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Battle in Seattle

(Battle in Seattle, 2007)

Durchschnittliche Redaktionswertung

75%



Inhalt

Die als "Battle of Seattle" bekannten Demonstrationen und späteren Ausschreitung rund um das Treffen der Welthandelsorganisation in Seattle 1999 werden für immer im Gedächtnis bleiben. Die Ereignisse von damals sind vor allem für die Beteiligten aber auch für die Weltöffentlichkeit erschütternd und haben vieles verändert.

Kritik

von Lars Schnell

Wertung Kritik

75%

"Erklärtes Ziel der WTO ist es, auch Entwicklungsländer bei der Teilnahme am internationalen Handel zu unterstützen." Ein Satz, den Stuart Townsend mit seinem Regiedebut in aller Deutlichkeit revidiert. Sein Film zeichnet ein solch klares und schonungsloses Bild der Konflikte des WTO-Treffens von 1999, dass es zwischenzeitig die Sprache verschlägt. Ein Zustand, der leider nur kurz anhält, da allzu glatte Charaktere den Gesamteindruck des sonst so ehrlichen Polit-Dramas schmälern und in die obere Mitte abrutschen lassen.

Bild aus Battle in Seattle Die "Ministerkonferenz der Wirtschafts- und Handelsminister der WTO" sollte eigentlich 1999 in Seattle friedlich von statten gehen, fand jedoch aufgrund der anhaltenden und eskalierenden Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei ihr frühzeitiges Ende. Neben den Problemen außerhalb des Konferenzsaales fühlten sich auch die Vertreter der Entwicklungsländer innerhalb nicht ernst genommen und vernachlässigt.

Bevor Regisseur Townsend aber auf diese Problematik näher zu sprechen kommt, beginnt er mit einer kurzen Einleitung zur Entstehung und den Zielen der WTO, die als Regulator für den internationalen Markt stehen. Schon hier schlagen dem Zuschauer größtenteils negative Stimmen gegen diese Organisation entgegen und schaffen das nötige Verständnis für die Beweggründe der Globalisierungskritiker rund um Jay, die am Vortag der Konferenzeröffnung ihr erstes Banner hissen: zwei Pfeile in entgegengesetzte Richtungen, auf einem steht "WTO", auf dem anderen "DEMOCRACY". Ein Bild, das schon 1999 Geschichte schrieb.

Am nächsten Tag bereiten sich sowohl die Politaktivisten als auch die Polizei auf die bevorstehenden Demonstrationen und die Konferenz vor. Die Pläne werden nochmals durchgegangen ,während zeitgleich Straßen gesperrt und das Konferenzgebäude gegen die Umwelt abgeschottet wird. Townsend gibt schon hier Einblicke in beide Parteien des bevorstehenden Konfliktes und ermöglicht so eine nicht rein subjektive Sicht auf das geschehen. Auch die Person des Bürgermeisters wird eingeführt, der man schon von Beginn an skeptisch gegenüber steht. Nachdem die Positionen geklärt sind und allerorts auf ein gewaltfreies Vorgehen hingewiesen wurde, beginnen die Proteste. Viele der folgenden Szenen dürften den Zuschauer an Bilder aus dem Fernsehen, in einigen Fällen vielleicht sogar an miterlebtes erinnern. Dass solch ein realistisches Bild der von Demonstranten und Polizei überfüllten Straßen gezeichnet wird, verdankt der Regisseur an erster Stelle den Originalaufnahmen von 1999, die sich nahtlos in die Fiktion einfügen. Teils wackelige Handkameras verstärken den Eindruck, man sei mitten im Kampf gegen die WTO und die Wirtschaftsmächte.

Friedlich begonnen, vollzieht sich jedoch mit dem Auftreten des Schwarzen Blocks, einer radikalen Gruppierung, ein schneller Wechsel zu einem spannungsgeladenen Konflikt. Schaufenster werden zerstört und Gewerkschaftler, die sich mittlerweile unter die demonstrierende Menge gemischt haben, sowie friedliche Aktivisten werden in einen Topf mit dem Linksautonomen Spektrum geworfen. Die Protestaktionen beginnen Auszuschreiten und die Stadt sieht sich gezwungen, den Ausnahme-Zustand zu verhängen, um diverse Notklauseln in Kraft treten zu lassen, die den Spezialeinheiten ein radikaleres Vorgehen ermöglichen. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen, da keiner so richtig auf diese Situation vorbereitet zu sein scheint und zu unbedachten Handlungen gezwungen ist. Sensationslüsterne Reporterinnen werden durch überspitze Dramatik zu Globalisierungsgegnern und Polizisten fangen nach dem tragischen Unfalltod ihres ungeborenen Kindes an, ihre Arbeit anzuzweifeln. Die vielen Protestler hingegen beginnen in Frage zu stellen, ob es sich überhaupt noch lohnt, in den endzeitlichen Straßen Seattles weiter für ein demokratisches und ehrliches Weltbild zu kämpfen, wo doch trotz der zwei aufgezählten Personen keiner so recht von seiner Position abzurücken vermag und viele Mitstreiter stark geschwächt sind oder sogar verhaftet wurden. Während draußen immer mehr Tränengas in die Menge gejagt wird, tagen im inneren die Vertreter der Länder. Sowohl für den "Ärzte ohne Grenzen"-Mitarbeiter Dr. Maric, herzergreifend gespielt von Rade Serbedzija, wie auch für die Entwicklungsländer scheinen die Weltmächte kein offenes Ohr, sondern nur Ignoranz übrig zu haben. So ist es ein Höhepunkt des Films, wenn ein Großteil der Abgeordneten den Vortrag über die folgeschweren Belastungen der Dritten Welt durch die Patentrechte der Pharmakonzerne verlässt, ohne seinem Bitten nach Gehör das kleinste bisschen Aufmerksamkeit zu schenken.

Jedoch erscheinen alle Personen, ob friedlich oder gewalttätig, Demonstrant oder Polizist, Vertreter einer Wirtschaftsmacht oder eines Entwicklungslandes, Arzt oder schwangere Frau, viel zu steril gezeichnet. Zwar können die Schauspieler auf ganzer Linie überzeugen und verleihen ihrer Rolle die passende, emotionale Tiefe, jedoch sind es gerade die dramatischen Momente und die oberflächlichen Dialoge, die den sonst so realistischen Eindruck schmälern. Über die historischen Hintergründe herausgehobene, stellenweise unglaubliche Tragödien stören das ansonsten schockierend real gezeichnete Bild der Straßenkämpfe und erzeugen ein klischeehaftes Opferporträt.

Liesen sich im Internet seitenlange Abhandlungen über den politischen Hintergrund der Ereignisse lesen, serviert der Film das wesentliche, die Botschaft, in mundgerechten Stücken und spart es sich so, ein allzu verzwicktes politisches Geflecht zu erläutern. Eine solche Behandlung der Thematik hätte jedoch auch nicht so leicht funktionieren können, da der Erfolg der Demonstrationen nicht etwa in einer politischen, sondern in einer gesellschaftlichen Revolution liegt. Die Tatsache, dass eine geschlossene Masse die Möglichkeit hat, dem eisern ineinandergreifenden Staatsapparat Kontra zu bieten und ihn aus seinen Angeln zu heben, stets mit Blick auf ein gemeinsames Ziel, ist eine bedeutende Botschaft an nachfolgende Generationen. Im Falle undemokratischen oder nach menschlichen Werten ungerechten Handelns ist es wichtig, die eigene Stimme zu erheben, selbst wenn sich die Mühle unbarmherzig weiterdreht. Denn nur auf diese Weise scheint man sich bei mächtigen Organisationen zumindest etwas Gehör verschaffen zu können. Jedoch bezieht der Film dabei klar Stellung gegen den radikalen Zweig der Demonstranten und gibt deutlich zu verstehen, dass man seine Mitmenschen respektieren soll und im Falle eines Verfalls der Grundrechte gemeinsam für sein Recht und das Recht aller Menschen eintreten muss, selbst wenn es nur den Aufschub einer Entscheidung bedeutet.

Battle in Seattle ist ein wunderbar gefilmter Appell an die Menschlichkeit und gegen die Globalisierung mitsamt ihren kapitalistischen und marktwirtschaftlichen Folgen für die Länder der Dritten Welt. Vor dem Hintergrund des sogenannten "Battle of Seattle" werden fiktive Schicksale der an den Ausschreitungen von 1999 involvierten Gruppen näher beleuchtet und dramaturgisch zugespitzt. Dass Regisseur Townsend dabei lediglich an der Oberfläche der politischen Hintergründe kratzt, macht den Film zwar für das breite Publikum attraktiver, dürfte hingegen den intellektuell anspruchsvollen Politakademiker enttäuschen. Vor allem was die Folgen der gescheiterten Konferenz, die Motivation der Wirtschaftsnationen und den sogenannten Schwarzen Block angeht, hätte Townsend etwas mehr in die Tiefe gehen können, schafft durch diese Kompression des politischen Hintergrunds jedoch eine klare Botschaft. Dafür verlässt er sich glücklicherweise nicht nur auf die Demonstranten, sondern beleuchtet sowohl die Motivation der Aktivisten wie auch die des Staatsorgans, speziell der Polizei. Sich im eigenen Regiedebut mit einem dermaßen polit-lastigen Thema auseinanderzusetzen ist mit Sicherheit gewagt und schafft einige Hürden, die Townsend größtenteils meistert. Im Kino leider nicht ausgestrahlt, sollte man unbedingt zur DVD greifen und sich einen eigenen Eindruck von den Konflikten der dritten WTO-Konferenz machen, wenngleich die fiktive Erzählweise auf dramaturgischer Ebene stark aufs Gas drückt und dadurch um einiges mehr Spannung rauskitzelt als eine nüchterne, aber dafür objektivere und sachlichere Dokumentation.

Keine weitere Wertung


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