Nachdem das Kino jahrzehntelang das Mittelalter zu einer glitzernden Epoche hochstilisierte, begann sich das Bild dieser Zeit, insbesondere in den letzten 30 Jahren, allmählich zu wandeln. Heutzutage dominieren in der Darstellung Schmutz, Gewalt, Krieg, Seuchen, technologischer Stillstand sowie Inquisition und Gottesgerichte. Black Death packt vieles davon in eine Story und fügt noch eine merkwürdige Form von Religionskritik hinzu. Das entstandene Werk gerät damit zu einer leicht bizarren Mischung, mit einigen inszenatorischen Schwächen, aber durchaus mit hohem Schauwert und interessanten Fragestellungen.
Filme wie Der Name der Rose, Braveheart, Königreich der Himmel oder jüngst Agora - Die Säulen des Himmels, der zeigt wie die wissensfreundliche Antike mit dem barbarischen Aufstieg des Christentums unterging, haben das finstere Bild vom Mittelalter nachhaltig geprägt. Black Death macht überhaupt keinen Hehl daraus, dass er genau auf dieser Welle reitet. Es ist das Jahr 1348, die Aufklärung hat noch lange nicht begonnen. In Europa wütet die Pest, eine furchtbare Krankheit, die von den Flöhen der Wanderrate übertragen wird.
Während der Schwarze Tod, wie man diese Krankheit auch nennt, Millionen dahinrafft, beginnt der Glaube des einfachen Volkes an ihren Schöpfer und dessen Vertretungsinstanz, die katholische Kirche, zu schwinden. Viele Menschen wenden sich ab und flüchten sich in den Aberglauben. Schlimmer noch, dass ein Gerücht die Runde zu machen droht, dass irgendwo fernab ein Dorf existieren soll, das von der Krankheit verschont bleibt, da seine Bewohner mit Satan im Bunde sind. Der Ritter Ulric (Sean Bean) und seine finstere Horde von Hexenjägern werden vom Bischof beauftragt, dieses ominöse Dorf ausfindig zu machen und wenn möglich, den Chefhexer lebendig zurückzubringen, damit er gerichtet werden kann.
Gemeinsam mit dem jungen ortskundigen Mönchsnovizen Osmund (Eddie Redmayne), der dem Zölibat wenig abgewinnen kann und seine heimliche Geliebte unlängst aus der pestverseuchten Stadt schaffte, zieht der wüste Haufen durch ein gottverlassenes, endzeitlich anmutendes Land, in dem sich Menschen gegenseitig Unaussprechliches antun und sich dabei auf den Glauben berufen. Nach einem Überfall von umherstreifenden Banditen, der zum blutigen Gemetzel ausartet, gelangen die Männer verwundet und entkräftet an einen seltsamen Ort, der inmitten des Grauens wie ein Garten Eden wirkt. Ein Paradies allerdings, in dem niemand an den christlichen Gott glaubt. Obwohl man Ulrics Männer freundlich aufnimmt, ihnen Obdach gewährt und ihre Wunden versorgt, ist niemand bereit, vom ursprünglichen Plan abzurücken: Das Dorf ist ein gottloser Ort, der dem Erdboden gleichgemacht werden soll. Die Herrin dieses Ortes vermag aber in die Herzen der Männer zu blicken und die Bewohner sind alles andere als wehrlos.
Bei Black Death handelt es sich um einen recht verwirrenden Film: Zu Beginn ist man sich noch sicher, einen der üblichen Historienschinken vor sich zu haben, doch kaum sind die Hexenjäger auf ihrer Mission, wandelt sich die Atmosphäre sichtlich. Bald darauf meint man, ganz klar fantasyhafte Züge, ähnlich wie Der 13. Krieger, zu erkennen. Und spätestens wenn die Truppe zum Dorf gelangt, das vor Reinheit und Gesundheit überquillt und damit regelrecht entrückt wirkt, erwatet man einen ordentlich okkulten Streifen zu erleben. Doch Black Death bleibt inszenatorisch zwischen all diesen Ansätzen stecken.
Dieser Kritikpunkt lässt sich mühelos auf die Intention und Aussage des Films übertragen. Anfänglich wird das mittelalterliche Christentum ganz klar als menschenverachtende Religion aufgebaut. Die Kirche macht dem Volk weiß, dass die Pest eine Gottesstrafe sei, überall finden Hexenverbrennungen statt und professionelle Hexenjäger machen Jagd auf vermeintliche Teufelsanbeter. Das Dorf, welches von der Pest nicht heimgesucht wurde, erscheint zunächst als Antithese zu diesem irrationalen Grauen: Ein Hort, in dem sich die Menschen ein Wissen um die Heilkunst bewahrten, sich gesünder ernähren und allein schon dadurch, dass sie sich regelmäßig waschen, nicht krank werden. Das einzig "teuflische" an diesem Ort, dass seine Bewohner keine Christen sind - aber nicht ohne Glauben.
Konsequent bleibt Black Death in seinem Statement nicht: Kaum sind die christlichen Söldner und die Kirche als Schuldige überführt, dreht sich die Handlung und führt die eigene, vorher recht stringent formulierte, These gewissermaßen ad absurdum: Das vermeintlich Gute wird zum Bösen und die Protagonisten, die vorher keine Chance auf einen Sympathiepreis gehabt hätten, erleiden Höllenqualen. Unweigerlich schlagen wir uns nun emotional auf deren Seite. Ist es Prägung, schließlich sind die meisten von uns Produkt des "christlichen Abendlandes" oder ist es Reflex, dass wir uns immer mit denen solidarisieren, die gerade in Not sind?
Ähnliche Fragen formuliert der Film über die Religion an sich: Ist sie ein Affekt, der sich in Notsituation bemerkbar macht, ist es womöglich Erziehung oder letzten Endes wirklich freier Wille? Und sind wir tatsächlich überzeugt, dass eine Form von Religiosität existieren kann, die nicht durch den Menschen missbrauchbar ist? Black Death zielt irgendwie auf alles und auf nichts. Niemand ist wirklich nur dies oder das, Gut oder Böse und niemand ist wirklich unschuldig. Verpackt wird dieses fantasyhistorische Schaustück in einen Handlungsbogen, der irgendwo zwischen Der Name der Rose und Der 13. Krieger angesiedelt ist. Darüber hinaus gibt es deutlich Anleihen bei der Artus-Sage; allerdings hauptsächlich bei der Fantasy-Schmonzete von Marion Zimmer Bradley Die Nebel von Avalon.
Black Death erzählt eine Geschichte aus einer dunklen Zeit, in der die Pest quer durch Europa von Island bis nach Byzanz wütete und die Weltbevölkerung um bis zu 40 Prozent dezimierte. Dieser finstere Aspekt treibt die Geschichte voran, aber all das, was das Mittelalter als solches sonst charakterisiert, wird nicht ausgeklammert. Die Kampf- und Folterszenen sind definitiv nichts für Zartbesaitete. Die Gewalt gerät aber nicht zum Selbstzweck, sondern fügt sich sinnig in das Gesamtbild der Zeit ein. Überdies ist der Film bevölkert von interessanten Charakteren, denen die überzeugend agierenden Schauspieler Leben verleihen. Ein altes Wiedersehen gibt es dabei mit Sean Bean, der optisch sehr an seine Filmfigur aus Herr der Ringe erinnert.
Insgesamt ist Black Death zwar kein ausgesprochenes Meisterwerk, vielleicht nicht einmal ein Highlight. Die vielen Unklarheiten, besonders im Ausformulieren einer klaren Aussage, lassen den Zuschauer mit zu vielen Fragen zurück; auf der anderen Seite aber sind es genau diese Aspekte, die zu vielen interessanten Gesprächen anregen können. Genau deshalb könnte es durchaus sinnvoll sein, sich selbst ein Bild davon bei einem Kinobesuch zu machen.