Die spannende Entstehungsgeschichte von Facebook: David Fincher dringt mit The Social Network weiter in den Hollywood-Mainstream vor. Das Drama um Freundschaft und Anerkennung weiß zu fesseln und die Einsamkeit im Digitalzeitalter als Geißel wie Inspirationsquelle für eine große (Geschäfts-)Idee darzustellen. Doch Erfolg bringt auch Neider mit sich.
Mark Zuckerberg ist der jüngste Milliardär der Geschichte und wohl einer der sozial am weitesten verkümmerten. Dies legt zumindest The Social Network nahe. Schon die erste Szene des Films verrät viel über die Hauptfigur, die sich nicht für den Zugang zu exklusiven Studentenclubs interessiert oder für den gemeinen Studenten außerhalb der eigenen Elite-Universität. Stattdessen widmet sich Programmierer Zuckerberg dem Computer und dem Internet, was zur Folge hat, dass er den Frust über ein gescheitertes Date schon mal in beleidigendem Ton für jeden sichtbar auf dem eigenen Blog verewigt. Diese Idee, Andere am eigenen Leben teilhaben zu lassen und eine Plattform bereit zu stellen, wo dies auf Wechselseitigkeit beruht, ist der Grundgedanke von Facebook und somit auch vom Film The Social Network, der die Entstehungsgeschichte von ihren Anfängen als interne Internetanwendung an der renommierten Harvard University bis hin zum weltweit zugänglichen Netzwerk beleuchtet.
The Social Network basiert auf dem unautorisierten Roman The Accidental Billionaires: The Founding of Facebook, A Tale of Sex, Money, Genius, and Betrayal von Harvard-Absolvent Ben Mezrich, der dafür mit Facebook-Mitbegründer Eduardo Saverin zusammen arbeitete. Zuckerberg selbst lehnte eine Zusammenarbeit jedoch ab. Letztlich kann somit nicht 100%ig festgestellt werden, was der Wahrheit, dramaturgischen Zuspitzungen oder nur der Meinung von Eduardo Saverin entspricht, der durch einen Trick aus dem Unternehmen gedrängt wurde und offensichtlich nicht gut auf Zuckerberg zu sprechen ist. Die wesentlichen Fakten seien dabei jedoch korrekt, versichert Mezrich.
So auch der Rechtsstreit zwischen Zuckerberg (Jesse Eisenberg, Zombieland) und Saverin (Andrew Garfield, Das Kabinett des Dr. Parnassus) und jener zwischen Zuckerberg und den Gebrüdern Winklevoss, die ihn auf geistigen Diebstahl verklagten. Anhand dieser rekonstruiert The Social Network die wesentlichen Stationen bei der Entwicklung von Facebook auf mehreren Zeitebenen. Regisseur David Fincher setzt dabei nach Zodiac - Die Spur des Killers und Der Seltsame Fall des Benjamin Button den eigenen Karrieretrend fort und drehte einmal mehr einen mainstreamtauglichen Film. Dieser lässt zwar den formalästhetischen Mut von seinen früheren, düsteren Thrillern vermissen, zeugt jedoch mit der Stimmigkeit, wie er in The Social Network ein spannendes Freundschafts- und Anerkennungs-Drama auf subtilem Wege mit medienkritischen Seitenhieben zu koppeln weiß, von viel Können. Dabei prallt die abgeschlossene kleine Welt der ambitionierten Programmierer und Computernerds mit jener der versnobten Eliteclubmitglieder zusammen. Beide sind für sich genommen menschenfeindlich: Hier technisiert, dort exklusiv; beide entfremdet, enthoben der "normalen" Lebenswelt.
An der feinen Entspinnung eines Charakterdramas ist auch Drehbuchautor Aaron Sorkin (Der Krieg des Charlie Wilson) nicht ganz unschuldig. Er verleiht den vielschichtigen Charakteren durchaus Tiefe. Zwar gelingt es ihm nicht, ins Innere des Denkens von Mark Zuckerberg vorzudringen, doch bleibt genau dort jene Leerstelle, die ein undurchsichtiger Nerd aufweisen muss. Obwohl Hauptfigur Zuckerberg dabei als eingebildeter Unsympath gezeichnet wird, kommt der Zuschauer nicht umhin, ihn als ebenso ambivalenten wie undurchsichtigen Charakter wahrzunehmen. Diese Uneindeutigkeit kann den Zuschauer stören oder als originelle Abwechslung zu festgelegten Figurenentitäten angesehen werden.
Während das Ensemble um Andrew Garfield und Jesse Eisenberg mit durchaus gelungenen Performances zu überzeugen weiß, sticht ein anderer Darsteller heraus. Justin Timberlake (Alpha Dog) verkörpert dermaßen weltmännisch und lässig Napster-Gründer Sean Parker, dass man nachvollziehen kann, warum er den schüchternen Mark Zuckerberg mit seinem Charme sofort in seinen Bann zieht. Ebenso einnehmend ist die Filmmusik von Nine Inch Nails-Sänger Trent Reznor und Atticus Ross, die mit wenigen Mitteln zum Teil eine fiebrige, aufwühlende Spannung aufbaut und auch einfachsten Szenen große Dynamik zu geben weiß. Das durchweg positive Gesamtbild von The Social Network wird durch ein grandioses Schlussbild abgerundet, welches Einsamkeit im digitalen Zeitalter treffend auf den Punkt bringt. Dafür gibt's ein dickes "Gefällt mir".