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Alles, was wir geben mussten(Never Let Me Go, 2010)
| Dt.Start: |
14. April 2011
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Premiere: |
15. September 2010 (USA) |
| FSK: |
ab 12
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Genre: |
Sci-Fi, Thriller |
| Länge: |
103 min
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Land: |
UK, USA |
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Darsteller:
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Andrew Garfield (Tommy), Keira Knightley (Ruth), Carey Mulligan (Kathy), Charlotte Rampling (Miss Emily), Domhnall Gleeson (Rodney), Sally Hawkins, Andrea Riseborough (Miss Lucy), Charlie Rowe (Tommy jung), Ella Purnell (Ruth jung), Izzy Meikle-Small (Kathy jung), Nathalie Richard, Hannah Sharp (Mandy), Oliver Parsons (Arthur jung), Lydia Wilson (Hannah), Kate Bowes Renna (Miss Geraldine) |
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Regie:
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Mark Romanek |
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Drehbuch:
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Kazuo Ishiguro, Alex Garland |
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 Inhalt
Kathy, Tommy und Ruth leben auf einem Internat in einem idyllischen Teil Englands. Alles scheint in Ordnung zu sein, doch die Tatsache, dass die Lehrer hier "Aufseher" genannt werden, die Kinder unter besonderer Beobachtung stehen und keinerlei Kontakt zur Außenwelt besteht, gibt den drei Schülern zu denken. Als für zwei von ihnen das jähe Ende des behüteten Lebens naht, ahnen sie nicht, was nun bevorsteht. |  |
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Durchschnittliche Redaktionswertung
Kurzkritik
von Daniel Licha
Je weniger man im Vorfeld über Mark Romaneks zweiten Film weiß desto besser, denn was anfangs fast wie ein typischer Internatsfilm wirkt, entpuppt sich nach und nach immer mehr als ein schonungsloser Film mit einer beklemmenden Thematik, der viele Fragen in den Raum wirft und diese glücklicherweise nie beantwortet, sondern es dem Zuschauer überlässt zu entscheiden wie er sich dem Thema annähern möchte. Wer weiß, ob sich die Menschheit in naher Zukunft nicht einmal mit ähnlichen Fragen auseinander setzen muss. Inszenatorisch zieht Romanek dabei alle Register und kann für eine ruhige, beklemmende Atmosphäre sorgen, was auch durch die wunderbare Musikuntermalung nochmals verstärkt wird. Sicherlich gibt es im Mittelteil ein paar Längen und Spider-Man Andrew Garfield erweist sich als eine Fehlbesetzung, aber Letztgenanntes wird durch die wie immer umwerfende Carey Mulligan ohne Mühe wieder ausgeglichen. Ein sehenswerter Film, der jedoch beim Mainstream sicher durchfallen wird.
Kurzkritik
von Dimitrios Athanassiou
Schöne-Neue-Welt-Utopien haben oft eines gemein: Die Verbesserung des Lebens führt über das Unheil einer kleinen Gruppe. Kazuo Ishiguros Bestseller "Never Let Me Go", der mit dem deutschen Titel Alles, was wir geben mussten in die Kinos gelangt, zeichnet eine (totalitäre) Welt, in der es zwei Klassen von Menschen gibt: natürlich geborene und gezüchtete. Diese elternlosen Wesen, existieren zu einem Zweck: Um im Erwachsenenalter sukzessive ihre Organe entnommen zu bekommen. Der Druck des Systems und die frühkindliche Indoktrination sind so stark, dass diese Menschen niemals gegen ihr Schicksal aufbegehren. Sie empfinden ihr eigenes frühes Ende sogar als ihre legitime Rolle und bezeichnen ihren Tod als "vollenden"! Der Film stellt eine utopische Variante unserer Welt dar, in der eine faschistoide Medizin-Ethik vorherrscht. Leider verzichtet er, dieses dezidiert zu belegen und verlässt sich darauf, dass der Zuschauer die Lücke vervollständigen möge. Eine zuweilen genötigte Romanze, der zu viel Raum eingestanden wurde, verkitscht die Handlung zudem. Trotzdem ist es Kino, das unter die Haut geht und am ehesten mit Filmen wie The Road verglichen werden kann.
Kritik
von Oliver Mai
Das Marketing einschließlich des Trailers von Alles, was wir geben mussten weist nicht in die Richtung, die der Film tatsächlich nimmt. Damit wird der Zuschauer von der tatsächlichen Handlung komplett überrascht sein - insbesondere wenn er weder die Buchvorlage, noch sonst etwas über den Filminhalt gelesen hat. Schade auch, dass die Story ihr großes Potential bei weitem nicht ausschöpft. Damit ist der Film insgesamt enttäuschend und definitiv zu eindimensional.
Vordergründig erzählt die Story von Kathy H. die in Hailsham aufwächst, einem Internat abgeschnitten von der Außenwelt. In einer Idylle scheint Kathy zusammen mit ihren Mitschülern eine behütete Kindheit auszuleben. Sie gehen in eine auf den ersten Blick normale Schule. Schon früh wird den Schülern dort eingebläut, dass sie etwas Besonderes seien, anders als die Menschen "draußen". Die Schüler werden aber zunächst über ihre Herkunft, Bestimmung und Zukunft im Dunkeln gelassen.
Ebenso vordergründig lernt der Zuschauer Kathys Mitschüler Tommy kennen, der ihr leid tut und dem sie deswegen hilft. Kathys beste Freundin ist Ruth. Obwohl Tommy seine geheimsten Ängste und Wünsche Kathy anvertraut, geht er eine Liebesbeziehung mit Ruth ein. Eine Dreiecksliebeskiste? Na gut, kann ja ein interessanter Aufhänger für eine Geschichte sein. Die Liebesgeschichte wird jedoch nur unmotiviert runtergespult und versperrt eher den Blick auf die interessante Hintergrundstory, als dass sie als Türöffner zu dienen vermag, für die wirklich interessanten Themen des Films.
Der Trailer gibt über das große Geheimnis von Hailsham und das eigentliche Thema nichts her. Er liefert allenfalls so etwas wie einen Einblick in die Tonalität des Films. Da der Film schon in der ersten Viertelstunde die Katze aus dem Sack lässt und bereits die ersten Szenen im Krankenhaus spielen ist aber schnell klar, worum es sich dreht:
Alle Hailshamschüler haben eine klar vorgegebene Bestimmung. Sie sind Klone! Ihre Existenz dient allein dem Zweck, ihre lebenswichtigen Organe zu spenden. Sie sind ausschließlich zu dem Zweck da, sich lebendig verstümmeln zu lassen, bis irgendwann der Tod eintritt. Auf dieser Story baute immerhin schon Die Insel auf - das wäre also der richtige Aufhänger!
Da kann man was draus machen, denkt sich der Zuschauer, aber nein die Story geht ebenso oberflächlich weiter, denn im Alter von 16 Jahren, müssen die Schüler Hailsham verlassen und kommen in Cottages, in welchen sie auch mit Klonen aus anderen Internaten zusammenleben. Ruth und Tommy leben ihre Liebe - beobachtet von der (vielleicht?) eifersüchtigen Kathy aus. Bevor sie selbst zum Spender wird, entschließt Kathy, sich als Betreuerin zu melden. Sie lässt sich ausbilden und betreut Spender bis zur finalen Spende - der Vollendung. Erst Jahre später trifft sie durch Zufall dann Ruth wieder, die sich mittlerweile von Tommy getrennt hat und bereits zwei Spenden hinter sich hat. Die beiden Frauen finden Tommy und wieder steht - zu vordergründig - die Dreiecksliebesgeschichte im Fokus. Die eigentlich interessanten Schauspieler um Charlotte Rampling und Keira Knightley bleiben damit gleichfalls farblos und agieren im Film wie auf Valium.
Die gesamte Klonthematik wird bestenfalls als Zusatz der vordergründigen Lovestory benutzt, um nur ansatzweise Emotion zu erzeugen. Das ist bei der Thematik eindeutig zu wenig und eine Verkehrung der Gewichtung. Es stellt sich nach dem Film einfach die Frage, warum keiner der Protagonisten gegen ihre sukzessive Organ-Ausschlachtung rebelliert. Warum keiner flüchtet? Warum alle diese Situation fast wie Vieh apathisch hin nehmen und sich zur Schlachtbank führen lassen? Unklar bleibt auch, wer als Vorlage/genetische Quelle für die Klone diente? Der gesamte organisatorische Unterbau der Organentnahme bleibt unbeleuchtet. Liegt Hailsham vielleicht innerhalb eines staatlichen Systems oder ist es eine private Organisation, die daran verdient? Alles interessante Fragen, die der Film leider nicht einmal stellt, geschweige denn beantwortet. Die filmische Umsetzung des Romans von Kazuo Ishiguro lässt den Hintergrund der Organentnahme bedauerlicherweise komplett Außen vor. Anders als in der Buchvorlage bleibt auch das Verhältnis der "normalen" Bevölkerung zu den Klonen unbeleuchtet.
Interessant ist auch, dass der Film als Sci-Fi/Thriller beworben wird. Der Film lässt definitiv Niemanden vor Spannung in seinem Kinosessel zusammensinken und Sci-Fi geht auch anders. Insgesamt ist Alles, was wir geben mussten eher eine Lovestory vor einem utopisch-dramatischen Hintergrund. Der eigentlich interessante Organspendenaufhänger verschwindet total hinter der Dreiecks-Love-Story zwischen Kathy, Ruth und Thomas. Damit vergibt der Film die Chance, eine große Geschichte zu erzählen. Für die trivial und plump erzählte Dreiecksgeschichte ist die Hintergrundstory eindeutig viel zu schade.  Weitere interessante Filme
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