Cunxin, der klassisches Ballett an einer chinesischen Eliteakademie studierte, kommt im Rahmen eines Kulturaustausches nach Amerika. Über Nacht wird er dort zum gefeierten Star und verliebt sich obendrein in eine Amerikanerin. Als er zurück in sein sozialistisches Heimatland soll, widersetzt er sich. Gefällige Mischung aus Biopic und Tanzfilm, allerdings mit offensichtlichen inszenatorischen Schwächen, die zuweilen an handwerkliche Ignoranz grenzen, den Film aber insgesamt dennoch nicht vollends zu ruinieren vermögen.
Die Machtergreifung der Kommunisten in China (1. Oktober 1949), dem größten Nationalstaat der Erde, führte seinerzeit zu einer noch stärkeren Polarisierung der Ost-West-Blöcke. Neben der ehemaligen Supermacht Sowjetunion existierte plötzlich ein schlafender Gigant, zwar unterentwickelt, aber bereits lauernd. An der Spitze dieses Staates stand Mao Zedong (Mao Tse-tung), auch als Der große Vorsitzende bezeichnet und zu einer Art messianischen Heilsfigur verklärt. Obwohl dem Westen technologisch unterlegen, war es Maos Anliegen, den Anschein zu erwecken, dass sein sozialistischer Staat in allen Belangen mehr als mitzuhalten vermochte. Im Zuge dessen und der innerstaatlichen Umbildung in eine technologisch fortschrittliche Gesellschaft, wird 1966 die sogenannte Kulturrevolution ausgerufen, die zehn Jahre andauern sollte.
Anfang der 1970er Jahre sind überall im sozialistischen Megastaat Talentsucher unterwegs. Li Cunxin (Chengwu Guo), gerade erst elf Jahre alt, fällt ihnen auf. Seinem Elternhaus entrissen, darf er sich fortan in einer Eliteakademie für Ballett abstrampeln. Ziel ist es nicht nur, die Darstellenden Künste im Land zu fördern, sondern aller Welt - insbesondere der westlichen - zu beweisen, dass China, ob im Sport oder in der Kunst, allerhöchstes Niveau verkörpert. Zu diesem Zwecke wird unablässig hart trainiert, was Cunxin nicht immer leicht fällt. Klassisches Ballett stellt eine enorme physische Herausforderung dar. Für die hohen Sprünge und die komplexen Hebefiguren ist viel Kraft vonnöten. Der schwächliche Cunxin hinkt lange hinterher und genießt damit einen schlechten Stand bei seinen strengen Lehrern.
Glücklicherweise findet sich darunter auch einer, der Mentorqualitäten besitzt. Dank seiner Tipps gelingt es Cunxin seine körperlichen Defizite aufzuarbeiten. Einige Jahre später gehört er als junger Mann (Chi Cao) zu den Vorzeigeschülern der Akademie. Dank seines Könnens erhält er im Rahmen eines Kulturaustausches die Chance, in den USA, in Houston Texas, auftreten zu dürfen. Kaum angekommen, ist der Schock bereits groß: Anders als ihm immer wieder weisgemacht wurde, leben die Menschen im Westen nicht unterdrückt, unterentwickelt und unzivilisiert. Cunxin kann es kaum fassen, was für Freiheitsgrade im Westen selbstverständlich sind. Künstlerisch läuft es für ihn zudem ausgezeichnet: Nachdem er für einen verletzten Kollegen einspringt, wird er über Nacht zum gefeierten Star und in Liebesangelegenheiten läuft es ebenfalls alles andere als schlecht. Seine Zeit in den USA neigt sich aber dem Ende entgegen - doch wie das alles einfach zurücklassen? Es kommt zur Machtprobe zwischen Cunxin, seinen Fürsprechern wie Freunden und der chinesischen diplomatischen Vertretung in den USA.
Im Grunde ist die Mischung aus Tanzfilm und Biopic des außergewöhnlichen Tänzers Li Cunxin eine reichlich seifige Inszenierung geworden. Besonders die Momente zwischenmenschlicher Konflikte geraten allzu Telenovela-like. Das mindert das Vergnügen an den spektakulären Tanzeinlagen aber nicht gänzlich und vermag auch nicht die dramatischen Qualitäten der Story vollends zugrunde zu richten. Die größte Sünde in Maos letzter Tänzer ist es aber, stets einen Film vor Augen zu haben, der fühlbar großes Potenzial einer ergreifenden Geschichte besäße und mitansehen zu müssen, dass an allen Ecken und Enden geschludert wurde.
Über den zuweilen soapigen Charakter hinaus, bekleckert sich der Kameraeinsatz nicht gerade mit Ruhm. Fast schon statisch klebt die Linse an den Tänzern, ohne mit dem Fokus, der Tiefenschärfe oder der Perspektive zu spielen. Auch in puncto politischer Aussage gibt sich der Film Blößen; dabei prädestinierte sich die Geschichte geradewegs für klare Statements. Zu sehr wurde aber der Political Correctness Vorrang gegeben, um keinem ernstlich weh zu tun. Zuweilen wird in Bildern dennoch eine klare Sprache gesprochen: beispielsweise als Cunxins Mentor während einer karikaturesken Aufführung die Tränen in die Augen bekommt; nachdem die kommunistische Führung der Schule verbot, klassische Aufführungen einzustudieren und stattdessen staatsräsonkonformes Revolutionsballett verlangte. Hier bewahrheitet sich, dass wann immer sich die Kunst der Politik unterwirft, es zu einer totalen Demontage der Kultur führt.
Die finale dramatische Zuspitzung, als Cunxin im chinesischen Konsulat festgesetzt und ihm vermittelt wird, dass seine Eltern und Geschwister mehr als Probleme bekommen, falls er darauf beharrt, in den USA zu bleiben, entbehrt leider etwas der greifbaren Bedrohlichkeit oder zumindest einer grundlegend beklemmenden Stimmung. Es entsteht mehr der Eindruck einer Geduldsprobe, sowohl auf der Leinwand wie beim Kinopublikum. Und doch bleibt summa summarum noch genug Substanz erhalten, um die Geschichte um diesen außergewöhnlichen Tänzer als sehenswert einzustufen. Allerdings ist der Gang ins Kino, außer für Arthousefans und Ballettenthousiasten, nicht unbedingt notwendig. Es genügt auch, den DVD-Release abzuwarten.