisch aufreizend und stylish, doch bereut man ein wenig, aus dem fabelhaften Alptraum gerissen worden zu sein, in den man sich doch gerade noch auf diese wunderbar unerklärliche Weise verliebt hatte.

Nachdem dem Zuschauer in leicht erotisierten Bildern nun auch Anas Jugend näher gebracht wurde (oder eben auch nicht), wird man im letzten finalen Akt Zeuge von Anas Rückkehr zum sicherlich traumabehafteten Elternhaus. In diesem findet sich schließlich auch die deutlichste und auch für den Giallo-Laien noch am ehesten erkennbare Hommage an das große italienische Filmgenre. Denn der Film fährt hier zunehmend mit Thriller- und Horrorelementen auf und dreht ein wenig an der Gewaltschraube, ohne es dabei zu übertreiben oder seinen innovativen Stil auch nur eine Sekunde aus dem im Film omnipräsenten, sprichwörtlichen Auge zu verlieren. Ganz besonders in diesem letzten Drittel offenbart sich auch die enorme Detailverliebtheit der Macher, was sich speziell im extravaganten Sounddesign und in den künstlerisch wertvollen Kameraperspektiven zeigt.

Man könnte nahezu endlos über die Schönheit dieses Werkes schreiben, ohne ihm auch nur im Geringsten gerecht zu werden. Besonders faszinierend ist, wie ein Film, in dem über die gesamte Spieldauer höchstens zehn Sätze gesprochen werden, dennoch permanent erzählt, quasi Bildsprache zum fühlen. Sicherlich hat Amer besonders im Mittelteil klare Schwächen und letztlich werden die eigentümliche Dramaturgie, die für viele nur schwer logisch nachvollziehbaren Handlungen der Protagonistin und die extremen Einstellungen dieses Trips nicht jedermanns Sache sein, doch im Gedächtnis bleiben wird einem dieses Kunstwerk auf jeden Fall.



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