Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte Poster

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Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte

(Gainsbourg, vie héroique, 2010)

Dt.Start: 14. Oktober 2010 Premiere: 20. Januar 2010
FSK: ab 12 Genre: Drama, Biografie
Länge: 121 min Land: Frankreich, USA
Darsteller: Eric Elmosnino (Serge Gainsbourg), Lucy Gordon (Jane Birkin), Laetitia Casta (Brigitte Bardot), Doug Jones (Die Fresse), Anna Mouglalis (Juliette Greco), Mylene Jampanoi (Bambou), Sara Forestier (France Gall), Kacey Mottet Klein (Lucien Ginsburg), Razvan Vasilescu (Joseph Ginsburg), Dinara Drukarova (Olga Ginsburg), Philippe Katerine (Boris Vian), Deborah Grall (Elisabeth Levizky), Yolande Moreau (Frehel)
Regie: Joann Sfar
Drehbuch: Joann Sfar


Inhalt

Serge Gainsbourg, ein französischer Komponist und Filmschauspieler und eine der größten Musikerlegenden des Nachkriegsfrankreichs wächst im vom Naziterror beherrschten Paris auf. In den 1960ern kommt er in seine schöpferische Glanzzeit und entwickelt sich zum Prototyp eines genialen Künstlers. Er lebt seine neu gewonnene Popularität und seinen Einfluss voll aus und hat mehrere Liebschaften mit den größten Stars der 1960er Jahre. Der Verführer Gainsbourg pflegt mehrere skandalöse Affären mit u.a. Brigitte Bardot und Juliette Gréco. Anfang der 1990er Jahre stirbt er letztlich in Paris.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Dimitrios Athanassiou
Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte hat eine Wertung von 55%
Er malte, machte Musik, war Kettenraucher und Alkoholiker, von Selbstzweifeln zerfressen und gleichzeitig von Selbstverliebtheit getrieben. Er liebte die Frauen und die Frauen lagen ihm zu Füßen. Serge Gainsbourg ist für Frankreich mindestens so bedeutend wie Elvis Presley für Amerika. Da war es längst an der Zeit, dieser schillernden Person ein filmisches Denkmal zu setzen. Zu mehr als dem Sockel der cineastischen Statue und ein paar oberflächlich herausgearbeiteten Strukturen hat es aber leider nicht gelangt.

Bild aus Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte Wenn Mütter ihre Töchter von einem bestimmten Typ Mann warnen, dann ist dies wohl der leichtlebig-boheme Künstler mit ausgeprägtem Schlafzimmerblick. Kaum ein anderer entspricht diesem Schema derart, wie der Sohn russisch-jüdischer Immigranten, Serge Gainsbourg, der 1928 das Licht der Welt erblickte. In Frankreich gilt das Multitalent als absolute Musik-Ikone und als einer der einflussreichsten Singer-Songwriter und Chansonniers seiner Epoche.

Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte stellt den Versuch dar, diesem außergewöhnlichen Menschen, mit dem Hang zu selbstinszenierter wie ausgiebig zelebrierter Tragik, ein Denkmal zu setzen. Als richtiges Biopic taugt der Film allerdings nicht: viel zu seicht geraten die Persönlichkeitsskizzen und Psychogramme. Ebenso wie Gainsbourg, der sich systematisch zwischen Alkohol und Tabakqualm auflöste, schwelgt der Film in Bildern, Musik und zuweilen in frivolem, aber dennoch vergleichsweise harmlosem Treiben.

Die Kinderjahre Gainsbourgs gehören Paris. Die Deutschen haben das Land besetzt und er muss als Spross jüdischer Eltern einen gelben Stern auf der Kleidung tragen. Von seinem Vater erhält er eine klassische Musikausbildung. Gainsbourg besitzt aber noch ein anderes Talent, er malt - bevorzugt nackte junge Damen, die ihm Modell stehen und denen er in Aussicht stellt, sie später zu seinen Geliebten zu machen. Die Malerei verfolgt ihn bis in die Zeit vor seinem 30. Lebensjahr. Er nimmt Unterricht bei renommierten Meistern und hält sich mit seinem Können, mehr schlecht als recht, über Wasser; nebenher hat er natürlich wechselnde Liebschaften.

Mit der Malerei eher bescheiden erfolgreich, wendet er sich in den Folgejahren der populären Musik zu und tingelt durch die Pariser Nachtklubs. Die bekannte Sängerin Michèle Arnaud, die er zuweilen am Piano begleitet, entschließt sich einige seiner Chansons für eine ihrer Platten zu verwenden. Von diesem Erfolg angespornt, schreibt er weitere Titel. Und bald reißen sich tatsächlich viele aufkommende Popsternchen darum, seine Lieder singen zu dürfen. Trotz der wachsenden Popularität wird Gainsbourg aber nicht glücklich. Frauen kommen und gehen, er hat Romanzen mit allerlei Berühmtheiten, die schleichende zerstörerische Seite, seines lasziven wie exzessiven Lebensstils, hält ihn aber fest in ihrem Griff.

Mehr als ein biografisches Streiflicht ist Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte nicht geworden. Das mag zum Teil schlichtweg daran liegen, dass es ausgesprochen schwer ist, diesen Mann in einem durchschnittlich langen Film porträtieren zu wollen. Dabei wäre die Chance möglicherweise sogar gegeben gewesen: Hatten sich die Macher doch eine Kunstfigur ausgedacht (ein überdimensioniertes groteskes Puppenwesen), die als Karikatur seiner jüdischen Seite und als Verführer-Ich Gainsbourgs immer wieder auftaucht und mit der der Protagonist in den (inneren) Dialog wie auch in den Clinch geht.

Konsequent wird dieses Stilmittel aber nicht ausgeschöpft und verflacht damit vordergründig zu einer Art bizarrem Comic-Element. Überdies wurde sich auffällig wenig Mühe gegeben, die Figuren rund um Gainsbourg herum ordentlich einzuführen. Alles passiert wie in einem holprigen, zähen und halbsurrealen Traum. Das gestaltet es schwierig, einen vernünftigen Rhythmus für den Erzählfluss zu finden. Episodenhaft schleicht sich die Geschichte somit von einem mageren Höhepunkt zum nächsten - immer hoffend, das Geschehen möge irgendwann Fahrt aufnehmen. Doch der Ton bleibt überwiegend nivelliert; abgesehen von einem sehenswerten Intermezzo, in dem sich Laetitia Casta als Brigitte Bardot die Ehre gibt.

Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte versagt nicht auf ganzer Linie; zumindest als unterhaltsames soft-biografisches Schaustück. Der Film müht sich überdies um Dichte, Struktur und Linie, vermag aber aus dem wirren Chaos, welches das Leben Gainsbourgs sichtlich war, nicht das Besondere herauszudestillieren, das ihn zum französischen Nationalheiligtum machte. An den Darstellern kann dieses Versagen nicht festgemacht werden; insbesondere Hauptdarsteller Eric Elmosnino gibt einen fabelhaften, zuweilen mitleiderregenden und zugleich brillanten bohemen Künstler ab. Was aber offensichtlich misslingt, ist die akkurate Gewichtung dessen, was für ein stichhaltigeres Portrait vonnöten gewesen wäre.

Für ein Biopic über einen casanovaartigen Schwerenöter ist der Streifen zudem überraschend züchtig, fast bieder inszeniert. Es braucht zwar nicht gleich zur reinen Fleischbeschau, ein Softporno draus gemacht zu werden, aber vom Laster, welches das Leben Gainsbourgs allgegenwärtig durchzog, gibt es im Film eindeutig die entschärfte Version. Vergleichbar verhält es sich mit seinem schöpferischen Werk: Weitgehend unter den Tisch fällt, dass er Filmmusik-Komponist, Drehbuchautor und sogar (wenig erfolgsverwöhnter) Filmschauspieler war.

Unterm Strich lässt sich festhalten, Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte versucht sich an vielem, zeigt zuweilen dabei sehenswerte Ansätze, versagt andererseits in der Tiefe, berappelt sich zwischendurch wieder, um abermals den Faden zu verlieren. Darin haben der Film und die Hauptfigur sichtlich einiges gemeinsam. Allerdings war Gainsbourg dazu noch über die Maßen brillant, etwas, was sich dem Film nicht wirklich nachsagen lässt.



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