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Betty Anne Waters

(Conviction, 2010)

Dt.Start: 17. März 2011 Premiere: 15. Oktober 2010 (USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama, Thriller, Biografie
Länge: 110 min Land: USA
Darsteller: Sam Rockwell, Hilary Swank (Betty Anne Waters), Juliette Lewis, Peter Gallagher, Minnie Driver (Abra), Clea DuVall, Ari Graynor, Melissa Leo, Loren Dean, John Pyper-Ferguson (Aidan), Karen Young, Marc Macaulay (Officer Boisseau), Toya D. Brazell (Clerk)
Regie: Tony Goldwyn
Drehbuch: Pamela Gray


Inhalt

Betty Ann Waters versucht ihren nach einem strittigen Urteil zu lebenslanger Haft verurteilten Bruder schnellstmöglich wieder aus dem Gefängnis zu befreien. Dazu ergreift sie selbst die Initiative. Nachdem sie das Jurastudium absolviert und erfolgreich beendet hat, vertritt sie ihren Bruder als Anwältin, rollt dessen Fall neu auf und stellt das damalige Urteil anhand von DNS-Beweismitteln in Frage.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Betty Anne Waters hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 55%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Oliver Mai
Betty Anne Waters hat eine Wertung von 55%
Die filmische Umsetzung einer wahren Geschichte gelingt Tony Goldwyn nur bedingt. Die an sich interessante Story läuft zu glatt, um beim Zuschauer wirklich Spannung aufzubauen. Obwohl inhaltlich emotional angelegt, kann der Film beim Kinobesucher keine anhaltenden Gefühle erzeugen. Die an sich guten Schauspieler bekommen ihr Können nicht auf die Leinwand und so schöpft Betty Anne Waters sein Potential bei weitem nicht aus.

Bild aus Betty Anne Waters Betty und Kenny stehen sich seit ihrer Jugend in den Sechziger Jahren sehr nahe. Die Geschwister stammen aus zerrütteten Verhältnissen und wuchsen bei verschiedenen Pflegefamilien auf, nachdem ihrer überforderten Mutter (Karen Young) nach diversen Beutezügen der Kinder auf der Suche nach Essen das Sorgerecht entzogen worden war. Kenny ist kein sanftes Lämmchen, sondern eine Persönlichkeit, dem schon mal die Hand ausrutscht. Der Hitzkopf benimmt sich Dritten gegenüber auch sonst schon mal "politisch unkorrekt".

1980 wird in einer einfachen Hütte am Rande von Ayer, Massachusetts eine furchtbar zugerichtete Leiche entdeckt. Officer Nancy Taylor (Melissa Leo) bittet Bettys Bruder Kenny (Sam Rockwell), einen der üblichen Verdächtigen, zum Verhör. Der hält das für einen Spaß und lässt sich nur unter vorgehaltener Waffe zum Mitkommen bewegen. Nachdem die Beamten nichts gegen ihn in der Hand haben, wird Kenny laufen gelassen. Zwei Jahre später wird Kenny überraschend verhaftet: Er beteuert seine Unschuld, doch vor Gericht wird er von mehreren Zeugen schwer belastet, darunter Officer Nancy Taylor, Brenda (Clea DuVall) - der Mutter seiner Tochter,von der er inzwischen getrennt ist - und Roseanna Perry (Juliette Lewis), eine weitere Ex. Kennys Blutgruppe stimmt mit dem am Tatort gefundenen Blut des Täters überein. Er wird schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt.

Als auch die Revision verloren geht, unternimmt Kenny im Gefängnis einen Selbstmordversuch. Daraufhin trifft Betty (Hilary Swank) den Entschluss, Jura zu studieren und Anwältin zu werden, um sich für Kennys Rehabilitation einzusetzen. Bevor sie sich einschreibt, nimmt sie Kenny das Versprechen ab, dass er sich nichts antun wird, während sie ihn freikämpft.

Die besten Geschichten schreibt das Leben. So basiert auch Betty Anne Waters auf einer wahren Geschichte. Die Verfilmung ist dabei weniger ein klassisches Gerichtsdrama, in dem Juristen in verstaubten Akten nach dem entscheidenden Präzedenzfall suchen, Zeugen im harten Kreuzverhör auseinander nehmen und sich mit dem Staatsanwalt wilde Wortgefechte liefern. Im Mittelpunkt steht vielmehr der emotionale, persönliche Aspekt des Kampfes von Betty für ihren Bruder.

Trotz genialem Cast bleibt die Umsetzung des emotionalen Ansatzes sehr im Versuchsstadium stecken. So hätte Bettys Obsession von der Unschuld des Bruders und ihre Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass sie möglicherweise ihr Leben damit vergeudet, mehr Aufmerksamkeit verdient. Sam Rockwell als Kenny sieht man weitestgehend nur bei den Besuchen, die ihm seine Schwester abstattet. Leider kann er, wie auch die übrigen Schauspieler, nicht sein ganzes Können ausspielen. Oskar-reifes wird hier jedenfalls nicht gezeigt. Auch die Maskenbildner hätten sich bei der Verwandlung der Charaktere der 80er-Jahre in ihre 15-Jahre älteren Konterparts etwas mehr Mühe geben können. Bis auf eine andere Frisur kommen alle Personen weitgehend ohne offensichtliche Veränderungen wie z.B. Falten weg.

Tony Goldwyn erzählt die Geschichte in 3 Erzählebenen: Bettys und Kennys Kindheit; die Ebene der Tat und Bettys jahrelanger Kampf um Gerechtigkeit. Besonders bei den intensiven Szenen der Kindheit gelingt es Goldwyn, den Zuschauer einzufangen. Bei der Hauptebene, Bettys Ringen um Gerechtigkeit, ist die Story sehr geradlinig herunter erzählt. Bettys Suche schleppt sich etwas, ohne wirklichen Spannungsbogen, ohne wirkliche Überraschungen und Dramatik, von Beweis zu Beweis. Goldwyn gelingt es daher nicht, den Zuschauer emotional über die ganze Strecke mit zu nehmen. Dies ist auch angesichts der realen Storyvorlage schade, die eine packendere Umsetzung verdient hätte. Alles in allem ist der Film beschaulicher als der Trailer, der eine dynamischere Gangart erwarten lässt.



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