|
Die Warnung gleich vorweg: Der Film ist sehr, sehr ruhig. Für den größten Teil der Kinogänger wohl zu ruhig. Aber das ist eigentlich schon der einzige Schwachpunkt von In the Bedroom. Denn obwohl man an manchen Stellen nicht so recht weiß, was als nächstes geschieht oder welche Richtung die Handlung einnehmen soll, kann man generell eigentlich an nichts meckern. Außer am langsamen Fluss der Szenen. Und an der Normalität der Situationen. Denn weder die Dialoge, noch die Ereignisse sind ungewöhnlich.
Aber gerade das macht den Film zu dem, was er ist: ein Familiendrama, das die Emotionen in einer tiefen Lebenskrise widerspiegelt. Eine Krise, wie sie absolut jeder erleben könnte, wie sie viele Menschen schon erlebt haben und sie jeden Moment passieren kann. Diese reale Alltäglichkeit zeigt Leinwanddebütant Todd Field in einer sehr bewegenden Charakterstudie, die sich in drei Teile gliedert. Zu Beginn lernt man die heile Welt der Fowlers kennen. Das Ehepaar Matt und Ruth ist nach vielen Jahren immer noch glücklich. Ihr großer Stolz ist Sohn Frank, der ein vielversprechendes Talent für Architektur besitzt. Frank wiederum ist in die wesentlich ältere zweifache Mutter Natalie verliebt. Einziger Schatten im Familienidyll ist Natalies Ex-Mann Richard. Bis dahin ist man sich nicht ganz sicher, ob nun Matt und Ruth oder Frank und Natalie im Mittelpunkt des Geschehens stehen. Doch dann passiert eine unvorhersehbare Tragödie und das Drama nimmt seinen Lauf. Plötzlich werden Matt und Ruth mit Emotionen wie Wut, Hass, Schmerz und innerer Leere konfrontiert. Und hier fängt In the Bedroom an zu faszinieren. In Tom Wilkinson und Sissy Spacek hat Todd Field eine ideale Besetzung gefunden. Denn die beiden können nicht nur hervorragend spielen. Sie können sogar die komplette Handlung tragen, ohne dabei aufgesetzt, übertrieben oder unglaubwürdig zu wirken. Ein großes Plus sind hierbei die Dialoge, die nie konstruiert, sondern einfach echt sind. Durch kurze Alltagsszenen erlebt man einen Blick in das Schlafzimmer anderer Leute, die genauso normal sind, wie jeder andere auch, und man hat das Gefühl, in der gleichen Situation genauso zu reagieren. Und dann kommt die dritte Phase der Krisenbewältigung. Nach dem anfänglichen Schmerz und der Hilflosigkeit ist es an der Zeit, innere Ruhe und Genugtuung zu finden. Hier wird man erneut vom Film überrascht und folgt Tom Wilkinson in die düsteren Wälder der menschlichen Psyche.
Absolutes Highlight ist die definitiv Oscar-würdige Interaktion der beiden Hauptdarsteller. Ihr facettenreiches Spiel führt das Publikum durch die verschiedenen Phasen einer emotionalen Krise. Der Film basiert zwar auf einer Kurzgeschichte von Andre Dubus, doch man könnte sich die Handlung auch sehr gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Wer sich nicht von der ruhigen Konfliktentwicklung abschrecken lässt, wird seine Entscheidung, den Film bis zu Ende zu sehen, nicht bereuen. Am besten lässt man sich ahnungslos und unvoreingenommen auf In the Bedroom ein. Denn nur dann erlebt man das emotionale Auf und Ab am wirkungsvollsten. Worauf man jedoch ständig achten sollte sind Kleinigkeiten, die eine große Bedeutung in sich tragen. Ebenso intelligent eingebracht ist der Ort des Schlafzimmers. Noch ein zusätzlicher Tipp zum Schluss: es ist nicht wichtig, was man sagt, sondern was man nicht sagt. |